Neuer Name für Stadtteilschule

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Die Schüler haben sich intensiv mit Ilse Löwenstein beschäftigt, auch mit Menschen aus dem Stadtteil. Die Buchillustratorin Stefanie Harjes hat mit Schülern Bilder für den Eingang der Schule gestaltet Foto: Busse

Schule Humboldtstraße heißt jetzt Ilse Löwenstein-Schule

Barmbek Die ehemalige Schule Humboldtstraße hat einen neuen Namen: Sie heißt jetzt Ilse-Löwenstein-Schule, benannt nach einer jungen Barmbekerin, die mit 17 Jahren von den Nationalsozialisten gefangengenommen, in das russische Minsk deportiert wurde und seither als verschollen gilt. „Ich freue mich, wenn sich eine Schule sich auf den Weg macht, sich einen ‚richtigen‘ Namen zu suchen“, gratulierte Schulsenator Ties Rabe am Freitagnachmittag, als in der vollbesetzten Aula der Stadtteilschule die Umbenennung gefeiert wurde. Rabe erinnerte an bekannte Sportler, Dichter oder Nobelpreisträger, nach denen andere Schulen in Hamburg benannt sind und hob hervor: „Ilse Löwenstein wird erst durch diese Schule bekannt.“
Ilse Löwenstein, geboren 1924, wuchs mit ihrer älteren Schwester und ihren Eltern, von Beruf Frisörin und Konditor, in der Humboldtstraße auf. „Wir sind über den Namen buchstäblich gestolpert“, so Elternratsvorsitzende Andrea Elrott, „denn vor dem Haus Nummer 56 erinnert ein Stolperstein an das junge Mädchen aus unserem Stadtteil, das aufgrund ihrer Religion verfolgt wurde.“
Die jüdische Familie wurde 1941 deportiert, nur die ältere Schwester, die 1939 nach Großbritannien ausgewandert war, überlebte. Die Schulgemeinschaft verstehe den neuen Namen als Auftrag, erklärten Schulleiterin Karin Pilnitz. Er soll ein Zeichen setzen für Toleranz, Respekt und Weltoffenheit. „Wir möchten mit diesem neuen Namen die Identitätsbildung unserer Schule stärken und gleichzeitig historische Verantwortung übernehmen“, so Pilnitz.

Schule ohne Rassismus


Auf die große Bedeutung, die Erinnerung wach zu halten, damit Rassismus und Vorurteile keine Chance haben, wies auch Gerd Gerhard, Leiter der jüdischen Joseph-Carlebach-Schule am Grindelhof in seiner Rede hin. „Die Umbenennung ist ein gutes Zeichen für die Zukunft“, so Gerhard, der sich neben einer Olympiade für den Sport auch eine Art Olympiade für die Bildung wünscht – in den Disziplinen: „Gerechter, sozialer, toleranter!“ Schulsprecherin Elina Sperling präsentierte das Projekt „Schule ohne Rassismus“, eine bundesweite Initiative von Schülern, die sich gegen Diskriminierung einsetzen. Die Schulgemeinschaft stellte darüber hinaus ihre Kreativität mit einem vielseitigen Festprogramm unter Beweis. Mit Chor, Musik, Akrobatik und einer szenischen Darstellung hatten sich die Schülerinnen und Schüler im Rahmen vorangegangener Projekttage ihrer neuen Namensgeberin angenähert. Vier großformatige Bilder, die in Zusammenarbeit mit der Barmbeker Buchillustratorin Stefanie Harjes entstanden sind, sollen zukünftig den Eingang des Schulgebäudes schmücken. Eine abschließend auf dem Schulhof mit vereinten Kräften gepflanzte Eberesche soll den Gedanken an Ilse Löwenstein über viele weitere Generationen wachhalten. (cb)
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