Grün vor Ärger

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Anwohner betonen die Funktion der Kleingärten zur Luftreinigung Foto: Archiv/Haas
 
Zukünftige Entwicklungen würden in Luftgutachten nicht berücksichtigt, so Dr. Klaus Bigalke Foto: Müller/wb

Anwohner werfen Planern beim Dieselstraßen-Bauprojekt vor, Einwände zu ignorieren

Barmbek Der Bebauungsplan Barmbek-Nord 11 auf dem Kleingartengebiet rund um die Dieselstraße wird unverändert umgesetzt. Wie berichtet, begannen bereits die Erschließungsarbeiten für das erste von insgesamt fünf Baufeldern. Mit ihren Fragen zu Bauprojekt kamen rund 50 Barmbeker Bürger zur Info-Veranstaltung der Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg) in die Stadtteilschule Helmuth Hübener. Der Opernfundus der Staatsoper könne frühestens im Jahr 2019 nach Rothenburgsort umziehen, teilte Moderator Daniel Boedecker mit und erntete großes Seufzen: Denn dadurch verlängert sich die Bauzeit auch noch um zwei weitere Jahre.
155 öffentlich geförderte Wohnungen, von denen allerdings nur 44 über den ersten Förderweg laufen, soll das aktuelle Baufeld auf dem ehemaligen Platz des Sportvereins Barmbek-Uhlenhorst an der Steilshooper Straße künftig beherbergen: nach der Vorstellung des Bauherren „Bauverein der Elbgemeinden“ (BVE). Geschäfte und eine Kita seien ebenfalls eingeplant. Ein Architekturwettbewerb laufe noch bis Mitte Dezember, so der Bauverein. Erst danach könne konkret geplant werden.

Luftgutachten in der Kritik


Die Hauptsorge der Anwesenden galt der steigenden Schadstoffbelastung durch die künftige Bebauung: zunächst durch die Abholzung von über 200 Bäumen. Zugleich drohe ein reduzierter Luftaustausch durch die künftig bis zu sechs Stockwerken hohen Gebäude. Zudem sei eine neue Schadstoffbelastung durch vermehrte Staus nach den Fahrbahnverengungen in der Fuhlsbüttler Straße zu verzeichnen, Tendenz steigend: Denn nach Fertigstellung der Wohngebäude nehme der Verkehr durch tausende neue Nachbarn eher noch zu.
Die Expertise des Gutachters Dr. Klaus Bigalke konnte die Befürchtungen der Anwohner keineswegs beschwichtigen: Der Hamburger Verkehr sei seit Jahren „gesättigt“, stellte Bigalke fest. Weder die Belastungen des zunehmenden Klimawandels noch die Rodung der Bäume seien in seinen Berechnungen einbezogen worden, räumte der Experte auf Nachfragen ein. „Das ist in solchen Gutachten nicht üblich.“
Dabei sei Hamburg doch schon jetzt im bundesweiten Vergleich eine der Städte mit den schlechtesten Luftwerten, entgegneten die Anwohner. „Die künftigen Auswirkungen sind verheerend“, erklärte Benny Rimmler, Sprecher der Bürgerinitiative Dieselstraßenland. Rimmler präsentierte kritische Punkte zum Luftgutachten: Der Verkehr sei keineswegs „gesättigt“, er nehme zu und mit ihm steige auch die Luftbelastung. „Anders als im Gutachten weist der Bebauungsplan zudem bis zu 25 Prozent höhere Geschosse aus“, so Rimmler weiter. Zudem würden die luftreinigende Wirkung noch bestehender Grünflächen sowie die Folgen des künftigen Kahlschlags auf dem zehn Hektar großen Gebiet in den Berechnungen nicht berücksichtigt. Dies kritisiert auch der NABU, der eigens zum Bauprojekt ein Positionspapier vorlegte. Eine zunehmende Verschlechterung im Umfeld der Habichtstraße sei nicht hinnehmbar, wo Bewohner jetzt schon Stickstoffdioxide oberhalb des Grenzwerts einatmen müssen. Wissenschaftliche Studien sowie das Klimagutachten 2050 der Stadt Hamburg fordern dagegen eine Verbesserung der Lage in solchen Ballungsgebieten. „Barmbek Nord 11 bewirkt jedoch genau das Gegenteil“, sagte Benny Rimmler im regen Dialog, Nachfragen waren zugelassen. Was nichts an der Kritik der Anwohner an dieser Form von Bürgerbeteiligung änderte: Sie bemängelten, sämtliche Einwendungen zum Bebauungsplan würden ignoriert. „Das hier ist eine Farce!“ empörte sich eine Besucherin unter großem Beifall. (wh)

Weitere Infos: www.dieselstrassenland.de und www.ausguck-barmbek.de
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 27.11.2015 | 19:07  
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