Hamburg: Bald auf dem Trockenen?

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Die Bramfelder Senioren sind seit Jahrzehnten Stammkunden im Bad und wünschen sich auch für die Zukunft eine handbreit - warmes - Wasser unter den Füßen
 
Schwimm-Meister Reinhold Knoop sucht nach Lösungen, um Senioren und Schüler Zeit und Platz im Wasser zu bieten

Konflikt mit Bäderland – Seniorengruppe kämpft für ihre Wassergymnastik

Hamburg. Keiner weiß es mehr genau, wann die „Wassergymnastik mit Sabine“ ins Leben gerufen wurde – zu lange ist es schon her. Sind es 15 Jahre, 17 oder gar 20? Sicher ist nur, dass sich die 40-köpfige Seniorengruppe schon sehr lange in der Fabriciusstraße trifft, um im Bäderland einmal wöchentlich Wassergymnastik zu betreiben. Bis vor Kurzem war alles gut: Jeden Dienstag, von elf bis halb zwölf, war Zeit und Platz im warmen Wasser des Lehrschwimmbeckens.
Doch jetzt ergeben sich für das Bäderland neue Anforderungen mit dem Schulschwimmunterricht. Ein Vertrag mit der Schulbehörde wurde geschlossen, in dem das Schulschwimmen besonders für Grundschüler im Vordergrund steht. Grundschüler sind naturgemäß klein und können nur im Lehrschwimmbecken unterrichtet werden. Da das Kinderschwimmen nur vormittags stattfindet, ist das Lehrschwimmbecken komplett geblockt. Der Konflikt ist vorprogrammiert: Kinder oder Senioren? Beide Interessen miteinander zu vereinen scheint kaum möglich.
Bäderland macht jedes Jahr hohe Verluste. Im Jahr 2010 waren es 17,5 Millionen Euro Miese, 2011 19,6 und 2012 etwa 16 Millionen Euro. Zahlen für 2013 liegen der Redaktion noch nicht vor. Nun hat die Bäderland GmbH einen Vertrag mit der Schulbehörde geschlossen, der laut Geschäftsführer Dirk Schumaier „zu einem bedeutenden Teil zur Sicherung des Fortbestandes (…) unseres Bäderangebotes beiträgt.“
Doch was ist mit den jahrzehntelangen Stammkunden, wie den Bramfelder Senioren? Auch sie bezahlen für ihre geliebte Gymnastik-Einheit regelmäßig den Kursbeitrag, sodass das Bäderland auch von diesem Angebot profitiert. Doch durch den Vertrag mit der Schulbehörde scheint das nicht ins Gewicht zu fallen.
Bäderland sieht jedenfalls nach Sprecherangaben keinen weiteren Handlungsbedarf, da man den Senioren zwei Ausweichtermine angeboten habe. Diese liegen in der Mittagszeit und die Senioren stehen diesen Terminen offen gegenüber, auch wenn etwa für Dialysepatienten ein großer Organisationsaufwand notwendig wäre. Doch leider passen diese Mittagstermine nicht in das Timing der selbständigen Trainerin Sabine Skarpil, die zu diesen Zeiten woanders Kurse gibt.
Ist an fünf Vormittagen in der Woche wirklich nicht eine halbe Stunde Zeit für jahrzehntelange Stammkunden? Hat sich das Bäderland damit flexibel genug gezeigt? Die Senioren meinen: „Nein“. Inge Koliver, Marion Geike, Gerda Hasse und Brigitte Heinrichs sind sich einig: „Wir haben schon einmal protestiert, als das Bad geschlossen werden sollte. Das hat damals schon geholfen, und jetzt hoffentlich auch wieder. Es gibt andere Gymnastikkurse abends, aber die sind nichts für uns Alte – abends sind wir erschöpft.“ Auch das Angebot vom Bäderland, dass die Seniorengruppe „Wassergymnastik mit Sabine“ jederzeit im Nichtschwimmerbereich des großen Beckens nutzen kann, erweist sich bei näherer Betrachtung als therapeutisch fragwürdig. Das Wasser dort ist um einige Grad kälter als das im Lehrbecken, sodass „die Bewegungsfähigkeit von Knochengerüst, Muskulatur und Bandapparat nicht ausreichend unterstützt werden kann“, erklärt Sabine Skarpil. Auch die engagierte Kursleiterin wünscht sich mehr Flexibilität von Seiten des Bäderlandes.
Rainhold Knoop, Interims-Badleiter in der Fabriciusstraße, versucht zu vermitteln. „Das hat 20 Jahre hier geklappt und wird auch noch 20 Jahre klappen“, sagt er und verwässert damit etwas die offizielle Ansicht seines Arbeitgebers. Mit großem Eifer sucht und findet er kurzfristig freie Termine. Aber langfristige Planbarkeit kann auch er nicht garantieren – zumal er in diesem Monat in Rente geht. (sdo)
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