Reaktionen auf Fahrradtest in Barmbek

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Der Fahrer des nachfolgenden Autos meint es gut und weicht dem Radfahrer großräumig aus. Dabei kommt er allerdings selbst auf die Gegenfahrbahn Archivfoto: Topf

Neue Radwege auf der Straße: Viele Radler enttäuscht von Polizei, Kurzzeitparkern und neuen Regeln

Barmbek Kaum ein Thema bewegt die Wochenblatt-Leser so wie Hamburgs neues Fahrradkonzept. Nach dem Radwegetest in Barmbek schrieben viele Leser, ob Radfahrer oder nicht, ihre Erfahrungen auf. Sie berichten von alltäglichen Problemen, Fehlplanungen und einem unsicheren Gefühl auf der Straße. Auch Autofahrer und Fußgänger berichten in Briefen, Mails, auf unserer Online-Plattform, auf Facebook von Problemen. Hier einige Meinungen.

Ernst Habke:
„Ich bin seit 58 Jahren Lkw-Fahrer, habe Klasse d+2 und kenne die Probleme beim Be- und Entladen. Manchmal ist aber genügend Platz zum Einparken. Viele Lkw und Pkw stellen sich aber auf den Radweg und sagt man was, wird man noch blöde angemacht. Ich fahre seit 70 Jahren Fahrrad, fahre drei- bis viermal die Woche die Fuhle von Hebebrandstraße bis Barmbek-Bahnhof rauf und runter. Dabei habe ich noch nicht einmal erlebt, dass der Radweg frei war. Ich habe auch schon bei der Polizei angerufen. Die Antwort war, dass sie nicht überall sein können. Ich wohne seit 40 Jahren in Barmbek. So gefährlich wie heute war Radfahren noch nicht. Der Radweg ist die größte Scheiße!“

Thora-Beate Sappe:
„Liebes Wochenblatt, radeln auf der Fuhle ist kein Vergnügen mehr, seit der Radweg auf die Straße verlegt wurde, und ist außerdem gefährlich! Der Radweg ist permanent zugeparkt, so dass ich ständig Slalom fahren muss. Bereits zweimal konnte ich im letzten Moment vom Rad springen, da ich wohl für einen rückwärts ausparkenden Autofahrer im toten Winkel war! Ich meide jetzt als Radfahrer meine Fuhle und nehme lieber Umwege in Kauf, um an mein Ziel zu kommen; wer sich diese „Verbesserung“ ausgedacht hat, kann kein Radfahrer sein!“

Irmhild Mierdel:
„Eigentlich wollte ich diese Nachricht schon längst an den ADFC geschickt haben, der für die Radwege auf der Straße mitverantwortlich ist oder diese sogar forciert hat. Ich bin eine ältere Radfahrerin und finde die Wege auf der Straße ziemlich schlimm. Es ist kein Vergnügen, wenn Lastwagen und Busse (hinter denen ich dann auch noch meistens absteigen muß, um nicht auf eine stark befahrene Straße fahren zu müssen) an mir vorbeidonnern oder die Radwege zugeparkt sind, was immer wieder vorkommt. Auf der anderen Seite gibt es „kilometerbreite“ Fußwege, auf denen nie ein Fußgänger zu sehen ist. Andererseits gibt es Radwege, die neu gepflastert und verbreitert wurden, so dass ich mich frage, wieso man das nicht generell machen konnte. Hätte man die alten Radwege gepflegt, wäre dieser ganze teure Aufwand nicht nötig gewesen. Der Ehrlichkeit halber muss ich sagen, wenn wenig Verkehr ist, kommt man schneller voran, aber generell halte ich diese Lösung für gefährlich.“

Kay P.:
„Liebe Radreporter-Redaktion, endlich findet sich ein Beitrag zu der akuten Gefahr auf den umgebauten Straßen. Ich kann, obwohl ich durch Beruf eher zu den Autofahrern gehöre, durch einen bewusst im Sommer gemachten Test vom Friedhof Ohlsdorf bis zum Barmbeker Bahnhof das nachvollziehen, was Sie selbst erlebt haben. Ich hätte es aber anders beschrieben. Nach meinem Eindruck ist grundsätzlich eine seit Jugend verinnerlichte Teilnahmeregel am Verkehr hier gänzlich außer Acht gelassen worden, nämlich dass man, wie auf der Bundesstraße, als schwächerer Verkehrsteilnehmer auf der Gegenrichtung unterwegs ist, um den schnelleren Verkehr im Blick zu haben. Das ist hier besonders zu bemerken, wenn man im Bereich von Bushaltestellen in den fließenden Verkehr muss, um Busse zu überholen, wenn diese Fahrgäste aufnehmen. Machen Sie das mal in Richtung Norden im Kreuzungsbereich unter der Ringbrücke, wo es zudem noch bergauf geht. Da sind sie verraten und verkauft. (...) Auch als Autofahrer stellt sich an Kreuzungen eine Herausforderung. Nach meiner Meinung ist es schildbürgerhaft, wenn man vor der Kreuzung den Verkehr wieder in mehrere Fahrspuren leitet, die 50 Meter hinter der Kreuzung wieder zusammenlaufen. Seit dem gibt es einen immer währenden Stau von Süden, weil alle wieder einfädeln müssen. Da darf man sich nicht wundern, wenn dann alle über die Stränge schlagen und die Radwege als Fahrbahn mitbenutzen.“

Christina Löwe:
„Vielen Dank für ihren Bericht. Ich wohne in Barmbek und benutze die Fuhle und die Steilshooper Straße unter der Woche nahezu täglich. In der Fuhle steht insbesondere auf dem Stück zwischen Bahnhof und Hellbrookstraße immer wenigstens ein Auto, meist eher drei. Viele Autofahrer sehen in dem Radstreifen eine gute Möglichkeiten, ihr Auto mal eben kurz abzustellen. Sehr, sehr oft fährt mir dann auch einer direkt vor das Rad, um dort zu parken. Und nicht wenige sind oder tun verwundert, wenn man dann ärgerlich wird. In der Steilshooper Straße
ist die Sache mit dem Radweg gar nicht so eindeutig. Wenn man von Barmbek aus Richtung Steilshoop fährt, führt der kurz vor der Kreuzung Hellbrookstraße auf einen Radweg neben dem Fußweg, also von der Straße runter und nach der Ampel eben nicht wieder rauf, obwohl vor der Kreuzung Habichtstraße wieder ein Weg „rauf“ angelegt ist. Scheinbar waren sich die Gestalter da uneins. Das Gleiche ist weiter in Richtung Steilshoop zwischen Habichtstraße und Langenfort. Hinter der Kreuzung Habichtstraße geht es auf die Straße. Und, das ist eindeutig, nicht wieder auf den Fahrradweg, den es dort noch gibt. Aber weiter oben, vor der Kreuzung Langenfort, gibt es vom Radweg am Fußweg wieder einen Weg nach unten auf die Straße. Da fragt man sich schon, ob man auf der eh nicht so ganz sicher zu fahrenden Steilshooper Straße nun unten oder oben bleiben sollte. Zumal ja ein Radweg da ist, aber in einem schlechten Zustand.“

Marc Winter:
„Die ganze Fuhle ist nach dem Umbau eine Katastrophe. Egal, ob mit dem Auto oder mit dem Rad. Alle paar Meter steht wieder so ein Experte am Rand, weil er zu faul ist, ein paar Meter zu gehen.“

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4 Kommentare
12
Gerrit Moritz aus Barmbek | 10.03.2016 | 18:26  
6
Wolfgang-F. zu C. aus Poppenbüttel | 10.03.2016 | 19:40  
393
Michael Kahnt aus Barmbek | 11.03.2016 | 09:46  
53
Bernhard Lang aus Steilshoop | 12.03.2016 | 08:07  
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