Hamburg: „Neues Mängel-Management ab Mitte 2014“

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Harald Rösler freut sich über Neubauten, sieht aber „größere Beteiligung bei Protesten“Foto: Hanke

Bezirk-Nord-Chef Harald Rösler über Änderungen im Kundenservice, Sparkurs und Ärger beim Bauen

Von Christian Hanke
Hamburg-Nord. Was erwartet Harald Rösler, der Leiter des Bezirksamts Hamburg-Nord, vom Jahr 2014 für seinen Bezirk? Wie lauten seine Prognosen? Dem WochenBlatt stand Rösler (SPD) Rede und Antwort.

WB: Im Bezirk Hamburg-Nord werden mit Abstand die meisten Baugenehmigungen aller Hamburger Bezirke erteilt. Wird sich diese Entwicklung in 2014 fortsetzen?
Rösler: In 2013 haben wir bis Ende November 2604 Baugenehmigungen erteilt und damit fast dreimal so viele wie das vertraglich vorgeschriebene Soll von 900 Wohnungen. Das Potenzial ist da, um auch künftig unsere Verpflichtungen erfüllen zu können.

WB: Warum hat Hamburg-Nord so viel mehr Flächen als andere Bezirke, um so viel bauen zu können?
Rösler: Das sind vor allem so genannte Konversionsflächen, also Flächen von früheren öffentlichen Einrichtungen oder ehemalige Bahngeländen. Davon haben wir tatsächlich sehr viele. Bebaut werden unter anderen frühere Flächen der Krankenhäuser Ochsenzoll und Friedrichsberg und des einstigen Pflegeheims Alsterberg in Alsterdorf sowie frühere Güterbahnflächen in Winterhude an der Grenze zu Barmbek und in Groß Borstel. In Barmbek-Nord kommt der frühere Opernfundus hinzu. Da entstehen zusammengenommen rund 3000 Wohnungen.

WB: Es wird allerdings nicht nur über diese neuen Bauprojekte gejubelt. Es entzünden sich auch Proteste von Nachbarn und Betroffenen an ihnen. Wird mitunter unzureichend geplant, um so viele Wohnungen wie irgend möglich zu realisieren?
Rösler: Nein, das kann ich nicht bestätigen. Kritik gibt es bei jedem Bauprojekt. Das überrascht mich nicht. Diese Bedenken muss man ernst nehmen. Allerdings ist die Beteiligung an den Protesten größer geworden. Das erfordert viel Kraft. Wir müssen viel mehr Zeit für öffentliche Plandiskussionen aufwenden. Wir sind da sehr angespannt unterwegs. Es folgen schwierige Abwägungsprozesse. Viele Kritiker sehen nur ihre persönlichen Nachteile und haben sich mit der Materie zu wenig beschäftigt. Es gibt aber sehr viele Beteiligungsmöglichkeiten.

WB: In Eppendorf und Hoheluft hat sich Protest gegen andere Formen von Neubau formiert, dem der Abriss oder Umbau und manchmal die Vertreibung oder Umsiedlung der Bewohner vorausgehen soll. Muss sich das Bezirksamt da nicht stärker als Anwalt der Mieter positionieren?
Rösler: Es handelt sich um zwei Fälle: das Neubauprojekt an der Eppendorfer Landstraße nahe dem Marktplatz und der geplante Umbau in der Hegestraße 46 a-f. Wir bedauern, dass wir in dem zweiten Fall nicht mit mehr Sensibilität vorgegangen sind und dieses Bauvorhaben nicht sehr frühzeitig der Politik gezeigt haben. Das war ein Stockfehler. Das darf nicht wieder passieren. Jetzt haben die Häuser in der Hegestraße in der vorhandenen Form allerdings keine Perspektive mehr. Sie müssen grundsaniert werden, wie es der Investor geplant hat. Aber nicht alles, was baulich in Eppendorf gemacht wird, bedarf einer ähnlichen Diskussion. An der Eppendorfer Landstraße 108 wird gerade eine Baulücke geschlossen. Das ist völlig in Ordnung.

WB: Das Bezirksamt Hamburg-Nord muss eine Einsparungsquote von zehn Prozent der Kosten erfüllen. Sie sind der Leiter einer Lenkungsgruppe aller Bezirksamtsleiter, um mit den Einsparungen umzugehen. Wie kann die Effektivität der Bezirksämter bei dieser Sparquote erhalten bleiben?
Rösler: Wir gucken uns genau an, was eingespart oder neu geordnet werden kann, ohne dass die Leistung der Bezirksämter eingeschränkt wird. Einen solch konsequenten überbezirklichen Ansatz gab es bisher nicht. Da müssen sich Bezirke auch von Traditionen oder liebgewonnenen Gewohnheiten trennen. Eine Modernisierungsmaßnahme, die Personalkosten senkt, ist die Abschaffung des Bezirklichen Ordnungsdienstes (BOD) und die Neuordnung der entsprechenden Aufgaben. Die Hälfte der BOD-Kräfte wechselt in unser hausinternes Ordnungswidrigkeitenmanagement, die andere Hälfte in eine zentrale Einheit zur Parkraumüberwachung. Ein neues digitales bzw. telefonisches Anliegen-Management wird etwa ab Mitte 2014 hoch effizient alle Mängelmeldungen bezüglich des öffentlichen Raums entgegennehmen. Außerdem werden wir die Kundenzentren besser organisieren. Unser Ziel ist es, dass alle Nutzerinnen und Nutzer der Zentren sich wie beim Arzt anmelden und einen verlässlichen und genauen Termin bekommen. Wartezonen sollen entbehrlich werden. Vor allen Dingen kann der Personaleinsatz besser gesteuert werden.

WB: Können Sie schon sagen, wo in Langenhorn das Kundenzentrum angesiedelt wird, dass den wegen Wohnungsbau aufzugebenden Standort in der Hummelsbütteler Landstraße ersetzen soll?
Rösler: Nein, noch nicht. Das ISZ, Immobilien Service Zentrum für Hamburgs Behörden, ist auf der Suche nach einem geeigneten Standort. Es wäre schön, wenn wir im Frühjahr 2014 erste konkrete Vorschläge kennen würden.

WB: Wie werden die Baumaßnahmen für die Busbeschleunigung in der Fuhlsbüttler Straße vorbereitet, um Auseinandersetzungen wie im Mühlenkamp zu vermeiden?
Rösler: Wir müssen vernünftig mit den Anwohnern kommunizieren und im Dialog richtig heraushören, welche Interessen zu berücksichtigen sind. Die Fuhle ist aber hinsichtlich der Auswirkungen mit Mühlenkamp nicht vergleichbar.

WB: Welche wichtigenTermine und Vorhaben in 2014 haben Sie im Kalender?
Rösler: Vor allem die Wahl zur Bezirksversammlung am 25. Mai, die ja zum ersten Mal nicht gleichzeitig mit der Bürgerschaftswahl stattfindet. Eine möglichst hohe Wahlbeteiligung wäre wichtig. Noch vor dem 12. März soll ein Denkmal für die Opfer des schrecklichen Unfalls vom März 2011 am Unfallort in Eppendorf enthüllt werden. In Sachen Radverkehr bereiten wir mit Hamburg-Mitte und Eimsbüttel an einer noch attraktiveren Alsterumrundung. In Eppendorf wird ab Frühjahr die Skater-Anlage am Loogeplatz gebaut und der Umbau der Zinnschmelze in Barmbek wird im Laufe des Jahres 2014 abgeschlossen.

WB: Danke für das Gespräch!
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