Neues Asyl am Wiesendamm bezogen

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Immer wieder fuhren Lkw am Wochenende vor den Wiesendamm 24, auch mit Kleiderspenden aus den Messehallen. Die FFW Poppenbüttel war wegen des Brandschutzes permanent mit einem Löschwagen vor Ort. In der Woche übernimmt die Berufsfeuerwehr den Job Foto: Barth

238 Flüchtlinge leben jetzt in ehemaliger Theaterfabrik. Weitere Unterkünfte geplant

Von Daniela Barth
Barmbek
Es ging alles ganz schnell: In der ehemaligen Theaterfabrik am Wiesendamm 24, die zurzeit von der Kultur-Genossenschaft Wiese e. G. zum Theater- und Musikzentrum „Wiese“ umgebaut wird, kamen am Wochenende 238 Flüchtlinge unter. Die von der Innenbehörde kurzfristig zur Erstaufnahme-Notunterkunft erklärten Hallen (für insgesamt 300 Menschen) werden von den Johannitern betrieben.
Am Freitagmittag (16. Oktober) begannen Mitarbeiter des christlichen Wohlfahrtverbandes Die Johanniter im Wiesendamm 24, das Nötigste vor Ankunft der ersten Asylsuchenden am nächsten Abend vorzubereiten. Andreas Lübbers vom Vorstand der Kulturgenossenschaft Wiese e. G., die die ehemalige Theaterfabrik als Theater- und Musikzentrum „Wiese“ nutzen wird und derzeit die Umbauten steuert, ist ganz und gar nicht böse über die überraschende Zwischennutzung: „Wir haben das Anfang der vorigen Woche der Sprinkenhof AG, die das Gebäude verwaltet, sogar angeboten.“ Die Innenbehörde reagierte schnell und erklärte das Gebäude zur Erstaufnahme-Notunterkunft.
Theatermacher Lübbers: „Hauptsache, die Leute haben erstmal ein festes Dach überm Kopf!“ Ideal seien die Umstände zumindest hinsichtlich der Hygiene zwar nicht – es gibt 15 Toiletten, aber nur drei Duschen. Die Johanniter haben mobile Wasch- und WC-Kabinen aufgestellt. Ab dieser Woche wollen sich die Kulturschaffenden der „Wiese“ in jedem Fall auch mit Hilfs- oder auch Kulturangeboten an der Integration der Einwanderer beteiligen. Ein Treffen in der Zinnschmelze gab es dazu schon.
Auch bei der Flüchtlingsinitiative „Welcome to Barmbek“ laufen die Drähte heiß: In der eigens eingerichtetenFacebookgruppe zum Wiesendamm werden Hilfsangebote und Spendenabgaben in Absprache mit den Johannitern koordiniert.

„Hauptsache, die Leute haben erstmal ein festes Dach überm Kopf!“ Andreas Lübbers

Am Samstag wurden zum Beispiel Leute für den Bettenaufbau gesucht – und etliche kamen, um zu helfen. Auch ein Spielzimmer ist jetzt in der Flüchtlingsunterkunft eingerichtet, mithilfe vieler Spielzeug-Spenden, die spontan am Wiesendamm abgegeben wurden. Kleidungsspenden oder Schlafsäcke und Decken, so heißt es bei den Johannitern, sollen aber in die Messehallen gebracht werden. Dort werden die Hilfsgüter sortiert, gereinigt und zentral verteilt.

Container an Hufnerstraße


Der Stadtteil bekommt noch mehr Zuwachs: Der Standort Hufnerstraße (ehemalige Firmenzentrale Blockhouse) wird erweitert, auf der angrenzenden Freifläche werden Wohncontainer aufgestellt. Geprüft wird noch, wie viele Flüchtlinge hier unterkommen können. Nach erster Sicht sind 100 bis 200 Plätze möglich. Die bislang 157 Plätze können bereits im Oktober in Betrieb genommen werden und nicht, wie ursprünglich geplant, erst im Dezember, teilt die Sozialbehörde außerdem mit. Auch hier ist „Welcome to Barmbek“ aktiv mit der „AG Hufnerstraße“.
Das Belegungsmanagement des städtischen Betreibers „Fördern & Wohnen“ achte darauf, vorrangig Kinder, Schwangere und Kranke aus Zelten in feste Unterkünfte zu verlegen, wie Innenbehördensprecher Frank Reschreiter betont.
Wie Bezirksamtschef Harald Rösler auf Wochenblatt-Anfrage bestätigte, sind zudem noch zwei Standorte in Barmbek im Gespräch, die für Wohnbebauung für Flüchtlinge in Frage kommen. Nähere Angaben dazu könne er allerdings erst in den nächsten Tagen machen.
Hintergrund der kurzfristigen Aktionen: Die Stadt will schnellstmöglich die Flüchtlinge aus den Zelten holen. Etliche Menschen, darunter viele Kinder, sind angesichts der Enge und Feuchtigkeit in den provisorischen Unterkünften erkrankt. Aggressionen steigen, Helfer und Mitarbeiter sind teilweise überfordert. Zudem kommen Tag für Tag neue Flüchtlinge in die Stadt. 5.600 registrierte Neuankömmlinge waren es in der ersten Oktoberhälfte. Die Innen- wie auch Sozialbehörde müssen so schnell wie möglich reagieren und feste Unterkünfte suchen. Teilweise werden schon bestehende Asyle erweitert.

Info:
Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer von „Welcome to Barmbek“ und Die Johanniter haben nun auch ein sogenanntes Initialtreffen, auf dem über Aufgabenverteilung und Mitwirkungsmöglichkeiten gesprochen werden soll, organisiert: Am Mittwoch, 21. Oktober, 20 Uhr in der Christus-Gemeinde Barmbek-Nord (Fuhlsbüttler Str. 113). Um Anmeldung über die Facebookseite Welcome to Barmbek Wiesendamm wird gebeten.
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