Hausstand von Attentats-Opfer gespendet

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Zwei Mitarbeiter der Firma Alsterschlepper bei der Arbeit Foto: tel

Barmbek ist immer noch geschockt. Einrichtung von Mathias P. soll Bedürftigen helfen

Von Michael Hertel
Hamburg-Barmbek
Eine kleine Zweizimmer-Wohnung in einem Backsteinhaus in Barmbek-Nord. Schlichte Möblierung, Bücherstapel überall, Toaster und Thermoskanne noch auf dem Tisch. Es wirkt, als würde der Bewohner gleich zurückkomen. Doch Mathias P. (50) wird seine Wohnung nie mehr betreten. Die Bücher über Fußball, Schach, Kriminalromane, aber auch Humoristisches von Otto Waalkes bis Dieter Nuhr nie mehr anrühren. Denn am 28. Juli verließ der Ingenieur gegen 14.30 Uhr seine Wohnung zu Fuß in Richtung Fuhlsbüttler Straße, um Einkäufe für das bevorstehende Wochenende zu erledigen. Gegen 15 Uhr begegnete er bei Edeka dem ihm unbekannten Ahmad A. (26) aus der Flüchtlingsunterkunft im Kiwittsmoor. A. stach unvermittelt auf ihn ein und verletzte ihn tödlich. Barmbek trauert noch heute (das Wochenblatt berichtete).

Firmen helfen kostenlos

Nun wurde die Wohnung des Opfers aufgelöst. An Türen, Klinken, am Kühlschrank – überall stößt man auf das schwarze Fingerabdruckpulver der Polizei. Christian Requard (41) ist der in Barmbek gut vernetzte Chef der Firma Alsterschlepper, die die Wohnung im Auftrag des Opferschutzvereins „Weißer Ring“ auflöst. Kristina Erichsen-Kruse, stellvertretende Landesvorsitzende vom „Weißen Ring“: „Die Familie, die in Neubrandenburg lebt, hat uns um Hilfe gebeten. Und wir freuen uns sehr, dass wir helfen konnten.“ Über den „Weißen Ring“ kam der Kontakt zu Carmen Krüger und Christian Requard zustande. „Die Firma Alsterschlepper zeigt hier wirklich großen Gemeinsinn“, lobt Erichsen-Kruse. „Als ich den Hintergrund erfuhr, war für mich klar, dass ich dafür keine Rechnung schreiben werde“, erklärt Requard dem Wochenblatt.

Möbel erhalten zwei Frauen

Unterstützt wird die Aktion von „Pottkieker“ und „Mook Wat“, den beiden Sozialprojekten in der Person von Carmen Krüger: „Wir unterhalten ein eigenes Möbellager. Die Sachen kommen Bedürftigen im Kiez zugute“. Konkret in diesem Fall zwei Frauen, die lange Jahre im Frauenhaus leben mussten und jetzt eine eigene Wohnung bekommen haben. „Für uns war diese unfassbare Tat ein doppelter Schock, weil wir mit dem Stadtteil eng verbunden sind und auch in der Flüchtlingshilfe arbeiten“, sagt Carmen Krüger mit einem traurigen letzten Blick auf die Erinnerungen aus der Lebenswelt von Mathias P.

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