Hautsache, weg damit!

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In ihrer Heil- und Laserpraxis zerlegt Ursula Grefe die Farbpigmente von Tätowierungen mit Lasertechnik Foto: wb
 
Das rote Licht dient nur dem Zielen. Der Laserstrahl ist nicht sichtbar Foto: wb
Hamburg: Fuhlsbüttler Straße 456 |

Der Tattoo-Trend hält an. Doch immer öfter wollen Tätowierte ihre Werke wieder loswerden

Von Sonja Schmidt
Barmbek
Anker, Blumen, oder doch lieber den Fernsehturm? Welche Tattoos trägt Barmbek – und was soll wieder weg? Ursula Grefe aus der Laserpraxis „Tschüss Tattoo“ kennt alle Trend und Sünden auf der Haut. Der Name ist Programm. Schmetterlinge auf der Schulter, ein Ankerhaken am Bein, Rosen auf der Brust, oder das Porträt des geliebten Hundes auf dem Unterarm. In Barmbeks Tätowierstuben laufen die Nadeln heiß. Das Tattoo, ein Tabu? Von wegen. Vor allem knallbunte Hautkunstwerke sind im Stadtteil angesagt. „Unsere Barmbeker Kunden stehen momentan total auf farbige Mandalas, Sugar Skulls, die aussehen wie bemalte Totenköpfe, oder Hamburger Wahrzeichen wie den Fernsehturm“, berichtet Joachim Borm von „Skinvisions“ an der Hamburger Straße. Auch Catrinas, das sind blumenartig verzierte Frauengesichter, liegen voll im Trend. Forscher gehen derzeit von geschätzt rund zehn Millionen Deutschen aus, die Tinte in ihrer Haut tragen. Mehr als jeden Zehnten zieren sogar mindestens vier Tattoos. Und möchte man die Körperkunst dann irgendwann weghaben, gibt es mehrere Möglichkeiten. Ein Cover-up zum Beispiel. „Wir werten das alte Tattoo quasi durch eine Übertätowierung auf“, erklärt Skinvisions-Mitarbeiterin Mandy Günther.

„Tschüss Tattoo“


Eine der sichersten Methoden ist die Laserstrahlentherapie, die Ursula Grefe von „Tschüss Tattoo“ in der Fuhlsbüttler Straße 456 anbietet. Hier hat die gelernte Heilpraktikerin sich auf die Entfernung von Tattoos und Permanent Makeup spezialisiert. Zu ihr kommen Kunden, die ihre Jugendsünden nicht mehr sehen können, gehören junge Frauen mit schiefen und viel zu dunklen Permanent-Augenbrauen. Oder Geschäftsfrauen, die ihr „Arschgeweih“ nicht mehr ertragen. Einer anderen Kundin hatte deren (späterer Ex-)Freund seinen Namen mehrfach auf den Körper tätowieren lassen. Im Schambereich, auf den Beinen und dem Brustkorb prangte sein Name in dunklem Schwarz. „Sie ist eine bildschöne Frau und hatte ihren Körper aufgrund dieser schrecklichen Markierungen jahrelang versteckt“, berichtet Ursula Grefe. Geschichten wie diese gehen ihr sprichwörtlich unter die Haut.

Kaum Schmerzen


Auch Nicole Goldmann aus Barmbek sagte „Tschüss“ zu ihrem Tattoo. Vor zehn Jahren ließ sie sich einen handgroßen Skorpion auf ihre zierliche Schulter stechen. „Das war so eine typische Jugendsünde. Mein Vater hatte ein ähnliches Tattoo und ich wollte das halt auch haben“, erzählt die 31-Jährige: „Am Ende war es leider nicht so professionell gestochen, wie erhofft. Ich habe es dann eigentlich immer versteckt.“ Irgendwann war der Leidensdruck so groß, dass sie die Lasertherapie wählte. Schmerzhaft war das kaum. „Im Gegensatz zum Tattoostechen ist das Lasern ein Witz, das zwickt nur ein bisschen und tut kaum weh“, sagt Goldmann. Nach sechs Sitzungen schimmert ihr Tattoo jetzt nur noch leicht. Normalerweise sind durchschnittlich acht Behandlungen üblich, bis jede Linie ausradiert ist. Goldmann freut’s: „Jetzt kann ich endlich wieder Kleidchen tragen.“

Kosten trägt der Kunde


Die Kosten für eine Tattoo-Entfernung gehen laut AOK Hamburg grundsätzlich zu Lasten des Versicherten, da eine Tätowierung – ebenso wie bei Piercings – ein selbst initiierter Eingriff in den Körper ist. Selbst wer sich durch die Tätowierung oder eine spätere Entfernung eine behandlungsbedürftige Krankheit zuzieht, wie zum Beispiel eine Entzündung, wird von der Krankenkasse finanziell nur in angemessener Höhe unterstützt. Bei „Tschüss Tattoo“ liegen die Preise je nach Größe des Tattoos bei 89 bis 289 Euro pro Sitzung. Es dauert mehrere Wochen bis die Farbe aus der Haut verschwunden ist. Das liegt auch daran, dass der Laser die einzelnen Farbpartikel punktuell trifft, und nicht etwa alles auf einmal. Der Laserstrahl dringt in die mittlere Hautschicht ein und zerschießt dort die Farbe. Die einzelnen Farbfragmente werden dann automatisch von den körpereigenen Zellen eingesammelt, den „Makrophagen". Über das Blut und das Lymphsystem werden sie größtenteils abtransportiert. Das dauert einige Wochen – und erfordert Geduld. Eine Garantie für eine rückstandslose Entfernung kann niemand geben. Das wäre unseriös. „Schließlich weiß man vorher nie, mit welchen Farben gearbeitet wurde“, erklärt Grefe. Ein Risiko, auf das Grefe jeden ihrer Kunden ausdrücklich hinweist.

Weitere Infos: Tschüss Tattoo

Wichtige Fakten zur Tattoo-Entfernung


- Kosten vergleichen: Es gibt keine bundesweit einheitlichen Kostenvorgaben für die Tattoo-Entfernung. Ärzte in Laserzentren beraten ihre Patienten meist kostenlos, die Behandlung aber wird von Hautärzten und geschulten Fachleuten je nach Größe unterschiedlich berechnet. Im Schnitt beginnen die Kosten bei 60 Euro.

- Risiken kennen: Bei unterschiedlichen Hauttypen kann es nach der Behandlung zu Juckreiz, Rötungen und/oder Schwellungen kommen. Eine 100-prozentige Entfernung ist nicht garantiert. In wenigen Fällen bleibt ein leichter Schatten sichtbar.

- Wunde korrekt versorgen: Mit der Wunde muss korrekt umgegangen werden, sonst bilden sich Narben. Schwimmen ist nach der Laserbehandlung nicht erlaubt. Auch Sonne sollte man meiden, sonst wird die Melaninbildung in den Hautzellen gestört. Die Folge: Hautstellen verfärben sich weiß.

- Allergien abklären: Wer an einer Hautallergie oder anderen Allergien leidet, sollte vor der Behandlung mit einem Dermatologen sprechen.
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