Mit „Herzblut“ für den alten Friedhof Ohlsdorf

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„Rennstrecke Cordesallee“ – wenn es nach Rafael Meckbach geht, dann sollen bauliche Veränderungen – zum Beispiel Poller – zurVerkehrsberuhigung beitragen Foto: Krause
 
Rafael Meckbach sammelt Unterschriften gegen Ohlsdorfer Veränderungspläne Foto: Krause

Ehemaliger Benediktinermönch Rafael Meckbach sammelt Unterschriften gegen Veränderungspläne

Von Franz-Josef Krause
Ohlsdorf
Im persönlichen Bereich erlebte Rafael Meckbach, 1961 in Kassel geboren, durchaus grundlegende Veränderungen. Sein Weg führte von der Zelle eines Benediktinerklosters in die Ehe und nach Hamburg, wo er heute mit seiner Frau und Kindern lebt. Was aber den Friedhof Ohlsdorf anbelangt, ist Frater – die lateinische Bezeichnung für „Bruder“ hat er aus Klosterzeiten beibehalten – Rafael strikt gegen jede Veränderung. Aufgeschreckt wurde er, als er erfuhr, dass sich die Verantwortlichen des Friedhofs und der Stadt unter dem Stichwort „Ohlsdorf 2050“ Gedanken um die langfristige Zukunft des Friedhofs machen. Hintergrund sind - wie berichtet – gesunkene Bestattungszahlen, verbunden mit deutlich geringerem Flächenbedarf. Während von Politik und Verwaltung der Leitspruch „Verändern heißt Bewahren“ gewählt wurde, stellt sich für Meckbach und seine Unterstützer die Sache genau umgekehrt da. „Verändern heißt Vernichten“, davon sind er und die rund 500 Hamburger, die eine von ihm formulierte Petition seit September 2015 unterschrieben haben, überzeugt.

Engagiert für Verstorbene


„Schon die Tatsache, dass Landschaftsarchitekten einbezogen wurden, lässt auf gravierende Einschnitte schließen!“, folgert Rafael Meckbach. Der Mann ist für sein uneigennütziges Engagement für Verstorbene bekannt. Er will denen eine Stimme geben, die keine mehr haben. „Grundlage meines Handelns ist mein christliches Menschenbild“, so der frühere Benediktiner. Deshalb hat er über Jahre die Urnenbeisetzungen „Beziehungslose verstorbene Menschen“ der Freien und Hansestadt Hamburg auf dem Friedhof Öjendorf mit Gebeten begleitet, hat mit dafür gesorgt, dass ein Stein dort an alle erinnert, an die sich bei ihrem Tod niemand erinnerte. Das ist leider eine Realität. Was Meckbach allerdings in seiner Petition vorträgt, gründet sich auf Vermutungen und so ist es auch formuliert. „Der Hamburger“, so schreibt er, „geht mit dem Vorhaben nicht konform.“ Die „Vorhaben“ – Mausoleen werden von Bürogemeinschaften genutzt, Kindergärten entstehen auf Grabflächen – sind hingegen rein spekulativ, waren auch nicht Gegenstand des Werkstattgesprächs im Oktober 2015 an dem das Wochenblatt teilnahm. „Hinterbliebenen wird bei der Grabauswahl“, so argumentiert der Frater, „nicht jeder Platz angeboten. Das ist für mich der Beweis, dass es Flächen gibt, die der Friedhof heute schon für friedhofsferne Zwecke im Auge hat.“ Friedhofssprecher Lutz Rehkopf dazu: „Ja, da ist Herr Meckbach richtig informiert – nicht jede Fläche wird angeboten. Was jedoch seine Schlussfolgerung anbelangt, liegt er völlig falsch. Seit Bestehen des Friedhofs wurde durch gezielte Nutzungsplanung die Lage und Gestaltung der Grabfelder gesteuert.“ Für Interessierte verweist Rehkopf auf die Internetseite des Friedhofs, die über alle Themen informiert.

Forum im Februar


Frater Rafael ist indes eine mögliche Erosion des Friedhofs und der Trauerkultur so real, dass er mit „Herzblut“ dagegen angehen will. „Wirtschaftliche Argumente“, findet Meckbach, „haben auf dem Friedhof nichts zu suchen. Das ist die Gesellschaft ihren Toten schuldig.“ Er bedauert, dass ihn die Kirchen nicht in seinem Kampf unterstützen und hat auch eine Vermutung, warum sie das nicht tun „Es könnte sein, dass die Kirchen auf ‚geräumtem‘ Friedhofsareal Gebäude errichten wollen“, mutmaßt er gegenüber dem Wochenblatt. Zwei Vorschläge bietet er an, die möglicherweise in der weiteren Diskussion eine Rolle spielen. Um die „Rennstrecke Cordesallee“ als Verbindung von Ohlsdorf nach Bramfeld unattraktiv zu machen, sollte sie verkehrsberuhigt umgebaut werden. Und wenn die Friedhofsverwaltung die Pflege aus den Gebühren nicht mehr leisten kann, dann sollten Teile gezielt verwildern „Der Natürschützer würden sich freuen“, davon ist Rafael Meckbach überzeugt.
Wie geht es weiter? In der ersten Februarhälfte findet ein weiteres Fachforum statt, zu dem der Friedhof auch den Frater eingeladen hat. Grundsätzlich ist ‚Ohlsdorf 2050‘ ein auf Öffentlichkeit angelegtes Projekt. Deshalb wird es eine umfassende Bürgerbeteiligung geben. „Bereits im Mai gehen wir in die Öffentlichkeit und erwarten, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger bei diesem sensiblen Thema mit einbringen“, betont Lutz Rehkopf.
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