Protest gegen Villen-Abriss in Hamburg

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Wird die Villa Herbert-Weichmann-Straße 80 abgerissen? Nachbarn versuchen sie jetzt auf juristischem Wege zu retten Foto: Hanke

Anwohner erheben schwere Vorwürfe gegen Bezirksamt

Hamburg. In der Herbert-Weichmann-Staße soll eine historische Villa einem Neubau weichen - obwohl ein Denkmal-Gutachter und das Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung des Bezirksamtes Hamburg-Nord das Haus als erhaltenswert eingestuft hatten. Der letzte Mieter ist gerade ausgezogen. Jetzt droht der Abriss. Dagegen haben Nachbarn jetzt Klage eingereicht und zugleich schwere Vorwürfe gegen das Bezirksamt erhoben.
Denn das Bezirksamt hatte trotz der Schutzwürdigkeit nicht nur eine Baugenehmigung erteilt, sondern auch vier planungsrechtliche Befreiungen. Nach Unterlagen, die dem Wochenblatt vorliegen, waren alle vier Befreiungen, die der Investor beantragt hatte, von den Stadtplanern abgelehnt worden: das Überschreiten der Zahl der zulässigen drei Vollgeschosse, das Überschreiten der vorderen Baugrenze um 2,30 Metern mit Balkonen sowie der hinteren Baugrenze um zwei Meter mit Balkonen, sowie eine Festsetzung bezüglich der Staffelgeschosse.

Bestandsschutz

Trotz dieser eindeutigen Stellungnahme des bezirklichen Fachamts für Stadt- und Landschaftsplanung erteilte das Bezirksamt Ende 2012 eine Baugenehmigung für das Grundstück der Villa. Pikant: die Villa steht seit dem 1. Mai 2013 unter Denkmalschutz, aber die Baugenehmigung aus dem Jahr davor genießt „Bestandsschutz“, sprich sie gilt trotzdem.
Das Bezirksamt Hamburg-Nord betonte auf Nachfrage, dass die Entscheidung für einen Neubau einvernehmlich, also „gemeinsam mit der Stadtplanung“ getroffen wurde. Weiter heißt es: „Es gibt keinen Zweifel an der einwandfreien fachlichen und rechtssicheren Ausübung der verantwortlichen Tätigkeit der handelnden Verwaltungsangehörigen im Fachamt Bauprüfung.“ Außerdem sei die baurechtliche Seite von der kulturpolitischen zu trennen.
Allerdings waren weder die Kommunalpolitiker von dem Bauvorhaben informiert worden, noch wussten die Anwohner bis vor zwei Monaten etwas von einem eventuellen Abriss der Villa. Nur zufällig erfuhren sie im Juni davon. „Dann wurde uns die Akteneinsicht verweigert. Teile der Akten waren verschwunden und tauchten erst nach dem Einschalten eines Anwalts wieder auf“, berichtet Nachbarin Claudia Stapel-Schulz. Sollte der Neubau auf dem Nachbargrundstück gebaut werden, würde ihr Arbeitszimmer verschattet, weil dann eine Hauswand dicht vor dem Fenster hochgezogen würde, sagt Stapel-Schulz.

Druck der Nachbarn

Erst auf Druck der Nachbarn befasste sich jetzt, fast zwei Jahre nach der Erteilung der Baugenehmigung, der Unterausschuss Bau Barmbek/Uhlenhorst mit dem Thema. Die regierende SPD kann mit der Entscheidung des Bezirksamtes leben. Hingegen sind die Grünen verärgert, dass die Baugenehmigung erteilt worden war, ohne die Kommunalpolitik zu informieren. Die Nachbarn haben nicht nur gegen die Baugenehmigung geklagt. Sie wollen gerichtlich erzwingen, dass die Häuser Herbert-Weichmann-Straße 80 und 78 gemeinsam als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt werden, um einen Abriss zu verhindern. Wann darüber entschieden wird, ist ungewiss. (ch/wb)
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