Schüler forschen für den Geschichtomat

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Interview in der Abdankungshalle: Sprachwissenschaftler Michael Studemund-Halévy im Gespräch mit Jacob, Tida und Emine Foto: fjk/wb

Achtklässler der Stadtteilschule Winterhude auf den Spuren jüdischen Lebens

Winterhude/Ohlsdorf. In diesem Jahr feierte die Stadtteilschule Winterhude in der Meerweinstraße ihr zehnjähriges Bestehen als Reformschule. Viel weiter in der Geschichte zurück gingen Schülerinnen und Schüler ihrer 8. Klasse auf die Suche nach Spuren jüdischen Lebens in Hamburg.
Fündig wurden sie für das Schulprojekt auf dem jüdischen Begräbnisfeld an der Ilandkoppel, das 1883 direkt neben dem Ohlsdorfer Friedhof eröffnet wurde und gut elf Hektar umfasst. Was sie dort erfuhren wird sich bald auf der Internetseite „Geschichtomat“ wiederfinden. Bei diesem Schulprojekt des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden geht es um die Fragen: Welche Spuren jüdischer Geschichte gibt es in Hamburg?
Wie nehmen Jugendliche diese Geschichte in ihrem Stadtteil wahr? Im Rahmen einer Projektzeit erhalten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, in ihrer Umgebung auf Spurensuche
zu gehen und eigene Fragen zur jüdischen Geschichte und Lebenswirklichkeit in Hamburg zu entwickeln. Dabei setzen sie sich
mit persönlichen Lebensgeschichten, Orten und historischen Ereignissen auseinander.

Recherche für digitalen Stadtplan

Mit fachlicher und medienpädagogischer Unterstützung durch die Projektleiterin Dr. Stephanie Kowitz-Harms recherchieren sie, besuchen Museen oder führen im Stadtteil Interviews mit Zeitzeugen. Auf dem Friedhof war es Michael
Studemund-Halévy, der die jungen Leute in die Bestattungsriten einführte und unterschiedliche Hintergründe der hier bestatteten Hamburger Familien erklärte. Fragen an den Fachmann und persönliche Eindrücke der Jung-Historiker wurden in Filmen, Texten und Fotos festgehalten. Später werden diese in einem digitalen Online-Stadtplan eingebettet werden.
Beim Ortstermin in Ohlsdorf gab es nicht nur eine Flut von Informationen zu verarbeiten, sondern es galt auch, mit einer Flut von oben zu kämpfen. So kam der geplante Rundgang nicht zustande, Studemund-Halévy stand dafür den Schülern in der im romanischen Stil erbauten Abdankungshalle Rede und Antwort. In seinen Ausführungen ging er besonders auf die unterschiedlichen Migrationshintergründe der Hamburger Juden ein – und zog Parallelen zur Migration der Gegenwart.
Wären die Schüler beim Gang über den Friedhof nicht durch Wasser von oben und unten abgelenkt gewesen, dann wären ihnen bestimmt einige ungewöhnliche Daten auf Grabsteinen aufgefallen: Wir kommt es, dass Sara Frankfurter am 13. März 5592 geboren wurde und am 9. August 5658 verstarb? Die Erklärung liegt in der anderen Zählweise des jüdische Lunisolarkalenders. (fjk/wb)
u Mehr im Internet:
www.geschichtomat.de
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