Hamburg: Vier neue Straßen für Barmbek

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Dr. Thomas Drexelius mit Sohn Daniel und Ehefrau KarinFotos: bb
 
Konditormeister Werner Harkensee

Offizielle Namenswidmung für Wege im neuen Quartier 21

Hamburg. Nun ist es offiziell: Am vergangenen Freitag wurde im Bürgerhaus Barmbek die Benennung von vier neuen Straßen gefeiert, die den Wohnungen im Quartier 21 eine Adresse geben. Mit dem symbolischen Festakt endete ein fünfjähriger Namensfindungsprozess, in dem Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit erfolgreich zusammengewirkt haben. Das namenlose Navigieren auf dem Gelände des ehemaligen AK Barmbek hat damit nun endgültig ein Ende. Vom Rübenkamp aus erreicht man den Andreas-Knack-Ring, der mit dem Wilhelm-Drexelius-Weg verbunden ist und an seinem nördlichen Ende in die kleine Sackgasse Harkensee mündet. Über die Alfred-Johann-Levy-Straße ist die neu erschlossene Ringstraße außerdem mit der Fuhle verbunden. Seit 2008 hat sich der Regionalausschuss damit beschäftigt, eingehende Namensvorschläge zu prüfen und abzuwägen. Das WochenBlatt stellt die Personen vor, nach denen die Straßen benannt sind:

Dr. Wilhelm Drexelius

„Ich habe so viel Gutes über meinen Schwiegervater gehört, dass ich ganz aufgeregt war, als ich in der Zeitung davon las, dass hier Straßen benannt werden sollen“, erzählt Schwiegertochter Karin Drexelius. „Das musste einfach klappen!“ Der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Drexelius (1906-1974) setzte sich nach 1933 für politisch Verfolgte ein. 1945 wurde er zum leitenden Juristen in der Hamburger Schulbehörde und wenig später zum Leiter des Rechtsamtes des Senats. „Ich erinnere mich noch an Sporturkunden, die von meinem Vater unterzeichnet waren“, erzählt Sohn Dr. Thomas Drexelius mit einem Schmunzeln. Auch an Besuche von Helmut Schmidt und Kurt Sieveking in seinem Elternhaus kann sich Drexelius noch erinnern. Von 1961 bis 1970 war Dr. Wilhelm Drexelius Mitglied des Hamburger Senats, ab 1966 amtierte er als zweiter Bürgermeister. Zu seinen wichtigsten Schriften gehört der noch heute gültige Kommentar zur Verfassung der Freien und Hansestadt Hamburg, den er zusammen mit Renatus Weber verfasst hat.

Alfred Johann Levy

Echte Barmbeker werden es wissen: Nach Alfred Johann Levy (1901-1987) ist nicht nur die neue Straße im Quartier 21 benannt. Auch ein Elektrofachgeschäft in der Fuhlsbütteler Straße 139 trägt bis heute seinen Namen. Der Elektroingenieur Alfred Johann Levy war während des Krieges Mitglied der „Gruppe Q“, einem als Kabarettgruppe getarnter Widerstandszirkel aus ehemaligen Mitgliedern der Deutschen Demokratischen Partei. Nach dem Krieg gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Partei Freier Demokraten, aus der später der Landesverband der FDP wurde. Von 1949 bis 1953 gehörte Levy der Bezirksversammlung Hamburg-Nord an. Von 1953 bis 1966 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft.

Harkensee

Wer im Quartier 21 angesichts des Straßenschildes „Harkensee“ ein gleichnamiges Gewässer vermutet, wird enttäuscht sein: Hinter dem Namen verbirgt sich die Familie Harkensee, die über mehrere Jahrhunderte in Barmbek und Umgebung ansässig war. Auch das Flurstück „Großer Hartzloh“, auf dem später das AK Barmbek errichtet wurde, gehörte der Familie Harkensee. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1528. Damals begründete ein gewisser Lutke Herkensee die zwölfte Barmbeker Vollhufe. Der Hof lag anstelle der heutigen Hufnerstraße 15. Im Laufe der Geschichte hatte die Familie Harkensee an verschiedenen Höfen in Barmbek ihren Anteil. 1898 verkauften Johann-Hinrich Harkensee und sein Sohn Otto Hof und Vollhufnerrechte an die Stadt Hamburg. Umso erstaunlicher, dass bei der Einweihung der neuen Straße tatsächlich ein echter Harkensee anwesend war: Zwei Tage nach seinem 93. Geburtstag nahm Konditormeister Werner Harkensee an der Feierlichkeit im Bürgerhaus Barmbek teil. Dass sein Vorschlag aufgegriffen wurde, eine der Straßen nach seiner Familie zu benennen, freut ihn sehr.

Andreas-Knack-Ring

Als der damals 27-jährige Assistenzarzt Andreas Valentin Knack (1886-1956) seinem Professor 1913 nach Hamburg folgte, war das Allgemeine Krankenhaus Barmbek noch ganz neu. Knacks Karriere verlief vielversprechend: Im Mai 1919 wurde er zum ordentlichen Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie ernannt und übernahm die Leitung der Prosektur im Hamburger Hafenkrankenhaus. Auch politisch war der junge Mediziner engagiert: Als Mitglied der SPD-Fraktion zog er 1919 in die Hamburgische Bürgerschaft ein. Gegen den Widerstand der politisch eher konservativ orientierten Chefärzte, wurde Knack 1924 Ärztlicher Direktor des AK Barmbek. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nahm seine Karriere 1933 ein jähes Ende: Der Sozialdemokrat wurde als „national unzuverlässig“ eingestuft und entlassen. Im Februar 1934 emigrierte er zusammen mit seiner jüdischen Ehefrau über Genf nach China. 1948 kehrte er nach Hamburg zurück. Von 1949 bis 1952 war er Präsident der Gesundheitsbehörde. (bb)
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