Kultur statt Leichen

Anzeige
Nach über sechs diskussionsreichen Jahren kann auf die Eröffnung angestoßen werden: Dieter Söngen vom Fachamt Sozialraum-Management im Bezirksamt Hamburg-Nord (rechts) mit den Betreibern Falk Hocquél (Mitte) und Volker Meier (links) sowie weiteren Partnern Foto: pm/Busse
 
Im historischen Krankenhausgebäude aus dem 19. Jahrhundert locken jetzt Kaffee, Kuchen und Kultur Foto: pm/Busse

Pathologie P40: Nach sechs Jahren endlich als Café für „Karreekultur“ eröffnet

Barmbek Kaffee und Kultur in der ehemaligen Krankenhauspathologie: Im aufwändig sanierten Backsteinbau an der Friedrichsberger Straße, den viele noch unter der früheren Bezeichnung „P40“ kennen, wurde jetzt von der Pferdestall Kultur GmbH und dem Bezirksamt das Café Schmidtchen eingeweiht. Unter dem Stichwort „Karreekultur“ sollen hier nachbarschaftsbezogene Veranstaltungen wie Kursnachmittage, Bürgerversammlungen und Lesungen bis hin zu Jazzabenden stattfinden. Zum Auftakt waren Anwohner, Vertreter aus Politik, Verwaltung und Kurltur geladen.
„Dies ist eines unserer anspruchsvollsten Projekt im Rahmen der integrierten Stadtteilkultur“, betonte Bezirksamtsleiter Harald Rösler in seiner Eröffnungsrede und spielte damit auf den langen Vorlauf bis zur Umsetzung der Umbaupläne an. „Die Ersten haben sich bereits vor elf Jahren mit dem Projekt beschäftigt und manchmal waren wir kurz davor, den Kram hinzuwerfen“, so Rösler. Das Ganze sei aber immerhin „lehrreich für die Zukunft“ gewesen und seit 2014 sei intensiv gebaut worden.
Ausgangspunkt war die umfangreiche Neuordnung auf dem Gelände des ehemaligen Allgemeinen Krankenhauses Eilbek. Im Jahr 2004 wichen die alten Gebäude einem kompakten Klinikneubau, das frei gewordene Areal konnte der Wohnbebauung zur Verfügung gestellt werden. Die Idee, die ehemalige Pathologie – P steht für Pathologie, P 40 hieß das Gebäude zu Klinikzeiten – als kulturelles Stadtteilzentrum zu nutzen, kam bereits damals auf. Vor über sechs Jahren meldete die Pferdestall Kultur GmbH ihr Interesse als Betreiber an. Das vorgelegte Konzept stieß immer wieder auf Kritik von Anwohnern, die in die Neubauten in direkter Nachbarschaft gezogen waren.
Sie befürchteten eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität vor allem wegen des erwarteten Lärms. „Über sechs Jahre haben wir uns fast monatlich in einer Planungsgruppe getroffen, um ein Konzept zu erarbeiten, dass allen gerecht wird“, berichtet Volker Meier, Prokurist der Pferdestall Kultur GmbH. Geschäftsführer Falk Hocquél ergänzt: „Wir sind trotz allem dabei geblieben, weil uns das Projekt ans Herz gewachsen ist.“
Das Café und Kulturzentrum residiert auf 250 qm Fläche in einem von vier verbliebenen historischen Krankenhausgebäuden aus dem 19. Jahrhundert, die planungsrechtlich durch das Bezirksamt Hamburg-Nord gesichert wurden. Die Finanzierung der Gesamtkosten in Höhe von gut einer Million Euro erfolgte mit 828 000 Euro größtenteils aus Haushaltsmitteln der Integrierten Stadtteilentwicklung. „Kultur ist hin und wieder ein vernachlässigter Part der Stadtteilentwicklung. Ich unterstütze hingegen das Konzept „Mehr Stadt in der Stadt“ und dieses Beispiel macht deutlich, dass es sich lohnt, Konflikte zu harmonisieren“, darauf wies Staatsrat Matthias Kock von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt hin. Die Hamburgische Bürgerschaft bewilligte außerdem 100.000 Euro aus dem Sanierungsfonds für Hamburg 2020. Der Bezirk unterstützte das Projekt mit 87.000 Euro aus dem Gestaltungsfonds der Bezirksversammlung. Darüber hinaus bewilligte sie 30.000 Euro für den barrierefreien Zugang des Untergeschosses. (cb)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige