Museum der Flüchtlinge

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Direktorin Prof. Dr. Rita Müller heißt Flüchtlinge im Museum der Arbeit willkommen Foto: leu

Bis zu 50 Frauen sollen in Barmbek Unterschlupf bekommen

Von Misha Leuschen
Barmbek
Diese Aktion ist wohl einmalig in Deutschland: Voraussichtlich ab Februar 2016 werden in der Alten Fabrik des Museums der Arbeit Flüchtlinge untergebracht. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, werden dort 40 bis 50 Frauen, schwanger und/oder mit Kindern, leben. Vor allem Frauen, die Opfer von sexualisierter oder anderer Gewalt geworden sind, und Mütter mit Säuglingen sollen dort einen Platz bekommen.Insgesamt 13 Wohn-Kompartiments, fünf Verwaltungs-Kompartiments und ein Arztzimmer werden im Erdgeschoss und in der ersten Etage entstehen. Jede der Wohneinheiten wird Platzkapazitäten von jeweils zwei bis vier Personen schaffen. „Die sanitären Anlagen werden in Container-Bauweise unmittelbar am Gebäude errichtet, so dass sie problemlos erreichbar sind“, so Museumssprecher Mathias Seeberg.

Unterstützung zugesagt


Museumsdirektorin Prof. Dr. Rita Müller sieht die Flüchtlingsunterbringung als Herausforderung und Chance. Für Besucher werde die neue Situation kaum Einschränkungen bringen, lediglich einige Veranstaltungen müssen verschoben oder an einen anderen Ort verlegt werden: „Was es für unsere Mitarbeiter bedeuten wird, werden wir sehen.“ Sie ist erleichtert, dass der Freundeskreis des Museums ihnen ganz praktische Unterstützung zugesagt hat, wenn Not am Mann sein sollte. Was die neue Situation für die Hofnachbarn bedeutet, kann noch keiner ermessen. „Wir haben in direkter Nachbarschaft zwei Außengastronomien, die der Trude und die der Zinnschmelze“, so Rita Müller. Alle Hofanrainer seien in gutem Kontakt.
Bei der Trude ist man hin- und hergerissen. „Wir engagieren uns bereits bei der freiwilligen Helfervereinigung Welcome to Barmbek,“ erklärt Trude-Geschäftsführer, auch Praktika habe man schon vermittelt. „Wir stehen dem Thema sehr offen gegenüber.“ Aber man könne nicht einschätzen, wie die Gäste reagieren werden. „Es wäre sehr gut für alle Hof-Anrainer, wenn der Hof selbst so wenig wie möglich verändert wird.“
Holger Völsch ist wichtig klarzustellen, dass die besonders schutzbedürftigen Flüchtlinge sehr willkommen seien. „Wir wollen dazu beitragen, dass sie sich hier nebenan wohl und sicher fühlen.“ Man bewerbe sich bereits um die Verpflegung der Flüchtlinge und denke über Spendenaktionen nach. Das wird Börries von Notz, den Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg, freuen: „Ich kenne kein Museum in Deutschland, bei dem das in dieser unkomplizierten Weise möglich wäre“, sagt er. „Ich hoffe, dass nicht nur die räumliche Unterbringung, sondern auch der Ort und persönliche Kontakte helfen werden, die Situation für die konkret im Museum der Arbeit untergebrachten Menschen zu verbessern.“ Geplant ist die Unterbringung der Flüchtlinge für zunächst 12 Monate.
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