„Mit der Gegend verbunden“

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Mietshaus in der Flotow- straße um 1912 mit einem Einzelhandelsgeschäft Foto: Geschichtswerkstatt Barmbek
 
Peter Dietmann vor dem Mietshaus in der Flotowstraße Foto: Thiele

Peter Dietmanns Familie bewohnt seit über 100 Jahren eine Wohnung im Komponistenviertel

Von Ulrich Thiele
Barmbek Kaum hat Peter Dietmann die Haustür hinter sich zugezogen und macht sich auf den Weg, die Flotowstraße in Richtung Bachpark für einen kleinen Spaziergang zu überqueren, da kommt es schon zur ersten Verzögerung: Ein Bekannter kreuzt seinen Weg, man grüßt sich und bleibt für einen kurzen Klönschnack stehen. Wenige Augenblicke später wiederholt sich das Szenario. „Ich muss hier immer so viele Leute grüßen“, sagt der pensionierte Maurermeister, der in seinem Quartier wohlbekannt ist.

Die Sonne scheint, die blühenden Bäume säumen die Flotowstraße, die Außenfassaden der Mietshäuser sehen nobel aus. Das sogenannte Komponistenviertel ist attraktiv, es lässt mit seinen Neu- und renovierten Altbauten auf den ersten Blick kaum noch etwas von dem Arbeiterviertel erahnen, das es einmal war. Das Quartier in Barmbek-Süd befindet sich bereits seit einigen Jahren im Umbruch, es wurde durch große Sanierungsmaßnahmen aufgewertet. Die Nähe zu Winterhude und Uhlenhorst sowie zur Alster und zum Shoppingcenter macht es für junge Familien attraktiv, was mit hohen Mietpreissteigerungen verbunden ist.
Peter Dietmann hat all die Veränderungen miterlebt. Er schlendert entspannt durch den Bachpark und genießt das Grün jenes Quartiers, mit dem seine Familie seit Generationen tief verwurzelt ist.

1913 zog die Oma ein

Vor mehr als 100 Jahren mietete Dietmanns damals 18-jährige Großmutter gemeinsam mit ihrem Ehemann, der einen Kolonialwarenladen in der Detmerstraße nahe des Barmbeker Bahnhofs besaß, im Jahre 1913 als „Trockenwohner“ eine Wohnung in der Flotowstraße.
Seitdem wurde der Bau durchgehend von Mitgliedern der Familie Dietmann bewohnt. In seinen ersten Lebensjahren wohnte der kleine Peter Dietmann noch mit seinen Eltern in der nahe gelegenen Weidestraße, ehe die junge Familie im Jahre 1943 zu seinen Großeltern in die Flotowstraße zog. Als 1943 während der Bombenangriffe auf Hamburg große Teile des Viertels zerstört wurden, blieb das Mietshaus der Dietmanns unversehrt. „Nach dem Krieg waren fast alle Häuser kaputt. Wir haben damals als Jungs in den Röhrenbunkern Sandburgen gebaut und über die Trümmer eine Abkürzung in den nicht zerstörten Teil der Bartholomäus-Badeanstalt genommen“, erinnert sich der Rentner an seine Kindheit.
Zwischen 1960 und 1964 lebte er vier Jahre lang in Bramfeld, bevor er 1964 heiratete und mit seiner Frau die Wohnung in der Flotowstraße übernahm.
Das Ehepaar zog dort seine Kinder groß und verließ die Wohnung bis heute nicht. „Ich hätte natürlich in ein anderes Viertel in eine größere Wohnung ziehen können, aber ich bin mit dieser Gegend so verbunden, dass ich gar nicht wegmöchte“, erklärt der Urbarmbeker, der die „herrliche Ruhe“ in seiner Straße genießt. Fast ein ganzes Leben in einem Viertel – das bedeutet natürlich auch, teils große Veränderungen mitzuerleben und von denen gibt es im Komponistenviertel bekanntlich viele. „Es ist nicht unbedingt alles schöner geworden“, findet Dietmann. „Die Bebauung wurde immer enger. Außerdem gibt es kaum noch Einzelhandelsgeschäfte. Früher war die ganze Flotowstraße voll davon“.

Engere Bebauung

Mit der engen Bebauung wird es in dem aufstrebenden Viertel weitergehen. Nächstes Jahr sollen zwischen dem Winterhuder Weg und der Flotowstraße rund 150 neue Wohnungen entstehen, Ladenflächen sollen für stadtteilorientierte Einrichtungen (Generationentreff und Kita) genutzt werden. Auch wenn Peter Dietmann nicht jeden Umbau begrüßt, wird seine Liebe zum Komponistenviertel wohl keinen Abbruch erleiden. Zu tief ist seine Geschichte in seinem Quartier verwurzelt.
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