Hamburg: „Baui“-Essen soll bleiben

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Beim Projekt Bauspielplatz Rübezahl gibt es ein kostenloses Mittagessen in familiärer Atmosphäre Foto: Barth
 
Stammbesucherin Jessica (8): „Ich esse lieber im Baui als in der Ganztagsschule. Hier schmeckt das Essen immer lecker, es gibt verschiedene Gerichte zum Aussuchen und Probieren. Manchmal kann ich beim kochen mithelfen“ Foto: Schmitz

Können bezirkliche Sondermittel kostenlosen Mittagstisch retten?

Von Daniela Barth
Hamburg. Kostenloses Mittagessen – frisch zubereitet für die Baui-Kinder – das gibt es schon seit 2005 auf dem Bauspielplatz Rübezahl am Rübenkamp 29. „Ob wir das im kommenden Jahr weiterhin anbieten können, ist fraglich“, klagt Lars Abels, Leiter des Bauspielplatzes. Denn der schon in 2014 um 30 Prozent gekürzte finanzielle Zuschuss - so genannte Gelder für sozialräumliche Hilfen und Angebote (SHA) des Bezirkes - soll in 2015 komplett wegfallen. Dass dies passiert, weiß Abels aber erst seit dem Herbst.

30 Kinder nutzen den Mittagstisch täglich

Insgesamt werden dann 5712 Euro fehlen, rechnet Lars Abels vor. Zwar habe die Hamburger Tafel zugesichert, weiterhin mit Lebensmittelspenden zu helfen, aber für die Köchinnen fiele das Honorar – „kaum mehr als eine Aufwandsentschädigung“, so Abels – ersatzlos weg. Und das will der 48-jährige Erzieher unbedingt vermeiden. Denn immerhin kommen die engagierten Nachbarinnen, deren Kinder zum Teil auch auf dem Bauspielplatz spielten, seit Jahren, um jeden Tag Essen zu kochen.

Das Projekt „Offener Mittagstisch“ entstand 2005 in Kooperation mit der in den Alltag des Bauspielplatzes integrierten Tagesgruppe. 2013 endete das Projekt. Das kostenlose Mittagessen blieb, wenn auch mit gekürzten Mitteln, aber dennoch leistbar. „Unser Mittagstisch wird täglich von mindestens 15 Kindern genutzt, oft sind es aber auch 30 und in den Ferien oft noch mehr“, berichtet Kolja Schmitz, der eine Ausbildung zum Jugend- und Heilerzieher absolviert und seit anderthalb Jahren bei Rübezahl mitarbeitet. Der 22-Jährige hatte auch die Idee, Sponsoren aus dem Stadtteil mit einer Unterschriftenliste der Baui-Kinder anzuwerben.

CDU kritisiert Kürzung im Bereich Jugendhilfe

Die Resonanz sei gar nicht so schlecht, stellt Lars Abels fest, der allerdings eine sichere langfristige Finanzierung anstrebt. Kürzlich warb er dafür im Jugendhilfeausschuss der Bezirksversammlung – und stieß dort nicht auf taube Ohren. Parteiübergreifend hatten sich alle Sprecher „eindeutig dafür ausgesprochen, dass das kostenlose Mittagsangebot bleibt“, wie Michael Schilf (Grüne), Vorsitzender der Ausschusses, gegenüber dem Wochenblatt bestätigt. Das Problem dabei sei nur, dass alle SHA-Gelder fürs kommende Jahr schon ausgeschüttet wurden, nämlich an das Projektnetzwerk Barmbek-Nord.

Das wiederum die Mittel an die sozialen Projektträger verteilt. „Grund für den Wegfall der Zahlung ist die Ganztagsschulreform mit der auch alle Schulen einen Mittagstisch anbieten“, weiß Schilf. Angelika Bester (SPD) und Stefan N. Bohlen (CDU) betonen unisono: „Es wäre schade, wenn dieses Angebot wegfiele. Die Kinder genießen hier ja auch eine soziale Bindung.“ Beide sehen ein „Fünkchen Hoffnung“ für die Finanzierung des Projekts über die Beantragung so genannter bezirklicher Sondermittel. Wie kurzfristig das möglich ist, sei indes nicht klar. Lars Abels will natürlich alles Mögliche versuchen. CDU-Mann Bohlen: „Das kommt davon, weil der Senat die Rahmenzuweisungen für die Jugendhilfe gekürzt hat. Und wir sind dann die Deppen im Bezirk, weil nicht genügend Geld zum Verteilen da ist.“

Spendenkonto: VKJH e. V., IBAN: DE46 2019 0003 0012 2618 15, „Projekt Baui Rübezahl, offener Mittagstisch“, bauiruebe@googlemail.com
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