Leerstand an der Fuhle

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Mieter haben die Wahl: Auf der einen Seite der Fuhle sind modernste Gewerbeflächen zu vermieten, auf der anderen Seite stehen sanierungsbedürftige Altbauten leer. Foto: Burmeister
 
Buchhändlerin Claudia Hartmann vermisst am nördlichen Ende der Fuhle ein nettes Café oder Restaurant.Fotos: Burmeister

Zwischen den Fördergebieten finden sich keine Ladenmieter

Von Britta Burmeister
Es tut sich etwas in Barmbek-Nord. Wer auf der Fuhlsbüttler Straße stadtauswärts fährt, sieht schon von weitem das leuchtend rot gestrichene Hochtief-Haus, das seit 2012 das östliche Entrée des „Quartiers 21“ formuliert. Auf der 13,8 Hektar großen Fläche des ehemaligen Allgemeinen Krankenhauses Barmbek ist seit 2010 ein neuer Stadtteil mit Wohn- und Gewerbeflächen entstanden.
Die Imagebroschüre des Quartiers 21 spricht von einem der „ehrgeizigsten und innovativsten Bauprojekte der Hansestadt Hamburg“. Barmbek – so heißt es weiter – sei auf dem besten Wege, Kultstatus zu erlangen. Auf der anderen Straßenseite – dort wo das Quartier 21 aufhört und die Fördergebiete Barmbek Nord S1 und Langenfort noch nicht begonnen haben – ist von dieser Euphorie wenig zu spüren. Nur wenige der inhabergeführten Fachgeschäfte haben bis heute überlebt. Alle paar Meter stehen Passanten vor einem leeren Geschäft. Auch die neuen Gewerbeflächen im Quartier 21 sind noch nicht vollständig vermietet.
Doch selbst der Leerstand wird hier selbstbewusster verwaltet. „95 Quadratmeter für Ihren Erfolg“, leuchtet es von einem Plakat. Gegenüber kleben – wenn überhaupt – nur Name und Telefonnummer der zuständigen Makler im Fenster. Außerdem mahnt ein DIN A Zettel: „Plakatieren verboten“. Die Quadratmeter-Preise rangieren zwischen sechs und 27 Euro. Holger Hanisch, Geschäftsführer der HSM Immobilien OHG, hat eine der größten Flächen im Angebot. Im März 2012 ist Budnikowski auf die andere Straßenseite gezogen. Seitdem steht die 206 Quadratmeter große Verkaufsfläche an der Fuhle 402 leer. „Insgesamt sehe ich die Entwicklung rund um das Quartier 21 sehr positiv“, sagt der Immobilienexperte. „Man muss jetzt Vertrauen fassen, dass sich da etwas entwickelt!“ Die Vermietung der Geschäftsräume habe er sich allerdings etwas leichter vorgestellt. „Viele merken erst, dass es einen Hype gibt, wenn der Hype da ist“, stellt er fest. Trotzdem bleibt Hanisch zuversichtlich. Seine Suche geht nach einem Mieter, der die Umgebung insgesamt aufwertet und neue wie alte Anwohner anspricht.
Der Branchenmix auf der Ostseite der Fuhlsbüttler Straße ist bunt, aber wenig alltagstauglich. Zwischen Meister Bertram Straße und Hartzloh gibt es Experten für PC- und Notebookreparaturen, kulinarische Köstlichkeiten wie Falafeln, Croques oder Little Monster-Donuts und gleich mehrere Ansprechpartner für die Schönheit von Haut und Haaren. Wer mag, kann eine Jiu-Xiu-Massage genießen oder in einem kleinen Secondhand-Laden ein sechsteiliges Frühstücksgeschirr mit Jagdmotiven erwerben. Immerhin: Wer einen Bäcker, einen Arzt oder einen Apotheker sucht wird fündig. Einen Lebensmittelmarkt gibt es auf beiden Straßenseiten. Vielleicht, damit niemand die Straßenseite wechseln muss.
Was östlich der Fuhle fehlt, ist der Glanz des Quartiers 21, das, was man neudeutsch „Image“ nennt.
Die Gebäude sind alt, passen stilistisch nicht zusammen und sind zum Teil sanierungsbedürftig. Fuß- und Fahrradweg wurden noch nicht erneuert.. „Die letzten Jahre mit der Großbaustelle waren schrecklich“, gibt Claudia Hartmann, Inhaberin der Buchhandlung Recht-Ullrich an der Ecke Fuhlsbüttler Sraße/ Hartzloh, ehrlich zu. Doch das Quartier 21 begreift sie als Chance, den alt gewordenen Stadtteil neu zu beleben und zu durchmischen. „Es ist zu merken, dass die neuen Anwohner eine andere Umgebung gewohnt sind“, so die Buchhändlerin.
Für die Fuhle wünscht sie sich ein nettes Café oder ein schönes Restaurant, einen Ort, an dem man sich gern aufhält. „So ein bisschen etwas mit Herz!“, erklärt sie. Die Idee, das ehemalige Marktmeisterhäuschen am Hartzloh zu sanieren und in ein Café zu verwandeln, findet sie da genau richtig. Auch Optiker Hans-Georg Backhaus, der ein paar Häuser weiter sein Fachgeschäft betreibt, hält die Entwicklung in seiner Nachbarschaft insgesamt für positiv, bleibt aber skeptisch. „Mit den neuen Anwohnern ist ein kaufkräftiges Klientel hierher gezogen“, sagt er.
„Das ist ein schönes Bonbon, aber ob das reicht, um hier wirklich etwas zu verändern!?“ Hans-Georg Backhaus hat da so seine Zweifel. Auf seiner Seite der Fuhle lebten eher Menschen mit niedrigem Einkommen.
Für den Branchenmix im Quartier wäre aus seiner Sicht ein schönes Mode- oder Schuhgeschäft notwendig – wenn möglich inhabergeführt. „Die Eigentümer bevorzugen allerdings Filialisten“, weiß er aus einem Gespräch mit einem Makler. (bb)

Lesen Sie hierzu auch den Beitrag des Leserreporters Michael Kahnt.

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