Hamburger Komponisten-Viertel rockt

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Eine Luftaufnahme zeigt die dichte Bebauung des Viertels vor der Zerstörung. Im Bild ist die alte Brauerei zu sehen Foto: Geschichtswerkstatt
 
Reinhard Otto kommt auf seinem Rundgang an Häusern aus der Zeit um 1870 in der Bartholomäusstraße vorbei Foto: ks

Quartier beliebter, aber teurer. Ein Rundgang mit der Geschichtswerkstatt

Von Klaus Schlichtmann 
Hamburg. Es war der Hamburger Soulsänger Stefan Gwildis, der Barmbek-Süd einmal „als das Blankenese von Barmbek“ bezeichnete. Im sogenannten „Komponisten-Viertel“, dem Quarree zwischen Hamburger Straße, Osterbekkanal, Winterhuder Weg und Adolph-Schönfelder-Straße, hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Meist zum Guten. „Schade nur, dass jetzt auch der letzte Bäcker im Viertel, Dat Backhus, in der Flotowstraße, seine Pforten geschlossen hat“, bedauert Wochenblatt-Leserin Andrea R. Es ist allerdings auch viel Neues entstanden. Aktuell wird links und rechts der
Humboldtstraße, der Hauptachse im „Komponisten-Viertel“, einiges geplant und neu gebaut. Auf einem Rundgang mit Reinhard Otto (58) von der Geschichtswerkstatt Barmbek hat das Wochenblatt das Viertel erkundet und Besonderheiten entdeckt.

Attraktive Lage

Seinen Namen verdankt das Komponisten-Viertel einem Missverständnis. Als eine der ersten Straßen wurde 1860 die Bachstraße erschlossen. Sie wurde aber nicht nach dem Musiker Bach benannt, sondern nach einem Bach, der früher die Uhlenhorst und Barmbek trennte. Ähnlich war es bei der Wagnerstraße. Sie wurde nicht nach dem Komponisten benannt, sondern nach dem Grundeigentümer Franz Wagner. In den folgenden Jahren kamen einfach „richtige“ Komponisten als Namensgeber für neue Straßen hinzu.
„Seit etwa zehn Jahren wird dieses Viertel zunehmend von jungen Leuten und jungen Familien entdeckt“, weiß Reinhard Otto. „Die Lage ist durchaus attraktiv, es ist nicht weit bis in die City oder zur Alster. Zum Shopping-Center schon gar nicht.“ Neubauten sind die Folge in diesem Stadtteil, der durch seine enge Bebauung vor dem Krieg neben Rothenburgsort zu den am dicht besiedelsten Vierteln in Hamburg gehörte. Bei den Bombenangriffen 1943 wurden über 70 Prozent der Gebäude zerstört.
40 Jahre lang wurde dieser Winkel Hamburgs kaum beachtet. Appartmenthäuser, wie in der Bachstraße, und Stadthäuser, wie in der Schubertstraße, entstanden nach einem Generationenwechsel. Moderne Fassaden bilden seitdem immer häufiger reizvolle Kontraste zu den verbliebenen Häusern aus dem 19. Jahrhundert oder zur Architektur der Gründerzeit. An der Straße „Beim Alten Schützenhof“ stehen aktuell zwei Appartmenthäuser kurz vor der Fertigstellung.

Führungen durchs Viertel

Nebenan steht das älteste Haus im Komponisten-Viertel (1867 erbaut). Kneipenwirt im Erdgeschoß war der Berufsverbrecher Julius-Adolf Petersen, besser bekannt als „Lord von Barmbeck“. Ein Stückchen weiter, auf dem ehemaligen Gelände der Traditions-Schlachterei Geissler Mozartstraße/ Ecke Humboldtstraße, entstehen in Kürze 34 großzügige Zwei- bis Vierzimmer-Eigentumswohnungen. Es tut sich etwas im Quartier. Das Komponisten-Viertel erlebt eine sichtbare Aufwertung. Aber auch eine spürbare - die Mieten für diese Neubauten steigen. Reinhard Otto: „Vor knapp zehn Jahren lag der Quadratmeter-Preis für neue Wohnungen in der Spitze bei 3.000 Euro. Inzwischen haben wir 5.000 Euro erreicht.“ Reinhard Otto veranstaltet am 31. August eine Führung durch das Viertel. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Stadtteilschule Humboldtstraße bei der Geschichtstafel. 
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