Moneten statt Musik

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So sollte das innovative Musikerzentrum aussehen. Jetzt wird es doch nicht gebaut Grafik: Coido /wb
 
Bleibt vorerst eine Brache: Der Platz an der Marschener Straße / Holsteinischer Kamp Foto: bb

Kein Musikerzentrum im Komponistenviertel. Gewerbe geplant

Von Britta Burmeister
Barmbek-Süd. Der Traum von einem Musikerzentrum im Barmbeker Komponistenviertel ist geplatzt.
Wie die Finanzbehörde dem WochenBlatt auf Nachfrage mitteilte, soll die Brachfläche an der Ecke Marschnerstraße/ Holsteinischer Kamp noch in diesem Sommer für die planungsrechtlich vorgesehene Nutzung als Gewerbefläche ausgeschrieben werden. Auf die Konzeptausschreibung aus dem Mai 2012 habe es kein Gebot gegeben. Noch im April 2012 hörte es sich so an, als sei die Realisierung des über mehrere Jahre mit großer Rückendeckung aus dem Bezirk geplanten Kulturhauses so gut wie besiegelt. Auf einer Pressekonferenz verkündete Projektentwickler Uwe Doll (CQ Creative Quartiere und Marketing GmbH), dass es ihm gelungen sei, einen Investor zu finden. Die Cologne Asset Management Group Düsseldorf wolle 12,9 Millionen Euro in das Projekt investieren (das Wochenblatt berichtete).

27 Räume geplant

Nach Amsterdamer Vorbild sollten auf der 3.654 Quadratmeter großen Brachfläche
ein energieeffizientes Gebäude mit 27 Studioräumen in verschiedenen Größen, zwei Probensälen, einem Live-Musik-Club, Büro- und Gewerbeflächen sowie Gastronomie entstehen. Für die architektonische Gestaltung des Musikerzentrums legten die coido architects einen konkreten Entwurf vor.
Bei reibungsloser Umsetzung aller Pläne hätte im Frühjahr 2013 der erste Spatenstich erfolgen können. Die Konzeptausschreibung für das Grundstück wurde für Mitte Mai 2012 erwartet. Mit konkurrierenden Mitbewerbern rechnete Uwe Doll im April 2012 nicht.
Die Antwort auf die Frage, warum die Cologne Asset Management Group Düsseldorf schließlich kein Gebot auf die Ausschreibung des Projektes abgegeben hat, bleibt offen.
Uwe Doll spricht von „Mentalitätsunterschieden“. Zwischen Finanzbehörde und Investor habe keine Einigung erzielt werden können. Aus Sicht der Finanzbehörde gab es dagegen keine Differenzen.
Der Investor habe sich nicht auf die Ausschreibung beworben und während des Verfahrens auch keinen Kontakt mehr zur Finanzbehörde gesucht.
Ganz offensichtlich habe kein Interesse an dem Projekt bestanden. Da es auch sonst keine Resonanz auf die Konzeptausschreibung gegeben habe – so die Finanzbehörde weiter – bestünde ganz offensichtlich keine Nachfrage für die geplante Nutzung.
„Diese Behauptung ist aus meiner Sicht vollkommen haltlos und aus der Luft gegriffen“, ärgert sich Uwe Doll. „Ich kann mir nicht erklären, wie die Fachbehörde zu einer solchen Aussage kommt. In der Tat widerspricht sie insbesondere der Markt- und Standortstudie, die seit Juli 2011 vorliegt.“
Auch der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport der Bezirksversammlung Hamburg-Nord steht der Finanzbehörde in dieser Sache kritisch gegenüber: „Es hat zwar ein Gespräch mit einem möglichen Investor gegeben“, berichtet Ralf Lindenberg, Mitglied der FDP Fraktion Hamburg-Nord und Vorsitzender im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport. „Die Ausschreibung, die er erst nachträglich erhielt, hat ihn aber wohl abgeschreckt. Es ist sehr bedauerlich, dass offensichtlich keine zielführenden Gespräche geführt worden sind.“
Ähnlich äußerte sich auch Michael Werner-Boelz, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Hamburg-Nord: „Die Bezirksversammlung hat sich fraktionsübergreifend sehr für das Musikerzentrum eingesetzt. Dieser politische Wille ist in der Ausschreibung der Finanzbehörde überhaupt nicht erkennbar.“
Elisabeth Voet van Vormizeele, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU und Fachsprecherin im Stadtentwicklungsausschuss, betont den städtebaulichen Aspekt: „Grundsätzlich wäre das Musikerzentrum eine ganz tolle Sache, eine Aufwertung für den Stadtteil, etwas Einzigartiges.“ Im Namen des ganzen BKS appelliert Ralf Lindenberg an die Behörden: „Wir haben das Scheitern mit Bedauern zur Kenntnis genommen und fordern die Stadt auf, nicht so schnell die kulturelle Nutzung des Geländes an der Marschner Straße aufzugeben!“ (bb)
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