Schnelle Hilfe für Nepal

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Olav Homburg und Urmila Tamang im Büro des Freiwilligendienstes. Sie bitten um Hilfe für Urmilas Familie Foto: geh

Urmila Tamang leistet in Hamburg Freiwilligendienst und bangt um ihre Familie

Von Dagmar Gehm
Hamburg
Die junge Nepalesin hilft, wo sie nur kann. Trotzdem ist Urmila Tamang zur falschen Zeit am falschen Ort. In Hamburg statt in Nepal. Wo vor ein paar Wochen eines der schlimmsten Erdbeben ausbrach, das etwa 8.000 Menschen das Leben kostete und von dem ihre eigene Familie betroffen ist.
Seit zwei Jahren lebt die 24-jährige in Deutschland, seit einem Jahr betreut sie in einer Bergedorfer Wohngruppe innerhalb des Projekts „Leben mit Behinderung Hamburg“ Hilfsbedürftige. Gegen ein Taschengeld, Sozial- und Krankenversicherung. Über die Trägerorganisation des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) – den Internationalen Bund e.V., bittet sie nun selber um Hilfe. Nicht für sich selbst, sondern für ihre Angehörigen. Die in Kathmandu alles verloren haben – ihr Haus, ihre persönlichen Dinge. Nur ihr Leben nicht. Das fristen sie jetzt als Obdachlose auf der Straße. Aus Plastikplanen hat Umilas Vater Bam Behdur ein Notzelt gebaut. Wegen des Regens und den kalten Nächten hat ihre Mutter Maya Fieber bekommen. Auch das Trinkwasser wird knapp. Doch Ärzte und Hilfskräfte sind im Umland der Hauptstadt, in den Dörfern im Einsatz, wo sie dringender benötigt werden. Wo das Erdbeben noch stärker zugeschlagen hat, wo so viele Opfer nicht geborgen sind.

Erdbeben war Schock

Auf der Volkshochschule, die sie zweimal pro Woche besucht,
hat Urmila inzwischen deutsch gelernt und berichtet vom Schock, als sie von dem Erdbeben erfuhr, das auch ihr Leben, 6.629 Kilometer entfernt, aus den Fugen geraten ließ. „Über Facebook habe ich am 25. April gegen elf Uhr davon erfahren“, sagt sie und reißt die Augen so erschrocken auf, als ob das ganze Geschehen gerade in diesem Augenblick zum ersten Mal auf dem Bildschirm sichtbar wird.


„Ich habe sofort versucht, zuhause anzurufen, doch es gab keineNetzverbindung.“ Urmila Tamang

„Ich habe sofort versucht, zuhause anzurufen, doch es gab keine Netzverbindung.“ Bis heute ist es schwierig, nach Nepal zu telefonieren. Wie gelähmt fühlte sich Urmila, „total hilflos. Mein Kopf arbeitete überhaupt nicht.“ Alles, was sie tun konnte, war zu beten: „Bitte ruf mich jemand an.“ Erst gegen
16 Uhr meldete sich ihre Mutter, die behauptete, dass alles in Ordnung sei: „Mach Dir keinen Kopf“, sagt die Mutter am anderen Ende der Leitung. Aber Urmila weiß, dass sie Angst hat, ihre Tochter mache sich zu viele Sorgen, allein in einem fremden Land auf der anderen Seite des Erdballs.
Immer wieder versichert sie Urmila, wieviel Glück im Unglück sie doch gehabt hätten, dass niemand verletzt sei. Ihr Vater nicht, der 15-jährige Bruder Samer und die 27-jährigen Schwester Saro samt deren Familie nicht, selbst die 90-jährige Oma hat das Beben überlebt. Als sich das Erdbeben ankündigte, bevor die Wände über ihnen einzustürzen drohten, seien sie schnell auf die Straße gelaufen. Das war ihre Rettung. Doch seit dem Erdbeben kann ihr Vater, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma in Kathmandu, nicht zur Arbeit gehen. Und ihre Mutter nichts einkaufen, da alle Geschäfte geschlossen sind. Einige Nachbarn unterstützen die Obdachlosen notdürftig mit Lebensmitteln.
„Auch wir unterstützen Urmila“, sagt Olav Homburg, Bereichsleiter Freiwilligendienste beim IB, „und haben schon 500 Euro für ihre Familie gesammelt.“ Schließlich muss bald ein neues Haus gebaut werden, sobald die Nachbeben aufgehört haben. Dem Erdboden wurde es gleich gemacht, alle Habseligkeiten sind zerstört, auch für Urmila wichtige Dinge. Samt Schulzeugnissen und einem Tagebuch. Als Urmila zehn Jahre alt war, hat ihr Vater das Haus selbst gebaut. Zwei Etagen hoch für die ganze Familie, inklusive Oma, die ebenso wie die anderen jetzt auf der Straße lebt. Rund 20.000 Euro wird der Bau eines neuen Hauses kosten.

Hilfe für Urmila


Nach Nepal kann Urmila im Augenblick nicht zurück. Flüge gibt es nicht, und ihr Visum läuft noch bis September. Zu gern möchte sie das Behindertenprojekt abschließen. Möchte ihre Erfahrungen als Mitarbeiterin in einem nepalesischen Waisenhaus ergänzen und vielleicht einmal als Altenpflegerin arbeiten. „Der Freiwilligendienst des Internationalen Bundes IB ist besonders für junge Menschen aus dem Ausland eine sinnvolle Möglichkeit, ergänzend zur Schule erste Berufserfahrungen zu sammeln“, erklärt Olav Homburg. Auch deshalb kann Urmila nicht sofort nach Nepal reisen. „Ich würde gern dort helfen, aber das ist nicht einfach. Das Beste ist jetzt, eine Ausbildung zu machen und meine Kenntnisse später in Nepal einzusetzen. Inzwischen ist es klüger, ein Spendenkonto einzurichten und um Hilfe für meine Familie zu bitten.“
PS: Am Dienstag bebte die Erde in Nepal erneut.

Spendenkonto, Stichwort „Hilfe für Urmila“: Commerzbank AG, Frankfurt am Main, IBAN: DE61500800000093343006, BIC DRESDEFFXXX
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