Rentnerin mit „Vollzeitjob“

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Ruhestand – diesen Begriff gibt es in Inge Jefimovs Leben nicht. „Wer im Alter nichts tut, kann schnell in ein tiefes Loch fallen.“Foto: sl

Inge Jefimov engagiert sich ehrenamtlich beim Sozialverband

Barmbek. Gearbeitet hat Inge Jefimov schon immer gerne und viel. Sie war kaufmännische Angestellte bei der Lufthansa und zog zwei Töchter groß. Heute, im Alter von 72 Jahren, ist sie zweite Landesvorsitzende beim Sozialverband Deutschland (SoVD) und dort noch zusätzlich in etlichen Ausschüssen und Gremien tätig.
Es gab jedoch auch eine Zeit, in der Inge Jefimov fast den Mut verloren hätte: Vor knapp 30 Jahren stürzte sie zuhause unglücklich und fiel kurz darauf im Krankenhaus auch noch vom OP-Tisch. Diagnose: Querschnittlähmung. Ein Leben im Rollstuhl begann.
„Nach dem Unfall war ich ziemlich brummig und hatte keine Lust mich zu beschäftigen“, erzählt die 72-Jährige mit dem akkurat geschnittenen Pagenkopf. Eine Nachbarin überredete sie dann, einfach mal mit zum Ortsverein des Sozialverbands Deutschland (damals noch Reichsbund) zu kommen. „Dort wurde ich so toll aufgenommen und agierte ein Jahr später schon als Revisorin“, erinnert sich die Rentnerin. Das ist 25 Jahre her. Mittlerweile hat Inge Jefimov beim SoVD Hamburg eine Ehrenamts-Karriere hingelegt, die viele Wegbegleiter staunen lässt. Für ihr langjähriges Engagement wurde sie jetzt vom SoVD ausgezeichnet. Ein paar Jahre zuvor bekam sie sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen. „Das war eine sehr schönes Erlebnis“, sagt die Barmbekerin, die großen Wert auf ihr gepflegtes Aussehen legt. Ihre Arbeit im SoVD ist ein Vollzeitjob. Etwa 30 Stunden Arbeit pro Woche warten auf die Rentnerin, die bis vor einem Jahr erste Landesvorsitzende war – und zwar sieben Jahre lang. Im Gremium für Nahverkehr kümmert sie sich um die Belange von Senioren und behinderten Menschen. „Dort setzen wir uns zum Beispiel für mehr Barrierefreiheit in Bahnhöfen und mehr Akustikampeln ein.“ Im Ortsverein Langenhorn ist Inge Jefimov Frauensprecherin und verantwortlich für alle Themen, die speziell Frauen bewegen. „ich würde mich als Feministin bezeichnen“, sagt sie. Deshalb ist sie auch seit zehn Jahren im SoVD-Bundesfrauenausschuss tätig. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Das ist eines der Themen, denen wir uns dort widmen.“ Die Liste ihrer Aufgaben in weiteren Gremien ist noch länger: Bundesvorstand, Europäisches Behinderten-Forum, Verwaltungsausschuss, Landesbeirat, Arbeitskreis Pflege. „Ich reise aufgrund meiner Arbeit auch sehr viel, zum Beispiel nach Berlin“, erzählt sie.
„Viele Menschen meckern immer nur, tun aber nichts. Es ist schwer, sie davon zu überzeugen, sich zu engagieren. Ich fühle mich gut dabei. Meine Arbeit gibt mir Kraft und hält mich fit.“ Zeit für persönliche Hobbys bleibe ihr allerdings nicht. „Wenn ich etwas lese, sind es Gesetze“, sagt sie und lacht.
Vor einem Monat, nach einem sechswöchigen Krankenhausaufenthalt, musste Inge Jefimov ihr selbstständiges Leben in der eigenen Wohnung aufgeben und zog ins „Haus am Osterbekkanal, der Seniorenresidenz KerVita. Dort lebt seit April auch ihre 93-jährige Mutter Gerda Meier. (sl)
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