„Löcher stopfen bringt es nicht“

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In dieses Loch in der Semperstraße passt aufrecht eine Zigarettenschachtel.
 
Ziehharmonika-Busse verkehren hier. Aber Geld für die Loch-an-Loch-Strecke gibt es wohl nicht Fotos: to

Wochenblatt-Leser melden Straßenschäden. Keine Sanierungsmaßnahmen im Bezirk Nord

Von Thomas Oldach
Hamburg Wer mobil auf zwei oder vier Rädern in Hamburg unterwegs ist, rollt im Bereich der Hauptverkehrsstraßen immer noch über zum größten Teil gut befahrbaren Untergrund. Doch kaum biegt man in Seitenstraßen ab, zeigt sich die Hansestadt von ihrer eher trüben Seite – denn hier reiht sich Schlagloch an Schlagloch. Das Hamburger Wochenblatt hatte vor zwei Wochen die Leserinnen und Leser gebeten, Löcher vor ihrer Haustür oder auf dem Weg zur Arbeit zu melden. Die Resonanz hat die Redaktion überwältigt – die Klagen wurden an die zuständigen Behörden weitergeleitet.

Dabei geht es nicht nur um Beschwerden von Auto- und Radfahrern – auch Fußgänger machten ihrem Unmut über den Zustand der Gehwege Luft.
Hamburgs Straßennetz, das sind rund 7.500 Straßen, Plätze und Brücken mit einer Gesamtlänge von mehr als 4.000 Kilometern. 3.450 Kilometer davon gehören zum Bezirksstraßennetz. Die meisten sind Tempo-30-Zonen. Die Hauptstraßen haben eine Länge von 550, die der Autobahnen eine Länge von knapp 83 Kilometern. Das Straßennetz im Hafen ist 320 Kilometer lang. Und das laut Angaben des Statistischen Landesamtes auf einer Fläche von 755,3 Quadratkilometern mit rund 1,8 Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: In Berlin leben auf 891,9 Quadratkilometern etwa 3,5 Millionen Menschen. Trost für die Hamburger: Berlin gibt nach Angaben des ADAC weniger Geld für die Unterhaltung des Straßennetzes aus als Hamburg. Dort sollen es in diesem Jahr nach Angaben der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation an „Betriebs-, Unterhaltungs- und Instandsetzungsmitteln 17 Millionen Euro sein. Natürlich wird diese Summe aufgeteilt nach Bezirken und Bedarf.

Vom Geld des Steuerzahlers sollen unter anderem im Bezirk Mitte folgende Bereiche saniert werden: Süderstraße, Hammerbrookstraße bis Heidenkampsweg und die Nordkanalstraße (Nebenfahrbahnen) sowie der Nagelsweg bis Anckelmannsplatz. Nicht auf der Liste der Behörden steht aber etwa die Straße Mümmelmannsberg, die ein einziger Flickenteppich ist. Auch beim Anblick „seiner Straße“ in Billstedt würde sich der Maler Edvard Munch im Grabe umdrehen – von der Steinbecker Hauptstraße einmal ganz zu schweigen.

Am meisten leiden müssen wohl die Menschen im Bezirk Nord – obwohl dort 1,467 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Denn dort sind aktuell für dieses Jahr keine Sanierungsmaßnahmen vorgesehen. „Die Mittel fließen in die allgemeine Straßenunterhaltung“, hieß aus dazu aus der Behörde. Und das vor dem Hintergrund, dass dem Wochenblatt gerade aus dieser Region viele Schadensmeldungen erreicht haben. Von Winterhude über Groß Borstel und Langenhorn bis Barmbek reicht die Liste. Löcher in der Semperstraße, durch die auch noch ein Ziehharmonika-Bus fährt, Flickschusterei auf der Eiffestraße.

Deshalb: Wirklich ausreichend scheinen die Millionen-Summen nicht zu sein. Die Wochenblatt-Leser sind deshalb auch mehr als sauer. „Für das Radwege- und Bus-Konzept sowie die Elbphilharmonie ist genug Geld da, aber für vernünftige Straßen und Gehwege nicht“, hieß es unter anderem. Und: „Immer nur Löcher stopfen bringt es auf Dauer nicht. Zum Teil müssen Komplettsanierungen her.“

Melde-Michel
Wer sich über Straßenschäden aufregt und diese an die zuständigen Behörden melden möchte, hat dazu Gelegenheit im Internet. Auf der „Melde-Michel“-Seite der Stadt kann jeder aufmerksame Bürger entsprechende Hinweise loswerden – egal, ob eine Straßenlaterne nicht funktioniert oder im Park eine Bank kaputt ist. Die eingehenden Meldungen werden gespeichert und an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Die Dienststellen sollen die eingehenden Meldungen innerhalb von zehn Arbeitstagen bearbeiten – verspricht die Behörde. Telefonisch ist der „Melde-Michel“ unter der klassischen Behördennummer 115 (oder per Brief an das zuständige Bezirksamt) zu erreichen. Weitere Infos gibt’s unter hamburg.de/melde-michel (to)

Kommentar

Ohne Gespür


Und da wundere sich noch irgendjemand über Politikverdrossenheit – wenn „die da oben“ offensichtlich jedes Gespür für die Sorgen der Bürger verloren haben. Am Beispiel der Schlaglöcher lässt sich das gut festmachen. Denn es sind die kleinen Dinge, die in der Summe dazu führen, dass entweder kaum noch jemand zur Wahl geht oder denen die Stimme gibt, die einfach nur gegen alles sind, was wir in dieser Demokratie aufgebaut haben.
Nur haben es sich Politik und Verwaltung in dieser Demokratie auch gut eingerichtet. Offenbar zu gut. Deshalb der Appell an „die da oben“: Hört auf die Beschwerden der Bürger, kümmert Euch darum. Fangt doch einfach mit dem Stopfen der Löcher in den Straßen an! (to)
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2 Kommentare
803
Erich Heeder aus Billstedt | 23.05.2016 | 08:25  
803
Erich Heeder aus Billstedt | 24.05.2016 | 21:52  
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