Radunfall in Barmbek wegen Schlamperei ?

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Thorsten Boehm an der Unfallstelle. Die Stange, sagt er, sei nachträglich gesichert worden Foto: Timm
 
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Radweg auf der Hellbrookstraße abgeschafft – Änderung zu spät abgesichert

Von Frank Berno Timm
Barmbek
Thorsten Boehm ist auf den Bezirk Nord nicht besonders gut zu sprechen. Auf einer eigentlich alltäglichen Radfahrt hatte er einen schweren Unfall – weil eine neue Verkehrsführung nicht vernünftig abgesichert wurde. Eine Stunde, nachdem er im Krankenhaus war, wurde das nachgeholt. Dass es Thorsten Boehm nicht gut geht, sieht man auf den ersten Blick. Den rechten Arm hat er in einer Schlinge, das Käppi tief ins Gesicht gezogen, eine Wunde am Bein schützt ein Pflaster. Die Hellbrookstraße ist Boehm, einem begeisterten Radfahrer, vertraut. Doch als er Anfang September von der Post weiter in Richtung Steilshooper Straße fährt, ist etwas anders. Er sei gar nicht besonders schnell unterwegs gewesen, erinnert er sich, aber eine frisch installierte, grau gestrichene Stange, die den Bürgersteig von der Straße abgrenzt, wird ihm zum Verhängnis. Boehm knallt dagegen und stürzt kopfüber auf die Straße dahinter. Mühsam schleppt er sich in den nahen Bäcker, die Verkäuferin kann sich noch an den Vorfall erinnern und stellt erstmal Boehms Fahrrad sicher. „Ich wollte in meine Hausarztpraxis, aber die war schon zu“, erinnert sich Boehm. Schließlich ruft jemand einen Rettungswagen, der Unfallfahrer kommt ins Krankenhaus Eilbek, dort wird eine dreifache Ruptur des Arms diagnostiziert, fünf Tage stationärer Aufenthalt. Offensichtlich spricht sich der Unfall schnell herum. Boehm, der sich als Selbstständiger nicht ohne weiteres krankschreiben lassen kann, berichtet, eine Stunde später habe jemand die neue Stange mit rotweißer Folie umwickelt und eine Warnbake aufgestellt. Auch Boehms Nachbar Michael Gaude ist entsetzt: „Hier war immer ein Radweg“, sagt er, selbst ein Briefbote habe die Stelle beinah übersehen und auch weitere Radfahrer seien fast gegen die Stange gefahren. Boehm und Gaude beteuern, es habe keinerlei Informationen über die geänderte Verkehrsführung an die Nachbarschaft gegeben, auch Warnschilder sind nicht zu sehen. Boehm will jetzt einen Anwalt einschalten; außerdem ist er auf der Suche nach Zeugen und Gleichgesinnten – also Radfahrern, die wegen des weggefallenen Radwegs selbst einen Unfall hatten. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) beklagt einen „Mangel an echtem Mitdenken“ der Planer und Straßenverkehrsbehörden, was Radler „in einem bestimmten Moment sehen können und was nicht.“ ADFC-Sprecher Dirk Lau sagt weiter, zur besseren Erreichbarkeit der Post habe man die Bushaltestelle dort neu eingerichtet und „endlich die maroden Nebenflächen saniert“. Dabei sei nur noch Platz für einen Gehweg gewesen, der schmale und an den Bäumen unterbrochene Radweg zurückgebaut worden. Die Lücke im Gitter sei deshalb geschlossen worden. „Leider kennzeichnet die Stadt solche Änderungen der Radverkehrsführung, die man aus lauter Gewohnheit und bei Dunkelheit oder Nieselregen schlecht wahrnimmt, kaum oder nur sehr nachlässig.“Annekatrin Werner vom Bezirk Nord bestätigt, dass die jetzige Warnbake am 1. September gegen 13.45 Uhr aufgestellt worden sei. Auslöser sei der Anruf einer Nachbarin gewesen, die von mehreren ungewöhnlichen Situationen gesprochen habe. Auch der Bezirk Nord beschreibt die Veränderung als Folge der an die Post gelegten Bushaltestelle. Die Bauarbeiten, so Werner, seien den Nachbarn durch einen Infozettel angekündigt worden. Und: „Grundsätzlich haften wir bei schuldhaften Amtspflichtverletzungen. Dies ist in diesem Fall im Moment allerdings nicht
erkennbar.“

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1 Kommentar
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Klaus Sebaldt aus Barmbek | 21.09.2016 | 19:38  
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