Schülerinnen besuchen Waisendorf in Sambia

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Der Schulleiter Björn Lengwenus besuchte das Waisendorf im vergangenen Jahr. Foto: hfr
 
Die Schüler verbrachten auch außerhalb der Schule viel Zeit zusammen.
Von Marco Thielcke
Barmbek. Von Barmbek nach Limulunga sind es 12.122 Kilometer. Limu – wo? Limulunga ist ein Dorf im westlichen Sambia, in dem der pensionierte Lehrer Michael Scholz und seine von dort stammende Ehefrau Anni 2006 das kleine Projektdorf „Liyoyelo“ gründeten, in dem AIDS-Waisenmädchen ein neues Zuhause finden können. Die Kinder zwischen sechs und 16 Jahren werden dort betreut, unterrichtet und ausgebildet. Zurzeit leben 21 Mädchen und vier Frauen in dem Dorf und erhalten eine Schul- und Ausbildung, Essen und Kleidung und vor allem Liebe, Trost und Zuwendung.
Bereits zum zweiten Mal besuchen Schülerinnen der Stadtteilschule Barmbek-Nord, Abteilung Fraenkelstraße, das Waisendorf im Südwesten Sambias, welches die Schule seit August 2010 aktiv mit Spenden unterstützt. Durch die Hilfe der Barmbeker wurde sogar im vergangenen Jahr ein neues Wohnhaus für sechs Mädchen eröffnet, getauft auf den Namen: „Stadtteilschule Barmbek“.
Das Hamburger WochenBlatt hat während einer Online-Videokonferenz mit den zurzeit in Sambia weilenden Barmbeker Schülerinnen gesprochen. Mit dabei waren auch die sambianischen Mädchen Monde Menbio (15) und Violet Chirwa (15), die extra ihren Schulunterricht unterbrachen, um mit dem WochenBlatt zu sprechen. Bevor das ungewöhnliche Interview zwischen zwei Kontinenten stattfinden konnte, musste noch viel Vorarbeit geleistet werden. Stina (16), Theresa (16) und Meltem (17) gaben ihren afrikanischen Freundinnen einen Crash-Kurs fürs Internet und Videoanrufe. Was gar nicht so einfach sei, wie sie erzählen, denn manchmal gäbe es in Limulunga tagelang keinen Strom.
„Die ersten Eindrücke waren schon sehr fremd. Wir waren ziemlich schockiert“, beschreibt Stina die ersten Tage in dem afrikanischen Dorf. Doch die drei aufgeschlossenen Mädchen gewöhnten sich schnell an die neue Umgebung und die einfachen Lebensumstände. „Jetzt ist es für uns schon normal, aller zwei Tage mit einem Krug voll Wasser zu duschen“, sagt Meltem, die später mal Journalistin werden will. Die Schülerinnen sind für drei Wochen dort und „wollen am liebsten gar nicht mehr weg“. Die Schülerinnen teilen ihr Leben mit den sambianischen Mädchen offensichtlich sehr gern. Sie gehen mit den Kindern zur Schule, lernen deren Tänze und Spiele, knüpfen Armbänder und kochen original sambianisches Essen auf offenem Feuer.
„Kurz nachdem wir ankamen, sind wir mit den Mädchen auf den Markt gegangen, um von mitgebrachten Spendengeldern Kleidung zu kaufen“, sagt Theresa. Dass Kleiderspenden tatsächlich sehr nötig und wichtig sind, stellt auch Lehrerin Kathrin Wachtler, die die Schülerinnen während ihres aufregenden Besuches begleitet und betreut, fest. „Das hätte ich nie gedacht“, gibt sie zu. Das Schüleraustauschprogramm wird in diesem Jahr übrigens intensiviert: Im Dezember sollen erstmals zwei Schülerinnen aus Sambia nach Barmbek in die Fraenkelstraße kommen, um das Leben der Hamburger Schüler kennenzulernen. Monde und Violet freuen sich auf die Zeit in Norddeutschland. Der kalte Winter wird eine ganz neue Erfahrung für die Jugendlichen aus Sambia, denn Schnee kennen sie nur von Bildern. Ihr großer Traum ist es einmal Ärztin zu werden, sagen die beiden 15-jährigen Sambianerinnen Monde und Violet mit leuchtenden Augen: „Wir möchten unseren Landsleuten helfen.“ Auf die Erfahrungen im fernen Deutschland ist sie schon sehr gespannt. (mt)
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