Kirche: Buh-Rufe für das Busprogramm in Hamburg

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1.000 Menschen füllten die St. Gertrud Kirche Foto: Unsere Uhlenhorst/fb/wb
 
Der SPD-Bürgschaftsabgeordnete und Gewerkschafter Wolfgang Rose versprach das Thema ins Hamburger Parlament mitzunehmen Foto: Hanke

Rund 1.000 Teilnehmer in St. Gertrud bei Sondersitzung zu Bauplänen in der Papenhuder Straße

Von Christian Hanke
Hamburg. Die Kirche war voll. Rund 1.000 Menschen füllten am Montagabend das Gotteshaus von St. Gertrud. Keine heiligen Handlungen standen auf dem Programm, sondern eine Sondersitzung des Regionalauschusses Barmbek/Uhlenhorst/Hohenfelde/Dulsberg. Thema: die geplanten Maßnahmen im Hofweg und in der Papenhuder Straße im Rahmen des Busbeschleunigungs- oder wie die SPD es nun nennt Busoptimierungsprogramm des Senats.
Den Vertretern der Regierungspartei und ihres neuen Koalitionspartners in Hamburg-Nord, den Grünen, schlug von Beginn an die geballte Wut der aufgebrachten Uhlenhorster entgegen, die sich leidenschaftlich gegen Eingriffe der Senatsmaßnahme in ihren Stadtteil wandten. Am Ende fühlten sie sich bestätigt, denn wie am Mühlenkamp im vergangenen Jahr stimmte die SPD, nun unterstützt von den Grünen, die 2013 noch Oppositionspartei waren, gegen alle Anträge, die eine Verlängerung der Frist für Eingaben gegen das Busoptimierungsprogramm und die Einrichtung einer Planungswerkstatt mit den Bürgern über die beabsichtigten Maßnahmen vorsahen. Diese Frist läuft am Ende der Woche ab, wie Angelika Traversin von den Linken berichtete.
In der erhitzten Atmosphäre konnten CDU, FDP, Linke und Piraten mit ihrer Ablehnung des Busoptimierungsprogramms glänzen, während Vertreter von SPD und Grünen größtenteils ausgebuht wurden. Allein Martin Badel (SPD) konnte sich als alteingesessener Uhlenhorster Gehör verschaffen. Er versprach die Eirnichtung einer Planungswerkstatt zum Thema Parkplätze, denn der Wegfall von bis zu 40 Stellplätzen durch den Rückbau von Schräg- zu Längsparkplätzen erzürnt die Uhlenhorster am meisten. Immerhin sieht der einzige beschlossene Antrag auf dieser Sitzung, der von SPD und Grünen, die Rücknahme einiger in der Planung vorgestellter Maßnahmen vor: auf die Verlängerung der westlichen Bushaltestelle am Mundsburger Damm soll verzichtet werden, so dass einer von zwei zur Fällung vorgesehenen Bäume gerettet werden kann. Der Zebrastreifen in der Papenhuder Straße nahe Hartwicusstraße soll erhalten bleiben und nicht, wie in der Planung vorgesehen, durch eine Verkehrsinsel ersetzt werden. Schließlich wollen SPD und Grüne ein neues Parkraummanagement mit Lade- und Kurzparkzonen einführen und sicherstellen, dass weitere Bäume nicht leichtfertig gefällt werden.
Damit konnten die Regierungsparteien allerdings nicht punkten. Ihre Ablehnung der Fristverlängerung brandmarkte sie in den Augen der Gäste als Busbeschleunigungsparteien, auch wenn die Grünen betonten, dass sie gegen dieses Programm seien, es aber, weil vom Senat beschlossen, hier im Stadtteil umsetzen müssen, und nur modifizieren können. Auch der SPD-Bügerschaftsabgeordnete und Gewerkschafter Wolfgang Rose aus Hohenfelde, der sich unter den Gästen befand, und nach vorn gebeten wurde, konnte mit der Erklärung, die Stimmung des Abends mit in die Bürgerschaft zu nehmen, nicht überzeugen. Tosenden Beifall konnten nur Christoph Ploß (CDU), Claus-Joachim Dickow (FDP) und die Vertreter von Linken und Piraten einheimsen, die sich klar und unmissverständlich von der Busbeschleunigung distanzierten. Die Gründe für die Wut der Bürgerinnen und Bürger fasste eine der Zuhörerinnen so zusammen: „Wir wollen die Busbeschleunigung nicht. Hier werden ständig Dinge beschlossen, die keiner will!“ Eine Nachbarin vom Mühlenkamp warnte die Uhlenhorster, berichtete von 70 Prozent Umsatzeinbuße am ersten Tag der Vollsperrung eines Teils des Mühlenkamps. Existenzangst macht sich breit: „Bitte machen Sie nicht dieselben Fehler, die Sie am Mühlenkamp gemacht haben!“
Die CDU fordert nun, dass sich Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch den kritischen Fragen der Bürger zur Busoptimierung stellen soll.
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3 Kommentare
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olivia eggert aus Uhlenhorst | 07.10.2014 | 17:25  
393
Michael Kahnt aus Barmbek | 08.10.2014 | 07:48  
71
Eleonore Heilmann aus Bramfeld | 06.04.2015 | 17:53  
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