Hamburg: „Wir haben ein Übergangsproblem“

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Bezirksamtsleiter Harald Rösler (64) in seinem Büro in der Kümmellstraße Foto: Leuschen

Wie Bezirksamtsleiter Harald Rösler die Entwicklung rund um den Stadtplatz sieht

Hamburg-Nord. Wie soll es mit Hertie weitergehen? Wird im Sommer das Baustellenchaos über die Barmbeker hereinbrechen? Was wird aus dem Stadtplatz? Darüber sprach das Wochenblatt mit Bezirksamtsleiter Harald Rösler (SPD), der den Stadtplatz im Übergang zu einem „Zustand der Betriebsamkeit“ sieht.

Wochenblatt: Seit Monaten herrscht Stillstand rund um die Hertie-Immobilie. Woran liegt es und wie ist dabei die Rolle der Stadt?
Harald Rösler: Wir bewegen uns in einem komplexen Dreiecksverhältnis, in dem die Stadt einer der Akteure ist. In diesem Dreieck gibt es sehr viele Dinge zu regeln. Die Baustelle liegt in einem Sanierungsgebiet und wir müssen einen entsprechenden städtebaulichen Vertrag schließen.
„Ich glaube nicht, dass die VBG sich vorgestellt hat, neben diesem alten Hertie-Klotz ihre Zentrale zu betreiben“
Harald Rösler
WB: Wann ist damit zu rechnen?
Rösler: Der Bezirk hat hier eine Schlüsselrolle inne. Ich habe die Hoffnung, dass wir die Hindernisse seitens der Stadt im Laufe der nächsten Wochen aus dem Weg geräumt haben und es dann nur noch darauf ankommt, dass der Investor Development Partner (DP) den Vertrag endlich unterschreibt und sich beide Bauherren vor Ort einig sind.
Der Plan war und ist, dass sowohl das Hertie-Haus, als auch die ECE, die auf dem Nachbargrundstück die Zentrale des Versicherers VBG entwickelt, die Bauten zeitgleich umsetzen, um die Belastung für das Quartier so gering wie möglich zu halten. Wir legen großen Wert darauf, dass wir nicht zwei Solitäre nebeneinander bauen, die miteinander nichts zu tun haben. Wir möchten die Synergien nutzen, die man schöpfen kann, wenn man gemeinsam baut. Insbesondere beim unterirdischen Bau der Tiefgarage. Ich glaube nicht, dass die VBG sich vorgestellt hat, neben diesem alten Hertie-Klotz ihre Zentrale zu betreiben.

WB: Wird der Bezirk die zahlreichen Baustellen, die im Sommer rund um den Bahnhof entstehen, koordinieren?
Rösler: Wir können Investoren nicht die Reihenfolge vorgeben, in der gebaut wird. Aber wir werden mit den Randerscheinungen koordinierend umgehen. Die BIG Städtebau wird die Informationen übernehmen, die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) koordiniert die Baustellen im öffentlichen Raum.

WB: Durch die Baustellen wird sich die Parkplatznot im Quartier weiter verschärfen. Globetrotter erwägt bereits, den Standort zu verlegen. Ist als Entlastung für den Stadtteil eine kurzfristige Öffnung des Stadtplatzes als Parkplatz denkbar?
Rösler: Eine Abwanderung von Globetrotter wäre eine Katastrophe. Ich bin deswegen mit dem Filialleiter Tobias Baron im guten Gespräch darüber, wie Globetrotter bei diesem Problem geholfen werden kann.

WB: Die Meinungen zur Umnutzung des Stadtplatzes sind zwiespältig. Die einen bemängeln zu wenig Parkraum, die anderen möchten einen öffentlichen Platz für alle behalten.
Rösler: Wir hatten am Marie-Jonas-Platz in Eppendorf eine ähnliche Diskussion. Mit hohem Aufwand haben wir diesen Stadtplatz organisiert und nun muss man wahrnehmen, dass er sich nur zögernd mit buntem Leben füllt. Am Bert-Kaempfert-Platz ist die Zinnschmelzenbaustelle ein zusätzliches Hemmnis, hier entsprechende Platznutzungsaktivitäten zu entfalten. Wir haben jetzt das Problem des Übergangs, wo wir vom gegenwärtigen, etwas nüchternen Zustand in einen wunderbar lebendigen Zustand vielfältiger Betriebsamkeit wechseln werden. (leu)
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