Retter seit 60 Jahren

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Dirk Walter mit Ehefrau Sandra bei der Ehrung in der St. Jacobi-Kirche Foto: Schlichtmann
 
Dirk Walter als Helfer1959 bei einer Veranstaltung

Dirk Walter (74) ist Deutschlands dienstältester Johanniter

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Er trägt mehr als ein halbes Dutzend Orden und Auszeichnungen an seinem grauen „Dienstjacket“ - das Bundesverdienstkreuz, das Goldene Leistungsabzeichen, Ehren- und Rechtsritter-Embleme. Doch eine Auszeichnung fehlt noch an seinem Revers - weil es sie noch gar nicht gibt. Unglaublich: Dirk Walter (74) ist seit 60 Jahren ehrenamtlich für die Johanniter-Unfallhilfe im Einsatz - und damit das dienstälteste Mitglied Deutschlands in diesem christlichen Wohlfahrtsverband. Aus diesem einmaligen Anlass wurde Dirk Walter jetzt im Rahmen eines Festgottesdienstes in der St. Jacobi-Kirche für sein jahrzehntelanges Engagement geehrt. Als kleines Dankeschön überreichten Vorstandskollegen ihm und seiner Frau Sandra einen Reisegutschein: „Zehn Tage Israel!“, freut sich der Senior-Johanniter auf die Reise.
Begonnen hatte alles 1953 mit einem Erste-Hilfe-Kursus bei den christlichen Pfadfindern. Der damals 15-jährige Dirk Walter war sofort begeistert von den Johannitern, vom Helfen, von den Aktivitäten in der Gemeinschaft. Seitdem engagiert sich der gelernte Betriebsschlosser und bis vor wenigen Jahren Mit-Inhaber einer Seifen-Fabrik in dieser
karitativen Organisation.
Er war Mitglied des Johanniter-Präsidiums, Bundesdatenschutzbeauftragter, Bundesrechnungsprüfer. Nach seinem Ausscheiden aus dem Familien-Unternehmen übernahm Walter das Amt des Ehrenamtsbeauftragten im Regionalverband Hamburg. „Da gilt es manchmal auch, kleine Streitereien und Querelen zu schlichten, Probleme in der gemeinsamen Arbeit auszuräumen“, erklärt Dirk Walter. Aufgrund seiner Erfahrung und der ausgeglichenen Art ist er der richtige Mann auch für solche Aufgaben. Seine Mutter war Krankenschwester - vielleicht auch das ein Grund für sein humanitäres Engagement. Als Helfer hat Dirk Walter seit den 1950-er Jahren hunderte von jungen Menschen in Erster Hilfe ausgebildet. Auch im Sanitäts- und Pflegedienst war er als junger Mann an den Wochenenden unermüdlich im Einsatz - auf einem damals so genannten Unfallwagen der Feuerwehr, im Hafen, in der Innenstadt und auf St. Pauli. „Damals gab es häufig Schlägereien in den Kneipen, regelrechte Straßenschlachten, da gab‘s gut zu tun“, erinnert sich der agile Johanniter. „Nur gut, dass es früher im Opel-Blitz doppelstöckige Liegebetten gab, so konnten gleich zwei Verletzte abtransportiert werden.“ Auch in den Werften gab es schwere Verletzungen beim Be- und Entladen der Schiffe oder beim Umgang mit den großen Maschinen. „Ein bisschen umständlich durch den alten Elbtunnel über die Autofahrstühle haben wir die Verletzten dann ins Hafenkrankenhaus transportiert.“
Improvisation gehörte damals zum Alltag. „Zu unseren Sanitätseinsätzen im Volkspark-Stadion sind wir damals mit der S- oder Straßenbahn gefahren - in voller Montur: Sandfarbene Uniform, lederne Sanitätstaschen und die Eisentrage mit Wolldecken im Gepäck. Auch die Autobahn am Horster Dreieck war seinerzeit an den Wochenenden ein Einsatz-Schwerpunkt: „Wenn wir von der Polizei über Funk den Code „Unfall mit Verletzten“ hörten, haben wir uns sofort auf den Weg gemacht!“
Heute ist aus den Johannitern eine moderne, effiziente Hilfsorganisation mit über 800 ehrenamtlichen Helfern im Großraum Hamburg geworden, und Dirk Walter hat einen großen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. „Das habe ich auch meiner Frau zu verdanken, ohne ihr Verständnis hätte ich mich nicht so stark für die Johanniter einsetzen können“, sagt Dirk Walter. Ans Aufhören denkt er übrigens nicht: „Vielleicht schaffe ich ja noch das 70. Ehrenamt-Jubiläum ...!“

Die Johanniter-Hilfsgemeinschaften wurden 1951 als Werk des Johanniterordens gegründet. Heute gibt es 81 Hilfsgemeinschaften, 69 in Deutschland, vier in Europa und acht in Übersee mit insgesamt über 5.000 Mitgliedern.
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