Plötzlich Opfer sein

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An dieser Bank an der Außenalster wurde Katharina Z. (19) Opfer eines Raubüberfalls. Gregor Krüger vom Weißen Ring unterstützt die junge FrauFoto: Schlichtmann

Der „Weiße Ring“ hilft nach Verbrechen – auch Katharina Z.

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Die beiden jungen Frauen hatten gerade auf einer Parkbank an der Außenalster Platz genommen, als diese südländischen Typen auftauchten. „Hey, wie geht‘s euch denn“, versuchte einer der Männer die Frauen anzuflirten. Katharina Z. (19), eine resolute, sportliche Zahnarzt-Auszubildende aus Langenhorn, antwortete energisch: „Zieht weiter, wir wollen nichts von euch!“
Die beiden Männer zogen tatsächlich wortlos weiter,  kehrten aber nach vier, fünf Minuten zurück - weil sie etwas wollten. Sie forderten das Handy von Katharina! Als sie sich weigerte, schubste einer der Männer Katharina zu Boden, riss ihr das Smartphone brutal aus der linken Hand. Katharina wehrte sich, aber der Räuber war stärker. Freundin Vanessa konnte nicht helfen, sie wurde vom zweiten Täter festgehalten. Die Männer flüchteten. Schon Minuten später war die Polizei am Tatort unterhalb der Kennedy-Brücke, Freundin Vanessa hatte sie von ihrem Handy aus alarmiert. Die Täter konnten noch in derselben Nacht festgenommen, später wegen des Raubüberfalls und anderer Delikte vor Gericht gestellt werden. Dieses Verbrechen schien glimpflich verlaufen zu sein, doch Katharina und auch ihre Freundin litten noch wochenlang unter diesem Erlebnis, trauten sich anfangs in der Dunkelheit kaum noch auf die Straße. Schlimmer noch: Katharina war beim Überfall verletzt worden, der Mittelfinger der linken Hand ist auch nach drei Operationen verkrümmt, die ganze Hand kaum belastbar. So wurde sie ein Fall für Gregor Krüger, 69.

Opferschutzgesetz

Der früher selbstständige Ingenieur für Haustechnik arbeitet seit drei Jahren ehrenamtlich für die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“. Er ist einer von 80 Männern und Frauen, die sich in Hamburg um Opfer von Verbrechen kümmern. Die zunächst einfach nur da sind, damit die Betroffenen nicht allein mit ihrem Schicksal hadern.
Die aber auch mit Rat und Tat zur Stelle sind, Hilfestellung im Umgang mit Behörden anbieten, die Betroffenen bei Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht begleiten, die Rechtsanwälte und Psychologen für die posttraumatische Aufarbeitung vermitteln, die sich im Einzelfall um finanzielle Zuwendungen zur ersten Überbrückung der Tatfolgen kümmern. Und diese ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen setzen sich auch für mögliche Zahlungen durch das Versorgungsamt nach dem Opferschutzgesetz ein, das den Betroffenen grundsätzlich zusteht.
So hat Gregor Krüger auch für Katharina Z. vorsorglich einen entsprechenden Antrag gestellt, weil sie bei dem Überfall verletzt wurde. „Die möglichen Spätfolgen ihres verkrümmten Fingers sind doch noch gar nicht abzusehen“, erklärt Gregor Krüger, „vielleicht stehen der jungen Frau später einmal Entschädigungszahlungen zu“.
Rund 200 Kriminalitäts-Opfer werden jährlich durch die Außenstelle 8 (Hamburg-Nord) von 14 Mitarbeitern des „Weißen Ringes“ betreut - Tendenz gleichbleibend hoch. Und darum suchen die ehrenamtlichen Männer und Frauen weitere Mitstreiter, um zu helfen, wenn die seelische, körperliche oder finanzielle Not bei den Opfern groß ist.
Zum Beispiel der 80-jährigen Waltraud W. aus Steilshoop, die sich nach einem Einbruch in ihre Wohnung nicht mehr sicher fühlte. Gregor Krüger: „Wir haben ihr einen Therapeuten vermittelt und mit dafür gesorgt, dass der verängstigten Frau ein zusätzlicher Panzerriegel an die Wohnungstür montiert wurde.“ Oder dem Kunstmaler Uwe M. (62), der in der Veddel Opfer eines Überfalles auf offener Straße wurde. „Die Täter hatten ihm eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen, Geld und sämtliche Papiere geraubt“, erklärt Gregor Krüger. „Da der Mann nun mittellos war und auch keine Familienangehörigen besaß, haben wir ihn erst einmal mit Lebensmitteln und einer neuen HVV-Monatskarte versorgt - schnell und unbürokratisch!“

Wer sich im „Weißen Ring“ engagieren möchte, wendet sich an: „Weißer Ring“, Landesverband Hamburg, Winterhuder Weg 31, Tel.: (040) 25117680
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