So wurde in Hamburg-Nord und Mitte gewählt

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Seit 1980 im Bundestag: Dirk Fischer (69, CDU)

Dirk Fischer holt einziges CDU-Direktmandat. Johannes Kahrs (SPD) siegt erneut klar in Mitte

Hamburg. Erst um 3.15 Uhr verkündete der Bundeswahlleiter das vorläufige amtliche Endergebnis. Ein klarer Wahlsieg für Kanzlerin Angela Merkel und die Union gegen SPD-Herausforderer Peer Steinbrück. Allerdings hat Merkel ihren Koalitionspartner verloren. Die FDP scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Ein Schock für die Liberalen, und als wäre es der Partei peinlich, waren schon in der Nacht auf Montag in weiten Teilen Hamburgs alle Wahlplakate abgebaut. Auch in Hamburg liegt die FDP bei 4,8 Prozent. Die Grünen büßten mit 12,6 Prozent rund drei Prozent gegenüber 2009 ein.
Die CDU ist mit 32,2 Prozent der Zweitstimmen nicht mehr stärkste Partei an der Elbe, die SPD liegt mit 32,4 Prozent knapp vorn. Sehr zur Freude von Bürgermeister Olaf Scholz. „Wir konnten im Vergleich zu 2009 fünf Prozentpunkte zulegen und fünf Hamburger Wahlkreise gewinnen“, so der SPD-Landeschef, „das ist eine bemerkenswerte Leistung. Ich gratuliere den Direktkandidaten.“ Allerdings hatte es für den SPD-Direktkandidaten im Wahlkreis Nord, Christian Carstensen, nicht gereicht. Noch in der Nacht vor der Wahl hatte er 5000 Kaffeetütchen in Briefkästen seines Wahlkreis gesteckt, bis nachts um zwei. Deshalb stand Christian Carstensen am Sonntag leicht übernächtigt in der Warteschlange in seinem Wahllokal am Tweeltenbek.
„Ich habe insgesamt 11.000 Klingelknöpfe gedrückt“, bilanzierte der Langenhorner SPD-Direktkandidat, der seit mehr als einem halben Jahr im Wahlkampf von Termin zu Termin sauste. Genützt hat es nichts. Das Ergebnis folgte dem Trend: Als Direktkandidat siegte Bundestags-Urgestein Dirk Fischer. Der 69-jährige Anwalt aus Winterhude bekam rund 8.000 Stimmen mehr und hängte den 40-jährigen Volkswirt aus dem Holitzberg mit 39,7 Prozent zu 34,8 Prozent ab. Das „CDU-Urgestein“ Fischer sagte im WochenBlatt-Interview, er werde weiterhin für Sanierung und Ausbau der Infrastruktur arbeiten. Im Wahlkreis beschäftigt den 69-Jährigen die Busbeschleunigung am Mühlenkamp und ihre Auswirkungen. In diesem Jahr war die Aufstellung Fischers als Direktkandidat keine Selbstverständlichkeit gewesen. Ursprünglich hatte Fischer 2012 Platz machen wollen für Ex-Bürgermeister Christoph Ahlhaus. Dieser musste allerdings auf eine Kandidatur verzichten, weil gegen ihn wegen des Verdachts der Vorteilsnahme ermittelt wurde. Die Ermittlungen wurden eingestellt, aber Ahlhaus‘ Kandidatur hatte sich erledigt. Wegen der unklaren Lage hatte Fischer im vorigen Herbst erklärt, er stehe nun doch für eine weitere Kandidatur zur Verfügung.
Derweil hatten sich aber in der CDU Stimmen gemehrt, vielleicht mal jemand jüngeres, und vor allem eine Frau aufzustellen. Die Kampfabstimmung im Februar dieses Jahres konnte Fischer dann beim Nominierungs-Parteitag im Gymnasium Alstertal mit 126 zu 101 Stimmen für sich entscheiden. Im Privatleben ist Fischer ein engagierter Sportfunktionär: Er steht an der Spitze des Hamburger Fußballverbandes. Bei den Zweitstimmen im Wahlkreis Nord lag die CDU mit 36,5 Prozent vor der SPD mit 30,2. Mit 77,2 Prozent war die Wahlbeteiligung in Nord besonders hoch. Hier trat auch Anja Hajduk von den Grünen an, scheiterte aber erwartungsgemäß trotz eines zweistelligen Ergebnisses. Hajduk zieht dennoch in den Bundestag ein.

Geringe Wahlbeteiligung im Wahlkreis Mitte

Im Wahlkreis Mitte bleibt alles beim Alten. Dirk Marx von der CDU erreichte 28,2 Prozent der Stimmen. Damit unterlag er klar dem bisherigen Gewinner des Direktmandates, Johannes Kahrs von der SPD. Kahrs bekam 39,2 Prozent. Der 50-Jährige aus St. Georg will sich in Berlin für den Bau bezahlbarer Wohnungen im Wahlkreis Mitte einsetzen, aber auch für neue Kindergärten, sanierte Straßen und Radwege. Auffällig in Mitte ist eine vergleichsweise geringe Wahlbeteiligung. Irritationen gab es nach der Wahl, weil bei der Auszählung zunächst die Stimmen aus mehreren Wahlbezirken fehlten, darunter aus Barmbek-Süd. Mehr dazu im nächsten WochenBlatt. (rg/bcb)
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