Sozialsenatorin zu Gast bei Welcome to Barmbek

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  Hamburg: Flüchtlingsunterkunft | „Die Stadt Hamburg lernt jede Woche neue Dinge. Und wir wollen die Dinge hinterfragen.“

28.04.2016 – Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard besuchte die Unterkunft am Holsteinischen Kamp. Dort ist Welcome to Hamburg Barmbek seit der Eröffnung im Dezember 2015 ehrenamtlich aktiv. Ein Bericht von Veronika Zweckerl

An diesem Donnerstagnachmittag Ende April gibt es viel Lob: Sozialsenatorin Melanie Leonhard ist zu Gast in der Unterkunft am Holsteinischen Kamp. Sie will sich ein Bild machen. Von der Unterkunft, den Bewohnerinnen und Bewohnern – und nicht zuletzt von der Arbeit, die Welcome to Hamburg Barmbek dort leistet. „Ich bin voller Respekt und Hochachtung für Ihr Engagement. Die Stadt Hamburg lernt jede Woche neue Dinge. Und wir wollen die Dinge hinterfragen“, sagt die 38- Jährige.

Und sie fragt: Nach Dingen, die gut laufen – und nach Problemen. Cindy und Felicitas haben Flyer, Stadtpläne und Informationsmaterial für Geflüchtete mitgebracht und berichten vom großen Erfolg der Music Sessions in der Zinnschmelze, die im Mai mit dem Stadtteilkulturpreis ausgezeichnet werden. „Wirklich beeindruckend!“, findet Leonhard.

Doch die Senatorin ist auch offen für Kritik. Stephan vom Koordinationsteam verweist auf die Probleme eines zum Teil „entmündigenden Systems“. Dies manifestiere sich zum Beispiel in der Unterkunft für Frauen am Museum für Arbeit. Dort habe die Catering-Firma aufgrund der verschärften Hygienevorschriften kürzlich zwei geschulte Mitarbeitende einstellen müssen, um die Essensausgabe zu organisieren. Das verwehre den Frauen, selbst tätig werden zu können. Dabei sei es doch viel sinnvoller, Menschen Kompetenzen zu geben und sie dabei zu unterstützen, sich selbst zu organisieren und beispielsweise eine Sprecherin oder einen Sprecher zu wählen – anstatt einzeln eingepackte Kekse zu verteilen. „Wir stehen hier zwischen zwei Bedürfnissen“, erklärt Leonhard. „Auf der einen Seite muss die Hygiene in den Unterkünften den höchsten Standards entsprechen – so müssen wir zum Beispiel nachweisen, wer wann was zu essen bekommt. Auf der anderen Seite trägt das natürlich nicht zur Selbstorganisation und zum Selbstbewusstsein bei, sondern zur Lethargie“.

Und genau hier soll sich in Zukunft etwas tun: Für drei Einrichtungen in Hamburg plant der Senat derzeit eine Zusammenarbeit mit „Plan International“, die die Beteiligung Geflüchteter in den Vordergrund stellen soll: Die Menschen sollen lernen, gegenseitig auf sich aufzupassen. Ein Pilotprojekt ist bereits in der Kieler Straße gestartet. „Wenn das gut geht und hilft, wollen wir das weiter ausbauen.“

In einem Punkt sind sich an diesem Nachmittag alle einig: Integration findet nicht in den Unterkünften statt, sondern außerhalb. Leonhard verweist auf den nächsten Hamburger Familientag am 27. August. Unter dem Titel „Zusammen AUFwachsen“ sollen sich Familien von Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Behörden beraten lassen können, zum Beispiel zum Thema Kita-Plätze. Auf dem Familientag eine Beratung wahrzunehmen sei aber kein Muss: „Im schlimmsten Fall wird es einfach ein tolles Sommerfest!“
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