Pilot-Projekt für gute Nachbarschaft

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Der Neubau des Rungehauses fügt sich optisch in die Architektur der 1930-er Jahre ein. Die 74 Wohnungen stehen Senioren und Menschen mit Assistenzbedarf zur Verfügung. Das Wohncafé in der Rotunde ist das Herzstück Foto: Busse

SAGA fördert das Miteinander im Rungehaus und baut den Bewohnern einen Treffpunkt

Barmbek „Gute Nachbarn sind ein echter Schatz“, betonte Friedrich Becker, Leiter der SAGA GWG in Barmbek, zur feierlichen Eröffnung des Rungehauses am vergangenen Freitag. Das neue an dem Wohnkonzept: LeNa, Lebendige Nachbarschaft, heißt der Mix aus professioneller Unterstützung und organisierter Nachbarschaftshilfe. Dadurch sollen auch Menschen bei wachsender Hilfsbedürftigkeit in ihrer vertrauten Umgebung und soweit wie möglich selbstbestimmt wohnen bleiben können.
In den 74 barrierefreien Zwei-Zimmer-Wohnungen im öffentlich geförderten Neubau leben Menschen, die aufgrund von Krankheit oder einer Behinderung Hilfe brauchen. Die Evangelische Stiftung Alsterdorf bietet von einem Servicebüro aus Hilfeleistungen an und gewährleistet gemeinsam mit der Hamburger Gesundheitshilfe Unterstützung rund um die Uhr.

Hilfe bei Eingewöhnung


Elfi Baudis ist nach 41 Jahren aus ihrer Wohnung in Altona in das Rungehaus umgezogen. Die alte Bleibe, in der sie früher mit ihrer Familie und inzwischen alleine lebte, war nicht nur recht groß, sondern lag auch im fünften Stock und hatte keinen Aufzug.
„Hier habe ich jetzt eine phantastische Wohnung“, sagt sie. Mit dem Einzug vor einem Monat geht eine für sie belastende Zeit zu Ende: „Der Ortswechsel war ein großer Einschnitt mit vielen Unsicherheiten“, erläutert sie. Sich in die neue Umgebung einzuleben, fällt ihr auch durch das Konzept des lebendigen Miteinanders im Rungehaus leichter.
Als eine der ersten Mieterinnen hat sie sich bei „Nachbarn kochen mit und für Nachbarn“ eingebracht. Unter der Regie von Ilse Westermann, einem der beiden Koordinatoren der Evangelischen Stiftung Alsterdorf für das Rungehaus, wird von montags bis freitags ab 10 Uhr im Mietertreff ein gemeinsames Mittagessen zubereitet – freiwillige Helfer sind immer willkommen. Auch Käthe Walker ist neu in Barmbek und hat über das gemeinschaftliche Pfannkuchenbacken schon die ersten Kontakte geknüpft. „Ich stand auf der Warteliste für das Rungehaus“, berichtet die ehemalige Winterhuderin.
„Meine Wohnung in der Dorotheenstraße sollte saniert werden. Die zukünftige Miete von über 900 Euro kann ich mir auch nach über 40 Berufsjahren nicht leisten.“

Viele Kontaktmöglichkeiten


Wichtig ist den Beteiligten am Projekt die lebendige Durchmischung der Nachbarschaft und die Schaffung von vielfältigen Kontaktmöglichkeiten. Das Rungehaus mit seinem Quartierstreff richtet sich deshalb an alle Bewohner der Umgebung, an Alte und Junge, Singles und Familien, Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf. „Wie findet man heraus, ob Nachbarn nett sind? Man muss Begegnungen ermöglichen“, sagte Staatsrat Michael Sachs von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Dabei habe man aus der Vergangenheit gelernt, eine Ghettobildung zu vermeiden. „Birgit Schulz vom Vorstand der Evangelischen Stiftung Alsterdorf: „Heute übergeben wir den Stab an die Mieter, die den Geist der lebendigen Nachbarschaft aus der Flasche befreien und ihm Leben einhauchen.“ (cb)
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