Kleingärten vor dem Aus?

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Kleingärten und Grünflächen sind laut B-Plan „bioklimatischer Entlastungsraum“ und sollen verschwinden Foto: wh
 
Die Hallen der ehemaligen Schiffsbauversuchsanstalt entlang der Mittelachse sollen ab 2017 abgerissen werden Foto: Haas

Baufeld für 675 neue Wohnungen. Initiative Dieselstraßenland informiert

Barmbek Nord Schon im Oktober lärmen die Motorsägen. Auf dem Gelände des HSV Barmbek-Uhlenhorst (BU) sollen dann die ersten Bäume fallen. Hier entsteht das erste Baufeld, auf dem zu Beginn des nächsten Jahres die Bauarbeiten für 186 Wohnungen starten. Auch die über 100 Jahre alten Kleingärten des Vereins „Am Grenzbach“ sind durch den Bebauungsplan Barmbek Nord 11 gefährdet. Denn auf dem rund zehn Hektar großen Gebiet, zwischen Dieselstraße, Schlicksweg, Steilshooper Straße und Ivensweg, plant der Bezirk Hamburg-Nord – wie mehrfach berichtet – den ambitionierten Neubau von insgesamt 675 Wohnungen auf vier Baufeldern, einschließlich Kita und Geschäftsgebäude.
Dazu soll die Dieselstraße verbreitert werden, weshalb dort auch Straßenbäume auf der Liste der zu fällenden Bäume stehen, darunter eine etwa 110 Jahre alte Eiche. Ebenso müssten die Gärten und mit ihnen die Hainbuchenhecke, die bis jetzt die Parzellen umsäumt, weichen.

Vorschläge missachtet


Im Bebauungsplan ist zwar von der Erhaltung sämtlicher Kleingärten die Rede, zugleich aber von ihrer „Verlagerung“ in die Mitte des Areals. Das ruft die Kleingärtner seit geraumer Zeit auf den Plan. „Wir haben nichts gegen eine Bebauung, solange sie menschen- und umweltgerecht erfolgt“, erklärt Benny Rimmler, Sprecher der Initiative Dieselstraßenland. Nach den Plänen des Bezirks würden die bestehenden Gärten jedoch für die drei weiteren Baufelder erst mal „plattgemacht“. Um sie – irgendwann, eher Jahre später – in der Mitte des Gebiets neu anzugelegen: Dort, wo die Hallen des Opernfundus und einer Autowerkstatt frühestens in zwei Jahren abgerissen werden können. Und wo mutmaßlich „Altlasten“ schlummern: Im betonierten Schleppkanal der ehemaligen Schiffsversuchsanstalt, der nach dem Krieg mit Schutt verfüllt und bislang nur mit zwei Stichproben untersucht wurde.
Seit Jahren pocht die Initiative auf eine alternative Bebauung: eben in jener Mitte des Gebietes, nach gründlicher Bodensanierung.Dadurch würden die bestehenden Gärten an der Dieselstraße und am Schilksweg nicht nur geschont. Sie könnten auch ihre Funktion im Klimaschutz weiter erfüllen. Doch der Protest mit 2.300 schriftlichen Einwendungen wurde bislang nicht berücksichtigt. „Der Bezirk mauert, wenn es um konstruktive Hinweise der Bürger geht“, sagt Initiativensprecher Rimmler, verbittert über die Verfahren der Bürgerbeteiligung seit 2011.
Die Erhaltung der aktuellen Kleingärten habe doch auch eine Filterfunktion für die Anwohner, deren Atemluft hochbelastet sei durch die stark befahrene Habichtstraße. „Die Luftmessstation ist nur einen Steinwurf entfernt. Hier werden die höchsten Feinstaubwerte in Hamburg gemessen“, hat Benny Rimmler festgestellt. Die geplante Bebauung betreffe eben nicht nur die Menschen im Plangebiet, sondern alle Anwohner der Umgebung. „Barmbek braucht mehr Luft“, so Rimmler weiter. Fast alle Probleme wären durch eine Bebauung in der Mitte gelöst. Brutvögel und Fledermäuse würden so nicht verdrängt, auch das Vereinshaus könnte bleiben. Im Plangebiet wirkten „die Grünflächen daher kleinräumig als bioklimatischer Entlastungsraum“, konzediert sogar der Bebauungsplan Barmbek Nord 11. Der Verein „Am Grenzbach“ lädt Anwohner und Interessierte zu einem Tag der offenen Gärten ein. Hier können sie sich vor Ort informieren und austauschen, lernen dabei Flora und Fauna der Gärten kennen. (wh)

Sonntag, 23. August, 15-17 Uhr. Weitere Infos unter www.dieselstrassenland.de
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