„Hier darf jeder mitmachen“

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Nils Rosinke, Visar Shabani und Adrian Steffen (v.l.)
 
Visar Shabani setzt zu dem Schuss an, der ihm sein drittes Tor in dem Spiel beschert Fotos: Thiele

Jeden Freitag kicken Flüchtlinge mit Helfern beim USC Paloma. Ausnahmetalente wurden gleich rekrutiert

Von Ulrich Thiele

Barmbek Wenn man Visar Shabani aus dem Kosovo beim Fußballspielen zuschaut, merkt man schnell, dass er nicht ohne Grund in seiner Heimat in der ersten Liga aktiv war. Der 21-Jährige setzt mit perfekter Schusstechnik an, schießt mit Wucht und netzt die Kugel bereits zum dritten Mal in diesem Spiel ein – und lässt sich anschließend glücklich von seinen Mitspielern feiern.

Mittlerweile hat seine Torgefährlichkeit ihm bei seinen Kollegen sogar den Spitznamen „Ronaldo“ eingebracht. Vor drei Monaten kam Visar mit seiner Familie nach Deutschland, nur einen Tag nach seiner Ankunft stand er bereits auf dem Sportplatz des USC Paloma in Barmbek. Denn ebendort trifft sich seit Anfang November jeden Freitag eine Gruppe von Geflüchteten und Ehrenamtlichen, um gemeinsam zu kicken. „Es ist Verlass darauf, dass hier jeden Freitag um 14.30 Uhr bei jedem Wetter gespielt wird, wir waren sogar am ersten Weihnachtstag hier“, sagt Nils Rosinke (26), der die wöchentlichen Treffen mitorganisiert.

Der Vorschlag für das Fußballprojekt kam bei einem Welcome-to-Barmbek-Treffen voriges Jahr. Eine Idee für den Austragungsort war schnell gegeben, da einer der Freiwilligen beim USC Paloma aktiv ist. „Es gibt aber keine klare Trennung zwischen Welcome to Barmbek und anderen. Hier darf jeder mitmachen der will. Flüchtlinge und Helfer von überall her“, erklärt Adrian Steffen (27), Sportkoordinator bei Welcome to Barmbek. Mit großer Unterstützung des Vereins, der sich trotz hoher Auslastungen um Lösungen bemühte und den Platz nun jeden Freitag den Freizeitkickern zur Verfügung stellt, setzten die Anfangs knapp 40 Fußballbegeisterten ihre Idee um.

Mittlerweile hat sich die Zahl auf 20 bis 30 Leute reduziert. Anfangs noch mit Spenden, nach einem Förderantrag nun aber mit vom Bezirk gestellten Utensilien wie beispielsweise Fußballschuhen. Auch an diesem Freitag steht der USC Paloma wieder unterstützend zur Seite: Einer der Fußballfreunde hat vergessen, die gelben Leibchen mitzubringen, also hilft der Verein kurzerhand mit seinen eigenen aus.

„Das passiert mal und da ist der USC eine super Unterstützung. Mittlerweile ist bei uns die Infrastruktur aber im Großen und Ganzen so gut, dass jeder weiß, was er zu tun und mitzubringen hat“, erläutert Rosinke. Auf dem Spielfeld läuft es ordentlich und wenig chaotisch ab, das Projekt ist gut organisiert. Im Laufe der Zeit konnten dadurch bereits einige Spieler der Gruppe während der Partien des USC auf sich aufmerksam machen. Vier von ihnen spielen inzwischen für den Verein, darunter ein ehemaliger U16-Nationalspieler aus Afghanistan.

Auch Visar gehört zweifelsohne zu den Ausnahmetalenten der Truppe, die Spielfreude merkt man ihm sichtlich an. „Es bringt Spaß, mit den anderen Fußball zu spielen, auch wenn sie oft meine Beine treffen“, sagt er nach dem Spiel schmunzelnd. „Es macht am meisten Spaß, wenn alle dabei sind und wir gemeinsam spielen“, so der Fußballer. „Sport hat nun einmal eine große integrative Kraft. Aber es ist nicht nur die Solidarität, die anzieht, sondern auch der Spaß und die privaten Kontakte. Die Helfer kommen gerne jeden Freitag her, weil hier auch Freundschaften geschlossen wurden“, ergänzt Rosinke.

Eigentlich hatte der 26-Jährige befürchtet, dass dieses Mal durch die kurz vorher umgesetzte Schließung der Unterkunft am Wiesendamm weniger Lesute dabei wären, doch das Gegenteil ist der Fall: Die Leute aus der ehemaligen Wiesendamm-Unterkunft haben sogar noch Leute aus ihren neuen Unterkünften mitgebracht. „Es ist gut, dass sie transferiert wurden und nicht mehr mit 250 Leuten auf einem Haufen sind“, sagt Rosinke.

Jeden Freitag zwischen 14 und 14.30 Uhr treffen sich die Freizeitkicker auf dem Sportplatz des USC Paloma an der Brucknerstraße 24.
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