Rapper, ahoi!

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Gruppenbild mit goldener Meerjungfrau: Vor dem Ablegen versammelten sich alle auf dem Vorschiff Foto: Betz
 
Mostafa und Kapitän Iven zeigen, wie man eine Rettungsweste richtig anlegt Foto: Betz

Barmbeker Schüler segeln als Bertini-Preis-Gewinner auf der Elbe

Von Malte Betz
Barmbek
Zu einer ungewöhnlichen Unterrichtseinheit machten sich jetzt Schüler und Schülerinnen der 7a der Stadtteilschule Barmbek (Fraenkelstraße) auf. Statt Mathe und Chemie standen am Donnerstag Seemannschaft und Knotenkunde auf dem Lehrplan. Hintergrund: Als großes Dankeschön für ihr prämiertes Musikprojekt mit dem gerappten Song „Wir sind wir“ waren die Mädchen und Jungen auf eine Segeltour mit dem wunderschönen niederländischen Dreimaster „Mare Frisium“ auf der Elbe eingeladen worden.
Obwohl der nationale Ursprung bei fast jedem der rund zwei Dutzend 13- und 14-Jährigen ein anderer ist, erwiesen sie sich als wahre Hamburger Seemänner (und -frauen). Auf den sich wiegenden Schiffsplanken fühlte sich zumindest keiner unwohl – im Gegenteil. „Aber kalt ist es hier auf dem Wasser“, stellten einige der jungen Damen schnell fest und wickelten sich in die bordeigenen Decken ein.
Dann hieß es „Alle Leinen los“ und das 99 Jahre alte Traditionssegelschiff, das der Veranstalter Nord Event seit 2005 in ständiger Charter betreibt, schob sich langsam vom Anleger „Sandtorhöft“ ins Fahrwasser, in Richtung Mündung. Die erste und wichtigste Decksübung wurde am lebenden Objekt veranschaulicht. Kapitän Sven Iven schnappte sich Mostafa und stülpte dem grinsenden Jungen eine Feststoffrettungsweste über. Er zeigte den jungen Gästen wie das rote Schaumstoffungetüm anzulegen ist. Dann folgte sein Tipp gegen Kopfschmerzen. „Kein Rennen auf und unter Deck“, warnte der Kapitän. Selbst der härteste Schülerschädel verliere immer gegen ein Stahlschiff.


Knotenkunde an Deck


Während sich die St.-Pauli-Landungsbrücken und der am Ufer liegende Dampfeisbrecher Stettin an der Steuerbord-Reling entlangschoben, stand Knotenkunde auf dem Programm: Achtknoten, Kreuzknoten, Palstek („Was für’n Steak?“) – die Barmbeker Landratten hatten den Dreh mit dem Tampen erstaunlich schnell raus. Die Jugendlichen schätzten auch die Gesamtlänge aller beweglichen Schiffsleinen auf der „Mare Frisium“ fast richtig: rund 10.000 Meter.
Hinter der Luftwerft von Airbus in Finkenwerder ging es ans Segelsetzen. In zwei Teams traten die Kinder mitsamt Lehrern gegeneinander an: Wer kann die Fock am schnellsten setzen? Die Fock ist das Segel, das direkt vor dem vordersten Mast steht. Schon nach dem ersten Ziehen am Fall merkten die Leichtmatrosen auf Zeit, dass Segeln eine Fortbewegungsart ist, die nur in Mannschaftsarbeit funktioniert. Angefeuert wurden die Nachwuchs-Matrosen dabei unter anderem von TV-Moderatorin Annika de Buhr, die sich seit Jahren für die gastgebende Stiftung „Kinderjahre“ engagiert. Knapp eine Minute benötigte das Sieger-Team, um das große Segeltuch („Fett schwer!“) zu setzen. Dass sich in dem Augenblick das entgegenkommende Containerschiff „Barmbek“ an den Barmbeker Schülern vorbeischob, bemerkten nur die wenigsten.
Nicht alle waren mit soviel Begeisterung bei der Segelarbeit unter einem wolkenverhangenen aber trockenem Himmel – dafür war einfach zu verlockend, was Thomas Sampl unter Deck vorbereitet hatte. Der Chefkoch des Speicherstadt-Restaurants „Vlet“ hatte ein Feinschmecker-Buffet für die jungen Kadetten aufgefahren, das jeden an diesem Tag an die Back lockte. Seeluft macht hungrig. Stimmt!

Stiftung Kinderjahre


Ermöglicht wurde der tolle Dreistunden-Trip auf dem Wasser von der „Stiftung Kinderjahre“, die seit Jahren (auch) an der Stadtteilschule Barmbek aktiv ist. Sie setzt sich besonders für die Chancengleichheit aller Kinder ein, sowohl im schulischen, beruflichen als auch im gesellschaftlichen Bereich. Davon handelt im Kern auch der Rap-Song „Wir sind wir“, den die Kinder einstudiert und damit vor kurzem den Bertini-Preis gewonnen hatten (das Wochenblatt berichtete). „Wir sind wir, wir halten zusammen … Hand in Hand, in dieser Stadt, an der Waterkant“ heißt es unter anderem in dem Song (zu dem es auch einen Clip im Internet gibt), den die jungen Künstler, auf dem Vorschiff stehend, übers Wasser schmetterten.
„Geschrieben hat den Text unsere Musiklehrerin aber mit unseren Ideen und Gedanken“, erklärt Henrike. Und ihre Mitschülerin Khadija ergänzt: „Wir haben ihr vorher Aufsätze geschrieben, in denen wir von unseren Erlebnissen, Gefühlen, Hoffnungen und Ängsten erzählen.“ Und die speisen sich bei manchen ihrer Mitschüler aus teils dramatischen und traumatischen Erlebnissen, ausgelöst durch Kriege, soziales Elend oder das eigene Familienmitglied. Das alles schien an diesem Tag jedoch bei den jugendlichen Mitseglern weit weg zu sein.
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