Manhattan in Barmbek?

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Ulrich Hoffmann hätte sich eine offene Ausschreibung für die Bebauung des Busbahnhofs gewünscht: „Dann hätte man mehr Auswahl bei den Interessenten.“ Foto: Leuschen
Hamburg: Barmbeker Bahnhof |

Neue Pläne für den Busbahnhof: Versicherung möchte Zentrale errichten

Von Misha Leuschen
Barmbek. Eigentlich sind es gute Nachrichten: In die Planung rund um den Schandfleck Barmbeker Bahnhof und Hertie-Haus kommt wieder Bewegung. Ein Versicherungsunternehmen möchte sich auf dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofs ansiedeln. 550 bis 600 Menschen sollen dort arbeiten – eine deutliche Aufwertung und mögliche Initialzündung für eine Wende zum Besseren an diesem vernachlässigten Ende der Fuhlsbüttler Straße. Der Haken dabei: Das Gebäude soll deutlich höher werden als die bisher geplanten fünf Geschosse: von bis zu 13 Etagen ist die Rede.
Nach geltendem Recht, also der Festsetzung der Verkehrsfläche, wäre der Bau eines solchen Hochhauses nicht möglich. Wenn davon abgewichen werden soll, muss die Änderung – wie in jedem öffentlich-rechtlichen Verfahren – mit allen beteiligten Trägern öffentlicher Belange, der Bevölkerung und den Behörden diskutiert und abgewogen werden. Eine Entscheidung ist also noch nicht gefallen, doch für den Investor drängt die Zeit: Der bisherige Mietvertrag der Versiche-rung läuft 2015 aus. Baubeginn müsste damit spätestens 2014 sein, das ist der Wunsch der Projektentwickler ECE und der Firma Estatement. Sie drängen auf eine Entscheidung binnen sechs Wochen. Das hält der Bezirk aufgrund der Lage im Sanierungsgebiet und des laufenden Bebauungsplanverfahrens für unrealistisch. Die letzte Entscheidung obliegt der Bezirksversammlung.
Als alternatives Baugrundstück war auch die jetzt als Parkplatz genutzte Fläche an der Maurienstraße im Gespräch, die sich für einen höheren Geschossbau sicher deutlich besser eignen würde. Der Bezirk hatte die den Projektentwicklern als Alternative nahe gelegt, doch offenbar bestand nur Interesse am ehemaligen Busbahnhof.
Die Anlieger an der Fuhlsbüttler Straße, unter anderem der Mitinitiator der Hertie-Initiative, Buchhändler Ulrich Hoffmann, sehen die Pläne für den Konzern-Neubau mit gemischten Gefühlen. „Einerseits ist es eine Aufwertung des Quartiers, doch bei Büros bin ich skeptisch. Wir hatten uns mit der geplanten Ansiedlung von Einzelhandelsgeschäften erhofft, dass es andere, neue Kunden zum Einkaufen in den Stadtteil kommen.“ Die geplante Einzelhandelsfläche von rund 2000 Quadratmetern hält er dabei für nicht relevant. „Uns fehlt nach wie vor eine zentrale Einkaufsmöglichkeit im Stadtteil. Das Angebot dort wird nichts bringen.“
Welche Auswirkungen ein möglicher Büroneubau auf die Pläne für das Hertie-Haus haben könnte, darüber kann man nur spekulieren. Möglicherweise beschleunigt ein attraktiver Nachbarbau die Prozesse beim Verkauf der Hertie-Ruine. Dort sollen, wie es sich viele Barmbeker wünschen, größere Einzelhandelsflächen und Dienstleistungen ihren Platz finden, verbunden mit Stellplätzen. Eine Nutzung als Bürogebäude wäre zwar möglich, ist aber vom Bezirksamt ausdrücklich nicht gewünscht. (leu)
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