Historie in Barmbek wach halten

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Manuela Ganso vor der U-Bahnhaltestelle Habichtstraße. Hier kann sie sich eine Gedenktafel vorstellen Foto: Thiele

Manuela Ganso will mit Gedenktafeln helfen und Anwohnern den Bezug zum Viertel ermöglichen

Barmbek Die Bevölkerungsdichte in Barmbek steigt. Der Wohnraum wird knapp. Neue Wohnungen müssen schleunigst her. Und folglich wird die Bebauung im Viertel immer enger. Dass ihre Gegend einem rasanten Wandel unterliegt, ist für die Barmbeker keine Neuigkeit. Besonders die Alteingesessenen müssen dabei mit einem weinenden Auge zusehen, wie ihre Heimat sich infolge der Baumaßnahmen immer mehr von ihrem früheren Stadtbild entfernt. „Durch die Neugestaltungen verliert unser Viertel leider das, was es ausmacht, seine charakteristischen Eigenheiten“, sagt Manuela Ganso, die ihr gesamtes Leben in Barmbek ansässig ist und den Wandel hautnah miterlebt hat. Ihr Vorschlag deswegen: Eine Gedenktafel mit alten Stadtbildern und Informationen vor dem frisch neugestalteten U-Bahnhof Habichtstraße. „Während meiner Kindheit gab es in dieser Gegend noch viele Grünanlagen und etliche Kleingeschäfte: einen Gemüsemann, Milchmann und Metzger. Dadurch konnten wir Stadtkinder ein bisschen Dorfleben erfahren“, erinnert sich Ganso, die in Barmbek-Nord aufgewachsen ist.

Bezug zum Viertel fehlt


Durch die Geschichtstafel soll die Erinnerung an das traditionsreiche nördliche Gebiet Barmbeks erhalten bleiben, das derzeit vor allem durch die starken Veränderungen im Bereich Schlicksweg/Dieselstraße, mit den vom Abriss bedrohten Kleingartenanlagen, vor neuen Wandlungen steht. „Durch die Auseinandersetzung mit der Historie können die vielen Zugezogenen sehen, was das eigene Viertel ausmacht und so einen Bezug dazu herstellen. Vielen fehlt das heute leider, sie sehen sich selbst nur als Hamburger und nicht als Barmbeker“, so Ganso. Auch ihr heutiges Umfeld, das Komponistenviertel in Barmbek-Süd, ist geprägt von schwindenden Grünflächen und Einzelhandelsgeschäften. Zudem stehen mit den Baumaßnahmen in der Beethovenstraße bekanntlich neue Veränderungen vor der Tür. Für Ganso der perfekte Zeitpunkt, auch hier auf den Traditionsreichtum des Viertels hinzuweisen, in dem vor knapp 100 Jahren die bekannte Psychologin Martha Muchow ihre wissenschaftliche Abhandlung „Der Lebensraum des Großstadtkindes“ schrieb. „Das Komponistenviertel ist ein einmaliger Ort, dessen geschichtliche, wissenschaftliche und künstlerische Bedeutung nicht vergessen werden sollte. Eine Gedenktafel zur Bewahrung der charakteristischen Eigenheiten des Stadtbildes zum Beispiel im Bachpark liegt deswegen im öffentlichen Interesse“, ist Ganso überzeugt. (ut)
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