Jungfernstieg gepflastert

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Günter Demnig verlegte zwei Stolpersteine auf dem Jungfernstieg für Selma Schümann und ihren Austernkeller Foto: Hanke

Stolpersteine erinnern an Inhaberin des Austernkellers

City. Der Künstler Günter Demnig hatte die Idee zu den Stolpersteinen. Inzwischen wurden bundesweit rund 42.000 von den goldfarbenen Pflastersteinen vor Häusern verlegt, in denen Opfer des Nazionalsozialismus lebten.
Der Kölner Künstler wählte mit Assistenten eine Gehwegplatte am noblen Jungfernstieg aus, in die vergangene Woche zwei neue Steine eingelassen wurden. Peter Hess, Organisator der Stolperstein-Verlegungen in Hamburg, begleitete Demnig. Ebenfalls mit dabei: Heimatkundlerin Sabine Boehlich, die viel über die Dame, an die auf dem Jungfernstieg mit gleich zwei Stolpersteinen erinnert werden soll, weiß.
Selma Schümann (1876-1942) war keine Unbekannte in Hamburg. Sie war die Eigentümerin von Schümanns Austernkeller - einer Institution der Hamburger Gastronomieszene, die sich bis 2000 im Heine-Haus, Jungfernstieg 34, befand. Deshalb wurde nicht nur für die Person Selma Schümann ein Stolperstein verlegt, sondern auch für ihr Restaurant. „Es ist das erste Mal, dass in Hamburg ein Stolperstein für eine Institution verlegt wird“, erläutert Peter Hess.
Selma Schümann wurde als Tochter jüdischer Eltern in Hamburg geboren. Sie heiratete 1913 Wilhelm August Daniel Schümann, der 1884 Schümanns Austernkeller im benachbarten Streits Haus eröffnete. Nach dessen Tod 1923 wurde Selma testamentarisch als alleinige Erbin und Geschäftsführerin des Austernkellers eingesetzt. Vier Söhne aus Schümanns erster Ehe gingen leer aus. Einer dieser Söhne, Friedrich Wilhelm Daniel Schümann, seit 1931 NSDAP-Mitglied, bekämpfte seine Stiefmutter, die er als „Sara“ oder „die Jüdin“ verunglimpfte. Unter Druck des Nazi-Regimes musste Selma Schümann ihr Restaurant 1938 zu einem Spottpreis verkaufen. Als sie im Juli 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert werden sollte, nahm sie sich das Leben. In der Chronik zum 100-jährigen Bestehen von Schümanns Austernkeller 1984 kam Selma Schümann übrigens nicht vor. Nun wurde ihr nachträglich ein Denkmal gesetzt. (ch)
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