Lebendige Geschichte

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Die Stadtteilarchiv-Mitglieder Gudrun Wohlrab (v. l.), Günther Okrafka, Gisela Hensen, Siegfried Hoppe, Greta Rambatz und Ulrike Hoppe vor der Schule Bramfelder Dorfplatz, die sie bei Rundgängen durch den Stadtteil gerne zeigen Foto: Sobersko
 
Ulrike Hoppe und Otto-Leonhard Peus aus Essen, der dem Stadtteilarchiv alte Unterlagen über die ehemalige Arztvilla, etwa auf der Höhe Bramfelder Chaussee 269 gelegen, im März 2011 überbrachte

Das Stadtteilarchiv Bramfeld feiert 30. Jubiläum

Von Tanja Sobersko
Hamburg. Eine Institution in Bramfeld feiert Jubiläum. Seit 30 Jahren ist der Verein Stadtteilarchiv Bramfeld e.V. mit Leiterin Ulrike Hoppe und einer Gruppe ehrenamtlicher Mitarbeiter in Sachen Bramfelder Historie aktiv. Sie machen Geschichte lebendig, aber sie bewahren auch Gegenwärtiges für die Nachwelt. Und dann bringen sie auch noch – wie im historischen Kinderprojekt – beides zusammen. Aus der Initiative einiger junger Menschen das ehemalige Bauernhaus in Bramfeld zu einer Kulturstätte zu machen, ist das Stadtteilarchiv vor 30 Jahren entstanden. Fotosammlungen, Gespräche mit Zeitzeugen und natürlich die Rundgänge durch den Stadtteil - alles das stellt das Stadtteilarchiv auf die Beine. Doch wer sind die Menschen dahinter? Ulrike Hoppe, Wissenschaftliche Angestellte, ist mit ihren 23 Stunden die einzige Festangestellte des Vereins. Nicht weniger oft präsent ist Gudrun Wohlrab, ein „Kind des Brakula“ und fast ebenfalls von Anfang an dabei.

Stadtteil-Rundgänge

Ihr sind so tolle Dinge wie das Bramory (Memory mit Bramfeld Motiven), der Bramfeld-Lernkoffer mit Unterrichtsmaterial für Schulklassen, sowie das Mehrgenerationen-Projekt und die Aktion „Schatzkiste“ zu verdanken. Ehrenamtliche Helfer wie Günther Okrafka, der ehemalige Triebwerksmechaniker, archivieren die zahllosen Fotos und andere wie Michael Dürrwächter und Greta Rambatz führen Interessierte durch Bramfeld und erzählen dessen Geschichte. Alle eint der Wunsch, nach der Pensionierung etwas Sinnvolles zu machen. Und alle teilen das Interesse für Geschichte. Lebendige Geschichte gibt es vor allem beim historischen Kinderprojekt von Gudrun Wohlrab. Sie besucht mit älteren Menschen Schulklassen, und dort berichten die Pensionäre von ihrer eignen Kindheit. Sie werden für einen Moment „die Ersatzoma“ und „der Ersatzopa“, die viele spannende Geschichten zu erzählen haben.
Geschichten kann auch Greta Rambatz erzählen, erste Vorsitzende des Vereins: „Ich habe Klönrunden gemacht, Ausstellungen, habe Sozialpädagogen zu den sozialen Einrichtungen Steilshoops geführt und sogar Rundgänge per Rad habe ich gemacht“, so die über Achtzigjährige. Jetzt hat sie „abgespeckt“ mit den Einsätzen und hat lediglich die Bramfelder Friedhofstour behalten. So viel Engagement – und das alles ohne Bezahlung. Im Jahre 1996 gab es die letzte Erhöhung der Zuwendungen seitens der Kulturbehörde. In dem Topf der Hamburger Geschichtswerkstätten befinden sich nur die Zinserträge aus der einen Million Euro, die die Kulturbehörde gegeben hat, der mit 25.000 Euro dotierte Haspa Stifterpreis von 2007 und die Spenden, die von Freunden und Förderern geleistet werden. Doch für Gehälter reicht es nicht, außerdem sollen die Mittel zweckgebunden für gemeinsame historische Projekte genutzt werden. Auch für Gisela Hensen, die die Interviews mit Zeitzeugen tippt oder Siegfried Hoppe, der alles in Bramfeld filmt, was ihm vor die Linse kommt oder sich handwerklich in den Verein einbringt, bleibt kein Geld, nur die Ehre. Doch nicht nur das Finanzielle trübt manchmal die Begeisterung der Historienfans. „Wir brauchen unbedingt mehr Raum“, so Ulrike Hoppe. „Wir wünschen uns so sehr, alle diese tollen Luftaufnahmen und Stadtpläne von Bramfeld zeigen zu können. Hier im ersten Stock vom Brakula ist das nicht machbar. Und nicht nur deshalb hoffen wir sehr auf die Kulturinsel und damit auf mehr Raum.“ (ts)
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