Kinderschutzbericht: Verdachtsfälle steigen stark

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Der Kinderschutzbericht wurde in Wandsbek vorgestellt Foto: rg

Bezirksamtsleiter Ritzenhoff legte Hamburger Zahlen vor – dann starb Yagmur

Von Rainer Glitz
Wandsbek. Bei der Vorlage des siebten Hamburger Kinderschutzberichtes konnte es noch keiner ahnen: Einen Tag später starb in einer Wohnung in Mümmelmannsberg ein dreijähriges Mädchen. Die 25 und 26 Jahre alten Eltern der kleinen Yagmur wurden festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft gibt es deutliche Hinweise, dass sie für den Tod des Kindes verantwortlich sind. Der Fall erinnert an den Tod der elfjährigen Chantal aus Wilhelmsburg Anfang 2012, damals wurden den Behörden schwere Fehler vorgeworfen. Genau solche schockierenden Fälle von Vernachlässigung, Gewalt oder sexuellem Missbrauch sind es, die die Hamburger Sozialbehörde und die Jugendämter verhindern wollen. In der jetzt in Wandsbek vorgelegten Statistik für 2012 gibt es einen Anstieg von 18 Prozent auf rund 34.000 bei allen Anliegen, die beim Allgemeinen Sozialen Dienst ASD, dem Familien-Interventionsteam oder dem Kinder- und Jugendnotdienst eingegangen sind. Etwa ein Drittel davon sind Verdachtsfälle auf Kindeswohlgefährdung: Das sind 31 Prozent mehr als 2011. Verdreifacht haben sich die Verdachtsfälle bei den zwölf- bis 14-Jährigen und bei den Drei- bis Sechsjährigen verdoppelt. Gemeldet wurden die Fälle meist von der Polizei, aber auch die anonymen Anzeigen haben zugenommen.
Trotz dieser Zahlen sehen die Verantwortlichen keine Verschlechterung der Lage. „Niemand sagt, alles ist in Ordnung. Viele Fälle sind dramatisch. Aber wenn man die Gesellschaft sensibilisiert und die Gesetze reformiert, ist die Aufmerksamkeit größer“, sagte Christoph Exner, Leiter des Fachamtes Jugend- und Familienhilfe in Wandsbek. Die erhöhten Zahlen seien somit auch eine Folge des Falles Chantal. Die Stadt habe viele Maßnahmen ergriffen. So seien die Standards für Pflegefamilien geändert worden, der ASD gestärkt und ein Qualitätsmanagement gestartet worden.
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