Hamburg: „Hier herrscht schon jetzt Chaos“

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So berichtete das Wochenblatt in der vorigen Woche. Jetzt meldeten sich Leser zu den BauplänenFoto: Sichting

Große Leser-Resonanz auf Bericht über Bebauung Im Soll

Hamburg. Die Pläne für den Bau von 41 Eigentumswohnungen auf dem Grundstück Im Soll 31 - 41 erregt die Gemüter der Anwohner und Leser. In einem ausführlichen Artikel hat das Wochenblatt das Thema bearbeitet. Zahlreiche Anrufe und Leserbriefe erreichten die Redaktion daraufhin in der vergangenen Woche. Tenor: Eine weitere Grünfläche ist einem Neubauprojekt zum Opfer gefallen. Ebenfalls spielt der Aspekt der Bodenverschmutzung bei den Lesern eine große Rolle.

„Straße total verdreckt“

So schreibt Anwohnerin Dagmar Haase: „Die Baugesellschaft hat uns hier die letzte Grünfläche genommen. Dort haben früher Tiere gelebt und regelmäßig viele Hunde gespielt. Nun ist alles kaputt. Die Straße Im Soll ist nur noch zugebaut. Seit dort gebaut wird, darf man in der Straße auch nicht mehr parken. Hier herrscht jetzt schon Chaos. Die Straße ist total verdreckt, nur noch Matsch. Viele ältere Leute können hier gar nicht mehr spazieren gehen. Musste das wirklich sein, dass das letzte Grün weggerissen wird?“ Anwohnerin Christel Otto sieht es ähnlich: „Danke für Ihre Bemühungen. Warum sind die Anlieger der Baustelle aber nicht mal vorab durch das Bezirksamt Wandsbek informiert worden? Wir Bürger werden hier mal wieder nicht als Partner angesehen! Natürlich kann nicht bei jedem Bauvorhaben eine Info erfolgen. In diesem speziellen Fall wissen zumindest viele Alt-Bramfelder um den problematischen Boden des ehemaligen Kalksandsteinwerkes. Eine Rodung vieler Bäume weckt doch außerdem eine gewisse Empörung. Vor allem, wenn die Hintergründe nicht bekannt sind! Viele Menschen sind fassungslos an dieser Baustelle vorbeigegangen. Am Anfang gab es auch einige bissige Bemerkungen in Schriftform, die am Bauzaun befestigt wurden. Nun müssen wir mit den Gegebenheiten leben und schauen, was nach Fertigstellung der Häuser aus der Parkplatzsituation wird, vor allem, wenn auch noch das Grundstück am Reembusch bebaut worden ist. Die Anwohner bekommen ja auch mal Besuch. Dieses Szenario interessiert das Bezirksamt sicherlich herzlich wenig, es geht ja schließlich um neue Wohnungen. Dabei wird vergessen, dass in den Straßen Im Soll und Reembusch nur Leute mit Geld auf dem Konto eine neue Bleibe finden werden. Das ist sehr unbefriedigend.“

Industrieabfall verklappt?

Gerade das Thema Bodenverhältnisse interessiert Anwohner Hans-Jürgen Mohncke. Er wurde vor 61 Jahren in einem Haus im Reembusch geboren und lebt seitdem im Viertel. „Ich erinnere mich noch ganz genau. Die haben da damals alles reingekippt. Wir haben früher in der Sandkuhle gespielt und die Tesafilm-Reste herausgeholt, die die Lkw einmal in der Woche abgeladen hatten. Ich war da etwa zwölf Jahre alt. Zuhause haben wir mit den Resten des Tesafilms gebastelt. Wenn wir da rausgekommen sind, waren wir immer total verdreckt. In der Sandkuhle wurden meinen Erinnerungen nach auch noch andere Industrieabfälle verklappt. Das muss auch ins Grundwasser geflossen sein. Wir haben früher sogar in dem Baggersee gebadet. Irgendwann schwammen Plastikabfälle und Öl-Reste auf dem Teich. Wir durften dort plötzlich nicht mehr baden gehen.“ (ms)
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