Kleingärten werden planiert

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Schwerer Job: Forstsachverständige Martin Hubrig und Dr. Bernd Westphal (v.l.) untersuchen am Grund- weg erhaltenswerte Büsche und Bäume Foto: Haas
 
Uwe Puttfarcken (l.) mit betroffenen Kleingärtnern: Mittlerweile mussten sie ihre Parzellen räumen Foto: Haas

Pergolenviertel wird abschnittsweise erschlossen. Planungsbeirat tagt Anfang 2016

Von Waltraut Haas
Barmbek
Nach jahrelanger Planung, nach Protesten und Gerichtsverfahren wird es jetzt ernst. Ab Jahresbeginn kommen Motorsägen und Planierraupen zum Einsatz: Für zukünftige Verkehrsflächen des Mega-Wohnprojekts Pergolen-
viertel steht zunächst eine „Vegetationsräumung“ an. Schon im kommenden Herbst soll der erste Bauabschnitt für das Mega-Wohnprojekt Pergoenviertel folgen. Dafür wird zunächst das Gelände zwischen Hebebrandstraße und Jahnring erschlossen: Einige der bestehenden Kleingärten im Verein „Heimat“ werden schon bald planiert, ein Steinhaus wurde schon abgerissen – für eine Baustraße einschließlich aller wichtigen Versorgungsleitungen.Das Novum bei diesem Mega-Wohnprojekt: Der Bewuchs der Kleingärtenflächen, die nicht bebaut werden, bleibt erhalten. Dennoch müssen Kleingärtner der „Heimat“ ab Ende März enger zusammenrücken: bislang großzügig bemessene Parzellen werden verkleinert. Das bedeutet: den Sommer über buddeln, um Pflanzen umzusetzen. Zudem werden die neu angeordeten Parzellen erschlossen, etwa durch ein neues Wegenetz und Versorgungsleitungen.

Pilotprojekt: Kleingärten „nachverdichten“


„Das Verfahren zur Nachverdichtung von Kleingärten bei laufendem Betrieb wurde in Kooperation mit dem Landesbund der Gartenfreunde speziell für dieses Projekt entwickelt“, erklärt Katja Glahn, Sprecherin des Bezirksamtes Nord. Als ein „Pilotprojekt“ werde es aufmerksam verfolgt. So würden immerhin möglichst viele Kleingärten in einer privilegierten Lage beibehalten. Deshalb sind in diesen Tagen Dr. Bernd Westphal und Martin Hubrig im nördlichen Gebiet des künftigen Pergolenviertel unterwegs. Der Auftrag der beiden Forstsachverständigen: Im Rahmen der Baufeldprüfung sollen sie Büsche und Bäume sichten mit dem Ziel, möglichst viel der ursprünglichen Vegetation zu erhalten. Dazu gehört etwa eine üppig gewachsene Schirmfichte am Grundweg, wo die Baustraße längs führen soll. Ebenso geht es um Büsche in den Gärten, die Vögeln Verstecke und angestammte Brutmöglichkeiten bieten.
Auch für das Pavillondorf am nahen Dakarweg könnte es eng werden. In der von Fördern & Wohnen (f&w) betriebenen Unterkunft leben 244 Bewohner: Wohnungslose sowie Flüchtlinge mit Familien. „Die Unterkunft hat eine Bestandssicherung bis Ende 2016“, teilt Katja Glahn mit. Für die Erschließung des Pergolenviertels müsse dort eventuell ein Versorgungsgebäude schon vorzeitig verlegt werden. Wie es ab 2017 weitergeht, werde derzeit mit f&w abgestimmt.
Für die Bauwagengruppe „Borribles“ wurde inzwischen ein neuer Standort in Ohlsdorf gefunden. Derzeit würden Details abgestimmt. Die Bewohner von Behelfsheimen sind bislang überwiegend im südlichen Teil des künftigen Pergolenviertels zu Hause, auf dem Gelände des Vereins „Barmbeker Schweiz“, das erst Ende 2016 geräumt wird. Auch für sie sind bereits Lösungen in Sicht: „Die Hälfte der Haushalte konnte mittlerweile in andere Wohnungen vermittelt werden; weitere Bewohner haben sich selbst um eine Bleibe gekümmert. Eine Bewohnerin zieht in diesen Tagen um“, so die Bezirksamtssprecherin.

Bald ohne „Heimat“


Extrem betroffen sind die Kleingärtner der „Heimat“ im ersten Baufeld. Sie mussten ihre Lauben südlich der Hebebrandstraße schon zu Ende November räumen. „Besonders die Älteren konnten in der kurzen Frist ihre Pflanzen nicht retten“, empört sich Uwe Puttfarcken von der Initiative „Eden für Jeden“. Die vorzeitige Räumung einzelner Parzellen sei unnötig, vor allem dort, wo noch jahrelang nichts passiere. Dass man wenigstens in schon verlassene Gärten der „Barmbeker Schweiz“ per Kurzzeitpacht ausweichen könnte, interessiere die Vereinsvorstände nicht. Nicht zuletzt will sich „Eden für Jeden“ für den Schutz der im Baugebiet gefährdeten Tiere einsetzen, wie es das Fauna-Gutachten zum Bebauungsplan vorsieht. „Wir werden die Umsetzung dieser Maßnahmen einfordern“, sagt Puttfarcken kämpferisch. „Auch die Parzellen an der S-Bahn, die unsinnigerweise für eine Mini-Naturschutz-Ausgleichsfläche geopfert werden, könnten noch ein Gartenjahr bleiben.“Der Planungsbeirat zum Pergolenviertel hat eine Menge Details zu klären. Er tagt Anfang 2016. Weitere Informationen unter www.forum-pergolenviertel.de (wb)
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