Scheitert Campus an „Langem Jammer“?

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Bei diesem Architektur-Modell des geplanten Medizin-Campus sind die Landarbeiterhäuser (vorn links) mit berücksichtigt Foto: wb
 
Will Gespräche für den Medizin-Campus: der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Sven Tode Foto: wb

Abgeordneter Sven Tode fordert einen runden Tisch

Von Michael Hertel
Barmbek Darüber gesprochen wird seit langem. Allein, es scheint nicht voranzugehen mit dem „Medizin-Campus“ auf dem Gelände der Asklepios Klinik. Eine kurze Reihenhauszeile ehemaliger Landarbeiterbehausungen, der „Lange Jammer“ an der Hebebrandstraße 8, die wie berichtet in diesem Jahr unter Denkmalschutz gestellt wurde, stört offenbar das Millionenprojekt. Jetzt appelliert der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Sven Tode (50), der maßgeblich an der Unterschutzstellung mitgewirkt hat, an die Beteiligten, sich zusammenzusetzen: „An den Landarbeiterhäusern muss der Medizin-Campus nicht scheitern.“
Die Vorgeschichte: Der Asklepios-Konzern möchte sein Bildungszentrum für Gesundheitsberufe mit aktuell 1400 Auszubildenden, derzeit an der Eiffestraße gelegen, in einen Neubau am Krankenhaus-Standort nach Barmbek-Nord verlegen, dazu noch ein Wohnheim für Azubis errichten. Die Idee dahinter: Auf dem neu entstehenden „Medizin-Campus“ lägen theoretische Ausbildung in der Berufsschule und praktische Ausbildung im Krankenhaus direkt nebeneinander. Hinzu käme eine preisgünstige Wohnmöglichkeit für Azubis direkt nebenan. Im Gespräch ist eine Investitionssumme von rund 50 Mio. Euro. Stadt und Bezirk befürworten das Projekt. Doch im Nordosten des ausgeguckten Areals steht eben die Zeile mit den zehn historischen Reihenhäuschen aus dem Jahre 1904 (Denkmalamt: „Gebäude von hoher stadt-, sozial- und baugeschichtlicher Bedeutung“), die der Stadt (Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen, LIG) gehört und von der SAGA verwaltet wird.
Allerdings sind inzwischen fünf von zehn Wohneinheiten unbewohnt, da die SAGA seit mehr als zehn Jahren die leer gezogenen, sanierungsbedürftigen Reihenhäuschen nicht mehr weiter vermietet. Die Siedlungsfläche wurde offensichtlich derart überplant, als sei der Abriss beschlossene Sache. Dann aber forderte der Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks Nord erfolgreich, die Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Die zuständige Finanzbehörde allerdings will davon offensichtlich nichts wissen. Sprecher Daniel Stricker gegenüber dem Wochenblatt: „Eine Sanierung ist wirtschaftlich unzumutbar und wird daher nicht verfolgt.“
Sven Tode (50), Historiker und SPD-Wahlkreisabgeordneter, sieht das anders: „Der Medizin-Campus ist ein tolles Projekt für Hamburg und für Barmbek. Aber auch die Landarbeiterhäuschen, die man so nirgendwo anders mehr findet, sind identitätsstiftend für Barmbek. Man sollte hier keinen künstlichen Konflikt herbeireden, zumal Asklepios bereits ein Modell gezeigt hat, bei dem die Häuschen berücksichtigt wurden.“ Tode ist überzeugt, dass man beides kann: die geschichtsträchtigen Häuser erhalten, und den Medizin-Campus verwirklichen: „Denkmalschutz ist keine Last, sondern kann durch Fördermittel sogar eine Unterstützung sein.“ Tode könnte sich auch vorstellen, die im alten Hauptgebäude des AK Barmbek untergebrachte Asklepios-Hauptverwaltung zu verlegen und dort den Medizin-Campus zu etablieren. „Um die Sache voranzubringen, sollten sich alle Beteiligten jetzt an einen Tisch setzen und vernünftig miteinander reden“, fordert Tode.
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6 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 17.11.2015 | 15:22  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 18.11.2015 | 07:38  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 18.11.2015 | 13:27  
6
Heinz Bultmann aus Ohlsdorf | 20.11.2015 | 13:28  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 11.12.2015 | 11:44  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 12.01.2016 | 06:16  
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