„Klein Borstel hilft“ kritisiert Hamburger Volksinitiave

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Kleine Unterkünfte seien wünschenswert, aber aktuell unrealistisch, sagt Sprecherin Marianne Koch

Ohlsdorf Nur fünf Tage nach dem Start der Unterschriftensammlung gab die Volksinitiative „Hamburg für gute Integration“ in der vergangenen Woche Listen mit 26.018 Unterschriften im Hamburger Rathaus ab. „Ein bundesweiter Rekord – und ein deutliches Signal an die Politik“, frohlockt die Initiative. „Gemeinsam in Klein Borstel“ (GiKB) gibt sich ebenso in Siegeslaune: „Wir haben es geschafft.“ Klein Borstel habe mit etwa 3.300 Unterschriften zu dem Gesamtergebnis beigetragen. Vier Monate hat die Stadt jetzt Zeit, die vorgelegten Unterschriftenlisten zu prüfen. Geht sie auf die Forderungen der Volksinitiative nicht ein, beantragt die Initiative umgehend das Volksbegehren. Ziel sei die Durchführung eines Volksentscheides. Der sei jetzt – passend zur Bundestagswahl im Herbst 2017 – zu schaffen, erklärt GiKB-Sprecher Ralf Blinkmann. Federführend als Mitinitiatorin für die Volksinitiative an der Seite von Klaus Schomacker engagierte sich Jasmin Peter vom Verein „Lebenswertes Klein Borstel“.
Kritik kommt jetzt von der dritten Initiative im Ohlsdorfer Viertel: Freiwillige von „Klein Borstel hilft“ sind bereits aktiv und bezweifeln, dass die Volksinitiative per Unterschriftensammlung eine „gute Integration“ bewirke. „Auch wir wünschen uns, dass Geflüchtete so dezentral wie möglich untergebracht werden können“, erklärt Sprecherin Marianne Koch. „Im Idealfall leben sie in kleinen Unterkünften und möglichst bald in eigenen Wohnungen in allen Stadtteilen“, so Koch. Nur sei das aktuell unrealistisch: „Rund 8.000 Menschen leben in Zelten, Hallen und Baumärkten. Dieses Jahr braucht man noch 40.000 Plätze in Unterkünften“, rechnet Marianne Koch vor. Würde man die Forderung der Volksinitiative erfüllen, müssten 2016 weit über 100 neue Standorte gefunden werden. „Wer jetzt Großunterkünfte verhindert, ist dafür verantwortlich, dass eine stetig anwachsende Zahl von Geflüchteten unter zunehmend unwürdigeren Bedingungen leben muss: definitiv eine schlechte Integration.“ In Klein Borstel werde Integration bereits praktisch gelebt: „Über 100 Aktive ermöglichen Begegnungen von Alteingesessenen und Zugezogenen einer Folgeunterkunft. Sie kochen gemeinsam, geben Sprachkurse, treiben Sport und reparieren Fahrräder.“ Was ganz nebenbei auch Spaß bereite. „Wir freuen uns, dass jetzt auch die ersten Geflüchteten in Klein Borstel eigene Wohnungen finden.“ So trage die Initiative bei zu Toleranz und Weltoffenheit. (wh)

Weitere Infos:
Volksinitiative „Hamburg für gute Integration“
Initiative „Gemeinsam in Klein Borstel“
Initiative„Klein Borstel hilft“
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