„PFIFF“ sucht Pateneltern

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Ortrud Beckmann ( links) ist verantwortlich für das Patenschafts-Programm bei PFIFF. Dagmar Oelgeschläger ist seit zehn Jahren Patenmutter. Foto: Lublow

Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern vermeiden das Kinderheim

Bezirk. Dagmar Oelgeschläger ist Mutter. Ihre Tochter Luisa ist elf Jahre alt und Einzelkind – eigentlich. Denn Luisa hat einen Patenbruder, der regelmäßig die Familie besucht. Dagmar Oelgeschläger und ihr Mann gehören zu derzeit 26 Pateneltern, die vom Verein Pflege- und Patenkinder Fachdienst für Familien („PFIFF“) vermittelt werden.
Der Fachdienst unterstützt mit dem seit 2000 bestehenden Projekt psychisch kranke Eltern und ihre Kinder. „Pateneltern kümmern sich zu vereinbarten Zeiten um die Kinder, mit dem ziel die Eltern zu entlasten“, erklärt Ortrud Beckmann. Die Sozialpädagogin ist verantwortlich für das Patenschafts-Programm: „Wir sind das einzige Projekt in Hamburg mit dieser Zielgruppe.“ Dementsprechend lang sei auch die Warteliste. „Leider ist nur eine bestimmte Anzahl von Patenschaften finanziell gedeckelt“, erklärt sie.
Neben der Entlastung der psychisch kranken Eltern stehe vor allem auch die Pflege der betroffenen Kinder im Vordergrund. „Für diese Kinder ist es besonders wichtig, eine zusätzliche Bindungsperson zu haben“, so Beckmann. Für sie sei es eine hohe Anforderung, mit den kranken Eltern oder einem kranken Elternteil zusammen zu leben. Diese leiden zum Beispiel unter Depressionen, manische Depression, Zwangs- oder Persönlichkeitsstörungen, wie Borderline. „Die Eltern können in einem Moment freundlich und im nächsten abweisend oder gar bedrohlich sein. Wenn diese Krankheiten ungebremst auf ein Kind einstürmen, kann es schwere Bindungsstörungen entwickeln.“ Und dort setzt das Patenschafts-Programm an. Bei den Pateneltern können die Kinder unbeschwert spielen und sind Teil eines normalen Familienlebens. In dieser kinderfreien Zeit (10 bis 30 Stunden in der Woche, je nach Vereinbarung mit den Eltern) haben die betroffenen Eltern die Chance, sich um therapeutische Maßnahmen zu kümmern. „Die Eltern haben vor allem Angst davor, dass ihnen ihr Kind weggenommen wird“, sagt Beckmann. Die Patenschaften sollen diesen drastischen Schritt vermeiden. Dagmar Oelgeschläger entschied sich 2002 für eine Patenschaft. „Luisa war noch klein, ich habe nicht gearbeitet und hatte Zeit. Ich finde es schön, Menschen zu unterstützen“, sagt sie. Nach einem Vorbereitungsseminar bei PFIFF, Gesprächen und einem Hausbesuch konnte es starten. Mittlerweile hat die 53-Jährige ihr zweites Patenkind. Seit zwei Jahren besucht der siebenjährige Junge die Familie ein Mal in der Woche und ein Wochenende im Monat. Seine alleinerziehende Mutter leidet unter Depressionen – eine Krankheit, die sie schon oft aus der bahn geworfen habe. „Die Patenschaft hat ihr schon viel geholfen“, sagt Oelgeschläger. Eine Patenschaft ist auf zwei Jahre mit Option auf Verlängerung angelegt. Die Pateneltern bekommen eine Aufwandsentschädigung und müssen regelmäßig an Seminaren und Gruppentreffen teilnehmen. Informationen gibt es unter: www.pfiff-hamburg.de (sl)
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