Hamburg: Wohnungsbau statt Bolzplatz-Spaß

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5.000 Quadratmeter Grünfläche (schraffiert), die von Grundschulkindern als Sport- und Spielfläche genutzt wird, soll spätestens in zwei Jahren bebaut werden Grafik: Baumann

Pläne für 5.000 Quadratmeter an der Grundschule Ballerstaedtweg

Von Melanie Bobrich
Ohlsdorf. 5.000 Quadratmeter Grünfläche zum Fußballspielen, Rennen und Toben: Auf diesen „Luxus“ wird die Grundschule Ballerstaedtweg in Ohlsdorf in absehbarer Zeit wohl verzichten müssen. Auf der großzügigen Fläche am hinteren Teil des Schulhofes sollen Neubauwohnungen entstehen. Erstmalig informiert über das Bauvorhaben, das Teil des ehrgeizigen Wohnungsbauprogramms des Senats ist, wurden die Eltern auf der Elternratssitzung im Januar 2014. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits zwei Planungsrunden mit Behörden, Schulleitung und Grünflächenamt gegeben. Erste Konzeptstudien wurden von den Hamburger Freiraumplanern Hunck und Lorenz angefertigt. Darüber, wer dort bauen wird und wann die ersten Bagger anrücken, gab es von Eigner Schulbau Hamburg keine Auskünfte - die Planungen seien noch nicht abgeschlossen, so hieß es.
Die Ankündigung dieser Nachverdichtung wurde von Eltern und Schulleitung trotzdem mit Sorge aufgenommen. Denn die Grünfläche ist bei den Kindern sehr beliebt: Nicht nur als Bolzplatz, sondern auch für Lauftraining im Sportunterricht und als Austragungsort für das Sportfest wird die Fläche genutzt. Besonders bitter ist die Planung auch für die Hortkinder in der Nachmittagsbetreuung: Sie können sich dort nach dem Unterricht im freien Spiel ungehindert austoben. Wehren konnte sich die Schule, eine Zweigstelle der Schule Genslerstraße, gegen das Vorhaben nicht – auf den Planungsrunden durften lediglich Wünsche geäußert werden, wie die dann bebaute Fläche für die Kinder am sinnvollsten ersetzt werden könnte. So sollen Spiel- und Sportstätten natürlich nicht komplett wegfallen, sondern teilweise verlegt oder neu erstellt werden. Angedacht sei der Bau einer Laufbahn, und die Schulleitung wünscht sich für die Kinder auf dem Pausenhof ein neues, großes Klettergerüst. Schade für die Schüler sei der Wegfall des Platzes laut Ilka Olderog-Enge, stellvertretende Schulleiterin Genslerstraße und Zweigstellenleiterin Ballerstaedtweg, trotzdem: „Unserer Kinder sind sehr fußballverrückt. Zwar werden sie sich auch über ein neues Klettergerüst freuen. Aber ich bin mir sicher: Wenn sie es sich aussuchen könnten, würden sie lieber den Fußballplatz behalten“, so die Lehrerin im Gespräch mit dem Wochenblatt.
Zumal noch ungewiss ist, wie viele der Wünsche dann wirklich umgesetzt werden. Auch einige der Eltern betrachten das Vorhaben kritisch: „Ich bin der Meinung, dass Wohnungsbau wichtig ist. Dies sollte aber nicht um jeden Preis geschehen“, sagt Michael Kahnt, Elternratsvorsitzender der Schule Genslerstraße. „Immer wieder wird gesagt, dass unsere Kinder zu wenig Bewegung haben, zu viel zu Hause vor dem Fernseher oder Computer sitzen. Und dann soll ein Fußballplatz auf einem Schulgelände bebaut werden. Das passt nicht zusammen. Und wenn die Fläche erst mal weg ist, dann ist sie weg“, so der Vater. Eltern und Lehrer hoffen nun, dass bei den Planungen die Interessen der Kinder nicht zu kurz kommen. Zumal die Grundschule einen sportlichen Schwerpunkt in ihrem Programm hat: Sie trägt das Prädikat „Sportbetonte Schule“.
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1 Kommentar
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Michael Kahnt aus Barmbek | 06.03.2014 | 10:25  
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