Hamburg: Zwangsarbeit im Nationalsozialismus

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In der neuen Publikation der Geschichtswerkstatt kommen ehemalige Zwangsarbeiterinnen zu Wort Repro: Heume

Geschichtswerkstatt Barmbek gibt Publikation zum Thema Zwangsarbeit heraus

Von Ruth Heume
Barmbek/Winterhude
Sie lebten eingepfercht in Baracken, bekamen nur das Nötigste zu essen, arbeiteten hart – und das weit weg von ihrer Heimat. Gennadi Mazurenko war erst 13 Jahre alt, als er aus der Sowjetunion deportiert wurde. Von 1943 bis 1945 arbeitete er in der Fischfabrik Walkhoff. Seine Landsmännin Alla Pawlowna Tscherkessowa musste im Alter von 15 Jahren bei der Norddeutschen Nickel- und Silberwarenfabrik Brimmekamp & Co. Schweißarbeiten verrichten, bis ihre Augen schmerzten. Zwangsarbeit im Nationalsozialismus, ein trauriges und lange verdrängtes, vergessenes oder auch vergessen gemachtes Kapitel der deutschen Geschichte. Noch um die Jahrtausendwende wollten viele Hamburger Firmen zu diesem Thema keine Auskunft geben oder leugneten, jemals Zwangsarbeiter beschäftigt zu haben. Durch den öffentlichen Druck und die Entschädigungsdiskussion sahen sich aber immer mehr Unternehmen gezwungen, zu reagieren. Mittlerweile ist die Literatur zum Thema kaum noch überschaubar. Mit der Situation speziell in den industriell geprägten Stadtteilen Barmbek und Winterhude hat sich die Geschichtswerkstatt Barmbek intensiv auseinandergesetzt. Im Rahmen der Zwangsarbeiterausstellung im Museum der Arbeit fand am 1. Februar vergangenen Jahres eine Veranstaltung statt. Die Informationen, Filmausschnitte und Zeitzeugenberichte fanden großes Interesse.
Jetzt hat die Geschichtswerkstatt Barmbek eine Publikation herausgebracht: „Zwangsarbeit in Barmbek und Winterhude“.Die Veröffentlichung gibt zunächst eine Einführung in das Thema. Exemplarisch werden zwei Firmen vorgestellt, die Zwangsarbeitskräfte in ihren Betrieben eingesetzt und Lager errichtet und genutzt haben: Heidenreich & Harbeck, Fischfabrik Walkhoff sowie das Hamburger Stadtparklager. Anhand von Stadtteilkarten und Listen wird dann ein Gesamtüberblick über die Standorte gegeben. In Barmbek und Winterhude gab es mehr als 100 verschiedene Lager, die von mehr als 70 Unternehmen genutzt wurden. In ausführlichen Berichten schildern ehemalige Zwangsarbeiter eindrucksvoll die damalige Situation: von der Verschleppung nach Deutschland bis zu den Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort. Dabei entsteht kein einheitliches Bild. Einige der Zeitzeugen berichten von unmenschlichen Arbeitsbedingungen, Folter, Gewalt und Hunger. Andere erfuhren eine bessere Behandlung, sie erzählen von gütigen Aufsehern und Mitmenschen, die ihnen Lebensmittel zusteckten. Auch deutsche Beschäftigte, die damals mit ausländischen Zwangsarbeitern in ihren Betrieben konfrontiert wurden, kommen in der Publikation zu Wort. Zahlreiche Fotos, Zeichnungen und Dokumente vermitteln ein anschauliches Bild der persönlichen Lebensgeschichte der Menschen und der damaligen Zeit. Ein ausführliches Kapitel mit Literaturangaben, Film-, Medien- und Ausstellungshinweisen regt zur Weiterbeschäftigung mit dem Thema an.
Die Publikation von Jürgen Kinter, Harald Ehlers und Silke Wübbe ist zum Preis von 14,80 Euro in der Geschichtswerkstatt Barmbek erhältlich.

Geschichtswerkstatt Barmbek, Wiesendamm 25, Dienstags 14 bis 19 Uhr
Telefon 29 31 07. Weitere Infos: www.geschichtswerkstatt-barmbek.de
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