Platz für 332 Flüchtlinge

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Auf Areal A werden Container für 32 junge Flüchtlinge aufgestellt.Auf dem gegenüberliegendem Gelände (B) werden voraussichtlich 300 Flüchtlinge untergebracht Foto: Geoportal/wb
 
Dehnhaide 161: Der Platz ist bereits planiert Foto: Haas

An der Dehnhaide werden Container aufgestellt. Einzug Mitte September

Barmbek/Dulsberg Viele Anwohner kamen, Vertreter von Behörden, Vereinen und Verbänden, die Frohbotschaftskirche war voll besetzt, als Bezirksamstleiter Harald Rösler die Gäste begrüßte, um sie über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen zu unterrichten. Angesichts dramatisch zunehmender Flüchtlingszahlen müssen Menschen auch in Dulsberg unterkommen. In einer Sofortmaßnahme entsteht auf der Freifläche Dehnhaide 161 eine Unterkunft, in die Mitte September 32 jugendliche Flüchtlinge einziehen können (Wochenblatt berichtete). Doch außerdem sind auf dem gegenüberliegenden Platz später 300 Plätze in Unterkünften – vermutlich auch Container – für Flüchtlingsfamilien geplant. „Wir müssen Menschen vor Obdachlosigkeit bewahren und alles in unserer Macht stehende für menschenwürdige Unterkünfte tun“, sagte Rösler, sichtlich froh über viele Signale der Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft der Anwohner. Eile sei geboten. „Deshalb können wir hier nicht bundespolitische Fragen rund um ein Einwanderungsgesetz diskutieren“, erklärte Yvonne Nische. Die Sozial- und Jugenddezernentin des Bezirks war mit der Moderation des Abends betraut. Hier gehe es um die Hamburger Verpflichtung, Menschen aufzunehmen, zahlenmäßig festgelegt nach dem „Straßburger Schlüssel“. Zuständig für „minderjährige unbegleitete Flüchtlinge“ sei der Landesbetrieb Erziehung und Bildung (LEB).
„Sie sind bis zu 18 Jahre alt, sie kommen ohne Eltern oder die sind derzeit vermisst“, stellte LEB-Geschäftsführer Klaus-Dieter Müller seine Schützlinge vor. Rund ein Drittel flohen aus Afghanistan, ebensoviele aus dem nördlichen Afrika, zumeist aus der Krisenregion Eritrea. Eine ansteigende Zahl komme aus Syrien, Palästina, Iran und Irak. Mit rund 1.800 minderjährigen Flüchtlingen rechnet Müller in diesem Jahr.
In der Erstaufnahme beim Kinder- und Jugendnotdienst Feuerbergstraße sind sie mit einheimischen Jugendlichen rechtlich gleichgestellt, stehen unter gesetzlicher Vormundschaft. Oft krank oder verletzt brauchen sie zunächst ärztliche Versorgung. Anschließend kommen die Jugendlichen für rund acht Monate in eine der 14 Hamburger Einrichtungen der Erstversorgung unter, wo sie weiter betreut und begleitet werden, um Perspektiven zu entwickeln. Mit wöchentlich 52 Euro Taschengeld besuchen sie Deutschkurse und möglichst bald die Schule. Krieg, Not und Elend gerade entkommen, sei oft auch eine Traumatherapie notwendig. In der Regel würden die Hilfen sowie Schul- und Berufsausbildung gut angenommen, die sie als 21-Jährige abschließen, berichtete Müller an Beispielen gelungener Integration.
Über die derzeit stark geforderte zentrale Erstaufnahme von Flüchtlingen informierte anschließend Karin Jäger von der Innenbehörde. Sie erfolge inzwischen auch an 14 Außenstellen. „Wir sind nicht glücklich mit der Aufnahme in den Messehallen.“ Privatsphäre sei dort kaum gewährleistet. Mit Blick aufs Wetter sei die Unterbringung in Zelten auch keine optimale Lösung. „Denn hinter allen Zahlen stecken Menschen in Not“, so Jäger weiter. Weil es auch Folgeunterkünften mangelt, werde aktuell zusätzlich der Standort Krausestraße, Ecke Dehnhaide für 300 Plätze geplant. Ein genauer Termin sei allerdings noch nicht klar.

Hilfsbereitschaft braucht „Lotsen“


Sachliche Fragen aus dem Publikum wurden anschließend ruhig erörtert: Etwa die Sorge, ob genügend Betreuungskräfte zur Verfügung stünden? Oder genügend Dolmetscher für eine sachkundige Traumatherapie? Ob traumatisierte Jugendliche – und später Familien – denn richtig beherbergt seien in einer Unterkunft am Bahngleis, wo laute Güterzüge vorbeidonnern?
Allen voran aber: „Wo können wir denn konkret mithelfen und anfassen?“ Unter großem Applaus antwortete Yvonne Nische: „Das sind Fragen, die wir lieben, denn wir brauchen Sie!“ Allerdings sei Geduld erforderlich, sinnvolle Mithilfe müsse erst entwickelt werden. Auch die Initiative „Welcome to Barmbek“ müsse sich neu sortieren, sagte eine Sprecherin, aktuell bearbeite sie schon „Anfragen von 800 Menschen“. Schulleiter Bernd Tissler stiftete Zuversicht. Eine Kultur des Willkommenseins sei an der Stadtteilschule Barmbek längst etabliert. Er verwies auf langjährige Erfahrungen in der Arbeit mit internationalen Schulklassen, maßgeblich unterstützt von ehrenamtlichen Kräften. Für Interessierte wird demnächst ein „runder Tisch“ eingerichtet. (wh)
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