Heftige Diskussionen

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„Wir hatten unseren Antrag einstimmig beschlossen. Ihn einfach abzulehnen, ist ohne Beispiel.“ Sprecherin Sonja Engler und Herbert Brüning vom Sanierungsbeirat sind enttäuscht: „Politik und Verwaltung wischen unsere Vorstellungen einfach weg, weil das Ergebnis unerwünscht ist.“

Bebaungspläne rund um den Barmbeker Bahnhof umstritten

Von Waltraut Haas
Barmbek-Nord. Im Stadtentwicklungsausschuss wurde am vergangenen Donnerstag heiß debattiert.
Über zwei Stunden ging es um den Bebauungsplan-Entwurf „Barmbek-Nord 17“, den Plänen rund um den Barmbeker Bahnhof, begrenzt von Drosselstraße, Hufner Straße, Wiesendamm und Fuhlsbüttler Straße. Erstes Streitobjekt: Auf der Fläche des alten Busbahnhofs soll ein 13-geschossiges Büro- und Geschäftshaus für die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) entstehen.
Wie berichtet, hatte der beauftragte Projektentwickler ECE schon im Juni die Pläne im Barmbek Basch öffentlich vorgestellt. ECE, Bezirksverwaltung und -politik sind sich einig, sehen mehrheitlich in dem Hochhaus-Projekt einen „wichtigen Entwicklungsimpuls für den Standort“ und eine „einmalige Chance“. Die VBG steht unter Zeitnot: Sie muss den Sitz ihrer Hauptverwaltung am Deelbögenkamp in Alsterdorf bis zum Frühjahr 2015 wegen eines auslaufenden Mietvertrages räumen und braucht einen neuen Standort für 600 Mitarbeiter. „Der Standort in Barmbek ist für uns sehr attraktiv.“ teilte VBG-Sprecherin Daniela Dalhoff mit. Zweites Streitobjekt: das seit Jahren leerstehende Hertie-Kaufhaus. Jetzt wurde ein Investor mit den Insolvenzverwaltern endlich handelseinig: Nach dem Abriss des maroden Baus soll hier eine neue Geschäftsfläche auf 10.000 Quadratmetern entstehen.
„Zeitdruck“ statt „vernünftige Stadtplanung“?
Zum schon konkreten ECE-VBG-Bauprojekt sowie auch zu den Hertie-Plänen äußerten Sprecher des Sanierungsbeirats, der IG Fuhle sowie Barmbeker Bürger ausführlich ihre Bedenken. „Eine gute städtebauliche Lösung durch vernünftige Stadtplanung“ dürfe nicht unter Zeitdruck entschieden werden: „Das Ultimatum ist unfair.“ Ob nicht beide Projekte besser im Kontext zu planen seien?
Durch entsprechende Vorgaben sei der Bau von Büros und Geschäften auch durch neue Wohnungen zu ergänzen. Weiter wird dem Zuschlag für das VBG-Projekt ein „falsches Vorgehen“ angelastet: Anstelle „eines Wettbewerbs der Ideen“ würde auf einseitige Vorentscheidungen gesetzt.
Auch die „falsche Architektur“ bemängelten Herbert Brüning und Sonja Engler vom Sanierungsbeirat. Unterstützt wurden sie in ihrer Argumentation von mehreren Barmbekern, unter ihnen auch Petra Hense, IG Fuhle und Buchhändler Ulrich Hoffmann.
Alle Anliegen wurden im Stadtentwicklungsausschuss zwar angehört und ausführlich diskutiert, um sie Punkt für Punkt dann dennoch zu verwerfen: Hauptsächliches Gegenargument: der Zeitdruck.
Schließlich wurde der Antrag des Sanierungsbeirats mit den Stimmen von SPD, CDU und FDP mehrheitlich abgelehnt. Allerdings wurde die Auslobung eines Architekten-Wettbewerbs beschlossen: sieben Büros sind eingeladen, bis November Entwürfe zum VBG-Hochhaus vorzulegen. Anstelle des abgeschmetterten Antrags auf Durchführung eines Ideen- und Realisierungswettbewerbs kann sich der Sanierungsbeirat an diesem – reduzierten – Verfahren beteiligen. (wh)
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