„Sozial und kulturell bereichern“

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Rozita Partovi, Sarah Bernhard,Adam Al Sayed Ali, Anke Amsink (von links) Foto: Ruth Heume

„Middenmang“: Hansakolleg spendet für neues interkulturelles Online Magazin

Von Ruth Heume
Barmbek
Adam Al Sayed Ali (26) ist vor 15 Monaten aus Syrien nach Deutschland gekommen. Sein Bruder (22) leidet an einer seltenen Erbkrankheit, dem Familiären Mittelmeerfieber (FMF). Seit acht Monaten leben die Brüder in einem Container in der Flüchtlingsunterkunft Kiwittsmoor in Langenhorn. Die Aussichten auf eine Wohnung sind schlecht ohne Job. Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer: Adam ist seit dem 1. Juli im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) beim Kulturhaus Dehnhaide e.V. im Barmbek Basch angestellt. Er soll an dem neuen Online-Magazin „Middenmang“ arbeiten. Durch sein Studium der Medien ist er dazu bestens qualifiziert. Und seine Deutschkenntnisse sind auch schon ganz gut. Mit dem Online-Magazin betritt das Kulturhaus neues Terrain. Es soll ein Projekt von Menschen mit Migrationshintergrund, aber nicht grundsätzlich nur Flüchtlingen sein. „Im Mittelpunkt soll nicht das Leid stehen“, erläutert Kulturhaus-Geschäftsführerin Anke Amsink. Es soll um Alltagsthemen aus den jeweiligen Kulturen gehen: Kochen, Mode, Musik, Literatur und Sport. „Wir wollen das Positive einer interkulturellen Gesellschaft darstellen und hervorheben. Mit diesem Projekt möchten wir unsere Stadt sozial und kulturell bereichern.“ Das Magazin soll Menschen zusammenbringen und ihnen eine Ausdrucksplattform geben. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer eine Qualifikation in den Bereichen Journalismus, Film, Foto und Internet. Angeleitet werden die Workshops von professionellen Journalisten, Künstlern, Filmemachern und Musikern. Zusätzlich hat sich Anke Amsink noch eine erfahrene Medienfrau als BFDlerin ins Boot geholt: Rozita Partovi (52) hat im Iran Journalismus studiert und lebt schon seit fast 30 Jahren in Deutschland. Mit ihren Erfahrungen und vielfältigen Sprachkenntnissen sowie ihrem Migrationshintergrund kann sie eine Brücke schlagen zwischen den Teilnehmern und den Organisatoren. Ein vielversprechendes Projekt – das fanden auch die Kollegiaten (so werden die Schüler hier genannt) des Hansa-Kollegs. Alljährlich veranstalten sie ihren Open-Stage-Abend und nutzen dazu die Räumlichkeiten des Barmbek Basch. Als Dank dafür spenden sie die Einnahmen des Abends für ein Projekt, das im Zusammenhang mit dem Basch steht. Und so entschieden sie sich in diesem Jahr für „middenmang“. Sarah Bernhard, stellvertretende Kollegleiterin, überreichte das Geld, zusammen mit einer liebevoll von Teilnehmern des Kunstkurses gestalteten Grußkarte, jetzt an Anke Amsink. Und die freute sich, denn das Projekt kann wirklich jede Hilfe gebrauchen. Zwar gibt es Fördermittel vom Bezirksamt Hamburg-Nord, der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) sowie der Haspa, aber vieles wird noch benötigt, bis das Magazin online gehen kann. Beispielsweise für die Rubrik Mode: Hier sollen Kleidungsstücke aus verschiedenen Ländern vorgestellt und hergestellt werden. Dazu wird noch dringend Material benötigt wie Nähmaschinen, Bügeleisen und -bretter, Stoffe und Garne. Die beiden BFD-Stellen sind zunächst auf ein halbes Jahr begrenzt. „Wir hoffen natürlich, dass wir darüber hinaus weiterfinanziert werden“, so Anke Amsink. Das hofft auch Adam. Dann hat er vielleicht eine Chance auf eine eigene Wohnung. Das wäre auch gut für seinen Bruder, für den das Leben im Container aufgrund seiner Krankheit besonders schwierig ist.

Kontakt: Telefon 299 50 10, info@kulturpunkt-basch.de
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