Komposition in Müll

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Auf dem Dach der Litfaßsäule liegen unzählige Flaschen anderer Müll Foto: mdt

Ein Barmbeker will nicht hinnehmen, dass „sein“ Quartier verdreckt

Von Marco Dittmer
Barmbek
Von oben sieht es fast so aus wie ein Kunstwerk. Und obwohl die Hochschule für bildende Künste gleich um die Ecke liegt, ist das Dach der Litfaßsäule an der U-Bahn-Station Hamburger Straße kein Werk der Studenten, es ist Müll und kann weg. Dutzende Flaschen, Dosen, Fahrradschlösser und in der Mitte ein großer Ziegelstein: den besten Blick – auf die durchaus beeindruckende Abfall-Komposition – hat man vom erhöhten Bahnsteig der U3 Richtung Innenstadt. Uwe Karsten war wohl einer der Ersten, der die zweckentfremdete Werbesäule entdeckte. Auch er würde dem Müllhaufen eine gewisse Ästhetik zugestehen, wenn da nicht die vielen anderen dreckigen Ecken in der Umgebung wären. Der 64-Jährige lud per Leserbrief an das Wochenblatt einen Redakteur auf einen Rundgang nebenan am Klinikweg ein. Karsten, der viele Jahre als Gärtner und Hauswart gearbeitet hat, wohnt neben der U-Bahn-Trasse und geht täglich durch den Stadtteil. „Es sieht hier sehr schlimm aus. Grünstreifen sind verdreckt, Laub und dicke Äste wurden im Herbst nicht beseitigt und viele Hecken sind vermüllt“, sagt Karsten. Besonders trostlos sieht es um den schmalen Weg zwischen der Wagnerstraße und dem Klinikweg aus. Auf der Wiese liegen Pappbecher, die Hecken zeigen jetzt im Winter, was Passanten im Sommer achtlos in die Büsche geschmissen haben und die Überreste einer Hecke an den Katakomben der Hochbahn wurde einfach beim Nachbarn entsorgt. Auf dem Müll-Rundgang mit Uwe Karsten geht es weiter vorbei an einer Berufsschule deren Schüler mit den gesamten Wendekreis samt Fußgängerweg zugeparkt haben. Unter den Gleisen hindurch ist ein Sportplatz zu sehen, der aussieht als herrsche im Klinikweg noch Herbst. Laubberge und ein dicker Ast liegen am Rand des Platzes bis zum Gehweg. „Der Ast wurde schon Mitte August von der Feuerwehr abgesägt, er drohte auf die Autos zu stürzen. Um die Entsorgung hat sich bisher noch keiner bemüht“, sagt Karsten. Besonders ärgerlich ist für den Rentner, dass weder bezirk noch Stadtreinigung auf seine Anrufe reagiert haben. Nach einer Wochenblatt-Anfrage tut sich nun etwas am Klinikweg. Laut Bezirksamt hat sich der Revierleiter die Stellen angeschaut und die Stadtreinigung informiert. Uwe Karsten hofft, dass die Stadt mit der Reinigung nicht bis zum Sommer wartet, wenn das Grün den meisten Müll wieder verdeckt. Der Betreiber Ströer der Litfaßsäule will sich umgehend um die Reinigung kümmern. „Generell werden alle Säulen bei den Plakatierungsarbeiten auf ihren Zustand überprüft“, sagt eine Sprecherin.
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